Ein Stop-Schild ist vor einem Continental-Logo zu sehen. © picture alliance Foto: Roberto Pfeil

Aufsichtsrat stimmt massivem Stellenabbau bei Continental zu

Stand: 30.09.2020 20:30 Uhr

Es ist besiegelt. Der Aufsichtsrat von Continental hat zugestimmt, die Werke in Aachen und Karben zu schließen. In Regensburg fallen bis zu 2.100 Jobs weg.

Die IG BCE spricht von "Kahlschlag". Während das Reifenwerk in Aachen (Nordrhein-Westfalen) Ende 2021 aufgegeben wird, soll der Standort für Automobilelektronik im hessischen Karben bis Ende 2024 schließen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch am Hauptsitz in Hannover mit. Zusammen mit Arbeitsplätzen im Werk im bayerischen Regensburg macht das bereits rund 4.800 Stellen, die wegfallen beziehungsweise "verändert" werden. Demnach sollen Mitarbeiter umgeschult und Jobs verlagert werden.

IG-BCE-Chef: "Gesamte Mannschaft vor den Kopf gestoßen"

Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall erklärten, die Arbeitgebervertreter hätten das "rigide Sparprogramm" gegen die Stimmen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat abgesegnet. Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, sprach von einem "Kahlschlag-Konzept". "Continental hat die gesamte Mannschaft vor den Kopf gestoßen, die eigene Unternehmenskultur beschädigt und die betriebliche Mitbestimmung mit Füßen getreten", sagte er. Vor der Sitzung des Aufsichtsrates hatten am Dienstag in Hannover rund 2.000 Beschäftige des Zulieferers demonstriert. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte sich im Vorfeld irritiert über das Ausmaß der Sparmaßnahmen gezeigt.

Conti-Chef Degenhart: "Entlassungen das allerletzte Mittel"

Bundesweit sollen durch die Umstrukturierung 13.000 Jobs wegfallen beziehungsweise dem Bedarf angepasst werden, weltweit betrifft das rund 30.000 Stellen. "Das heißt nicht automatisch 30.000 Kündigungen", sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. Entlassungen seien das allerletzte Mittel. Zunächst sollten neue Beschäftigungsperspektiven für die betroffenen Mitarbeiter gesucht werden. Die IG BCE sieht das anders: Nach ihrer Auffassung stehen die Arbeitsplätze vor dem Aus.

Konzern will jährlich eine Milliarde Euro sparen

Der Continental-Vorstand hatte den wegen der Corona-Krise verschärften Sparplan Anfang September angekündigt. Als Grund nannte das Unternehmen die schon länger anhaltende Talfahrt am Automobilmarkt. Das erste Sparprogramm im vergangenen Jahr war Folge des Umbruchs zu klimafreundlichen Elektroautos. Ziel des Konzerns ist es, von 2023 an jährlich mehr als eine Milliarde Euro einzusparen. Betriebsräte und Gewerkschafter beklagen, dass sie in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden worden seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.09.2020 | 18:00 Uhr

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