Ernst August Prinz von Hannover im Verhandlungssaal des Landgerichts Niedersachsen im Jahr 2009. © dpa / picture alliance Foto: Jochen Lübke

Ernst August: Gericht in Linz bestätigt Haft auf Bewährung

Stand: 24.11.2021 15:34 Uhr

Das Oberlandesgericht Linz hat in einem Berufungsverfahren ein Urteil gegen den Welfenprinzen Ernst August von Hannover zum Teil bestätigt.

"Das Urteil ist rechtskräftig. Die Bewährungszeit beginnt mit dem heutigen Tage", sagte ein Gerichtssprecher dem NDR in Niedersachsen. Das Landgericht Wels hatte Ernst August in erster Instanz zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Adelige im September 2020 im Vollrausch Polizisten attackiert und verletzt sowie ein auf seinem Anwesen in Oberösterreich angestelltes Ehepaar massiv bedroht hatte. Daraufhin hatten Beamte ihn damals vorübergehend festgenommen. Zu der zweistündigen Berufungsverhandlung in Linz erschien der 67-Jährige nicht. Er habe ein Medienspektakel vermeiden wollen, hieß es. Sein Anwalt gab zudem an, dass Ernst August von Hannover Hochrisikopatient sei und wegen Corona Menschenansammlungen in Innenräumen meiden wolle.

Prinz darf wieder auf seinem Anwesen wohnen

Allerdings erzielte Ernst August einen Teilerfolg. Das Oberlandesgericht Linz hob die fünf verhängten sogenannte Weisungen auf,. Das Landgericht Wels hatte im ursprünglichen Urteil zur Auflage gemacht, dass Prinz Ernst August von Hannover nicht mehr auf dem österreichischen Anwesen in Grünau im Almtal (Bezirk Gmunden) wohnen, sich Gebäuden der Cumberland Stiftung nicht nähern dürfe. Außerdem er keinen Kontakt zu der von ihm bedrohten Verwalterfamilie aufnehmen und keinen Alkohol trinkene. Außerdem müsse er eine Psychotherapie beginnen, hieß es in dem Urteil. Dagegen hatte der Anwalt Beschwerde eingelegt.

Ernst August muss Schadenersatz zahlen

Offen sind derweil noch sogenannte Privatbeteiligtenzusprüche, Schadenersatzzahlungen an das Ehepaar und den verletzten Polizisten in Höhe von jeweils 500 Euro. Diese seien noch nicht abgegolten, so der Gerichtssprecher. Die Betroffenen hätten einen Exekutionstitel, der zur Vollstreckung gebracht werden könne, sollten die Privatbeteiligtenzusprüche nicht innerhalb von 14 Tagen gezahlt werden.

Prozess um Rückgabe von Marienburg vertagt

Der Prozess in Österreich ist nicht die einzige gerichtliche Auseinandersetzung des Welfenprinzen. Für Donnerstag war ein Termin am Landgericht Hannover anberaumt. Ernst August von Hannover fordert von seinem Sohn Erbprinz Ernst August die Rückgabe der Marienburg in Pattensen (Region Hannover), des Hausguts Calenberg in der Gemeinde Pattensen-Schulenburg und des Fürstenhauses Herrenhausen in Hannover. Der Vater wirft dem Sohn groben Undank vor. Das Landgericht hat die Verhandlung auf den 24. März 2022 verlegt, weil ein Prozessbevöllmächtigter sein Mandat kurzfristig niedergelegt hat.

Anwalt ficht vorläufiges Waffenverbot an

Ein weiteres Verfahren ist derzeit noch am oberösterreichischen Landesverwaltungsgericht anhängig. Dabei geht es um ein vorläufiges Waffenverbot für Ernst August. Dieses war im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Grünau ausgesprochen worden. Der Rechtsanwalt des Prinzen hatte Beschwerde eingelegt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 24.11.2021 | 15:00 Uhr

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