Stand: 02.09.2018 08:31 Uhr

Das Bistum Hildesheim hat wieder einen Bischof

Das Bistum Hildesheim hat einen neuen Bischof: Heiner Wilmer ist bei einer mehrstündigen Zeremonie am Sonnabend im Mariendom geweiht worden. Der 57-Jährige folgt auf Norbert Trelle, der im September 2017 aus Altersgründen zurückgetreten war. Rund 3.000 Menschen verfolgten den katholischen Festgottesdienst vor Ort. Bei einem anschließend Fest auf dem Domhof konnten die Menschen mit dem neuen Bischof ins Gespräch kommen. Der NDR hat die Feierlichkeiten im Livestream übertragen.

Neu-Bischof Wilmer sitzt nach der Zeremonie zur Weihe in seinem Bischofsstuhl. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen

Bischofsweihe: Der komplette Gottesdienst

Heiner Wilmer ist am Sonnabend in einer feierlichen Zeremonie zum neuen Bischof des Bistums Hildesheim geweiht worden. Hier können Sie hier den kompletten Gottesdienst noch einmal sehen.

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Glockenläuten zum Vollzug

Das Schlagen der "Canta Bona", der größten Glocke des Mariendoms, markierte gegen 11.30 einen der Höhepunkt des fast vierstündigen, stimmungsvollen Gottesdienstes - den Vollzug der Weihe von Heiner Wilmer zum 71. Bischof des Bistums Hildesheim. Zuvor dominierte Stille, als der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und alle anwesenden katholischen Bischöfe nacheinander schweigend die Hände auf den Kopf von Wilmer legten.

Neuer Bischof für Hildesheim: Weihe von Heiner Wilmer

"Ich bin bereit"

Wilmer hatte wenige Minuten zuvor mit den Worten "Ich bin bereit" seinen Willen bekräftigt, den Dienst als Bischof zu übernehmen. Anschließend legte sich der Geistliche lang ausgestreckt auf den Boden des Mariendoms - mit dem Gesicht nach unten. Mit dem Ritus während eines großen Bittgebets symbolisierte Wilmer seine Hingabe und Demut gegenüber Gott.

Porträt

Vom Bauernsohn zum Bischof

Bunte Vita: Der designierte Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, ist weitgereist. Paris, Rom und der New Yorker Stadtteil Bronx gehörten zu seinen beruflichen Stationen. Sein Lebenslauf. mehr

Beifall, als Wilmer auf der Kathedra Platz nimmt

Als Zeichen seiner neuer bischöflichen Würde erhielt Wilmer die Insignien, darunter Bischofsstab, Mitra und Bischofsring. Als er auf dem mehrere Monate unbesetzten Bischofsstuhl, der sogenannten Kathedra, Platz nahm, brandete Applaus auf - sowohl in dem mit rund 800 Menschen vollbesetzten Hildesheimer Dom als auch auf dem Vorplatz, wo etwa 2.000 Menschen die Weihe verfolgten. Unter den Gästen im Dom waren der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der Wilmer bereits Mitte August vereidigt hatte. Auch der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic als Botschafter des Papstes sowie der niedersächsische Landesbischof Ralf Meister und Osnabrücks Weihbischof Johannes Wübbe nahmen an der Feier teil.

Vorgänger überreichte Marienreliquiar

Im Laufe der Zeremonie überreichte Altbischof Norbert Trelle, Wilmers Vorgänger, seinem Nachfolger das Gründungsreliquiar des Bistums Hildesheim - die Lipsanothek. Es handelt sich dabei um ein Marienreliquiar aus der Hofwerkstatt Karls des Großen aus der Zeit um 800.

Warteschlange vor dem Dom

Das Bistum Hildesheim ist flächenmäßig das drittgrößte in Deutschland. Zur Amtseinführung, die nach dem Gottesdienst mit Feierlichkeiten fortgesetzt wird, wurden rund 3.000 Gäste erwartet. Wie groß das Interesse an der Zeremonie war, zeigte sich bereits am Morgen, als sich schon gegen 8 Uhr eine Warteschlange von etwa 200 Menschen vor der Kirche bildete. Der Mariendom bietet Platz für etwa 800 Menschen. Die mehrstündige Zeremonie wurde per Videoleinwand vor dem Dom und in zwei weiteren Kirchen übertragen.

Videos
01:40

"Ik bün ja noch n bitken schüchtern un nei hier"

Heiner Wilmer, neuer Bischof des Bistums Hildesheim, kommt aus dem Emsland - und macht keinen Hehl daraus. Einen Teil seiner Ansprache hielt er auf Platt - zur Freude der Gäste im Dom. Video (01:40 min)

"Meine Muttersprache": Predigt auf Platt

Der aus dem Emsland stammende, Platt sprechende Ordenspriester war bereits im April von Papst Franziskus zum Nachfolger von Norbert Trelle ernannt worden. Wilmer, der Teile seiner Ansprache auf Platt, seiner "Muttersprache", hielt, will als Bischof auf die Menschen zugehen - und zwar unabhängig von deren Konfession und Weltanschauung. Inspirieren lässt sich Wilmer unter anderem von einem seiner Vorgänger aus dem Mittelalter, Bischof Godehard, der sich Rat bei den Ältesten und den Jüngsten holte.

Weil verweist indirekt auf Vorfälle in Chemnitz

Ministerpräsident Weil äußerte - stellvertretend für die Landesregierung - "unsere Freude", dass das größte Bistum in Niedersachsen wieder eine neue Leitung hat. In seiner Ansprache ging Weil indirekt auch auf die Vorfälle in Chemnitz ein. Bilder der vergangenen Woche hätten daran erinnert, "wie viel uns noch von einer Gesellschaft trennt, die ganz und gar vom Gedanken der Nächstenliebe durchdrungen ist". Staat, Gesellschaft und die Kirchen zusammen hätten da noch "viel Arbeit" vor sich. "Wir werden noch viel mehr gemeinsam dafür tun müssen, dass diese Gesellschaft zusammenbleibt und Nächstenliebe wirklich ein Motto für uns alle werden wird", sagte Weil.

"Ehrlich, mutig, geschwisterlich und glaubensstark"

Der Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer (SPD) lobte die Qualitäten von Wilmer, appellierte aber auch daran, dass die Erwartungen in den neuen Bischof "nicht ins Unermessliche" steigen dürften. Hannovers evangelischer Landesbischof Meister wünschte Wilmer, so zu wirken, wie er sei: "ehrlich, mutig, geschwisterlich und glaubensstark". Meister fügte hinzu: "Wir freuen uns auf die gemeinsame ökumenische Wanderschaft."

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Erzbischof verweist auf Herausforderungen

In seiner Predigt erinnerte Hamburgs Erzbischof Heße an Herausforderungen, die auf Wilmer warten. Dieser werde Bischof "in einer Zeit, wo uns die Fälle des sexuellen Missbrauchs kräftig zusetzen. Das ist auch am Bistum Hildesheim nicht spurlos vorübergegangen", sagte Heße. Damit spielte er unter anderem auf den längst gestorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen an, der einen Jungen sexuell missbraucht haben soll. Der Vorwurf wurde erst 2015, mehr als 50 Jahre nach dem angeblichen Missbrauch, erhoben.

Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch

Auch Bischof Wilmer ging in seiner Ansprache auf das Thema Missbrauch ein. "Mir ist bewusst, dass ich meinen Dienst in einer für die Kirche herausfordernden Zeit antrete", sagte der Katholik. Der Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der katholischen Kirche sei das "schwerste und bitterste Thema", dem er sich von Anfang an mit aller Kraft widmen wolle. "Was die Menschen brauchen, ist Heilung und Hoffnung", sagte Wilmer. Zuvor hatte er bereits angekündigt, bei der Aufklärung auf unabhängige Kontrolleure zu setzen - und nicht auf Personen, "die auf der Gehaltsliste der Kirche stehen", wie Wilmer der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) sagte. Als Bischof wolle er darauf achten, dass alle, die in der katholischen Kirche mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, an den bereits vorhandenen Präventionskursen teilnehmen.

Weitere Informationen
NDR Kultur

Geerdet für den Blick nach oben

25.08.2018 18:00 Uhr
NDR Kultur

Er kennt die Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof im Emsland und die schönen Seiten Italiens. Am 1. September wird Pater Heiner Wilmer zum neuen Bischof von Hildesheim geweiht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.09.2018 | 13:50 Uhr

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