Stand: 10.09.2020 07:05 Uhr

Lügde: Sonderbericht kritisiert Landkreis Hameln

Polizeiabsperrung auf einem Campingplatz in Lügde.
Fall Lügde: Das Land Niedersachsen übt in einem Sonderbericht Kritik am Landkreis Hameln-Pyrmont. (Themenbild)

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) kritisiert das Land die Behörden im Landkreis Hameln-Pyrmont, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Eine Sonderermittlerin listet in einem Bericht zahlreiche Defizite auf. Das Ergebnis stellte sie am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Hameln-Pyrmont vor. Unter anderem hätten Jugendamt, Jobcenter und Polizei zu wenig Informationen ausgetauscht. Zudem sei den Hinweisen auf Kindesmissbrauch nicht nachgegangen worden.

VIDEO: Lügde: Sonderermittlerin legt Bericht vor (3 Min)

Jugendamt organisatorisch gut aufgestellt

Sonderermittlerin Christa Frenzel hatte konkret die Rolle des Jugendamtes in Hameln untersucht. Organisatorisch sehe sie die Behörde gut aufgestellt, hieß es. In der Praxis habe es - vor allem in der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern in Nordrhein-Westfalen - Defizite gegeben. Die Hamelner Behörde hatte eines der missbrauchten Kinder in die Obhut des Haupttäters gegeben. Dabei stand der Mann bereits im Verdacht, pädophil zu sein. Der Sonderbericht beschäftigt am Donnerstag auch den Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtags.

Kritik von der CDU

Kritik an dem Bericht kam von der CDU. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Sonderermittlerin parteiunabhängig ist und nicht von der SPD kommt", sagte die Kreistagsabgeordnete Ursula Körtner. Es sei auffällig, dass es kaum Kritik an der Spitze des SPD-geführten Landkreises gebe. Dabei wäre es die Pflicht des Landrates gewesen, die Vorgänge in seinem Jugendamt zu kennen. Frenzel entgegnete, dass es völlig unüblich sei, dass der Landrat mit einzelnen Vorgängen im Jugendamt konfrontiert werde.

Mehr Mitarbeiter für das Jugendamt?

Die SPD im Landkreis Hameln-Pyrmont zeigte sich zufrieden mit der sehr detailreichen Arbeit der Expertin. Es werde deutlich, dass die Vorgänge im Jugendamt besser gesteuert werden müssten, hieß es - möglicherweise durch zusätzliche Mitarbeiter, die die Prozesse überwachen. Das Jugendamt und die Schulen müssten auch schneller Informationen austauschen können. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte vieles verhindert werden können, so das Fazit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2020 | 08:00 Uhr

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