Stand: 17.04.2020 09:59 Uhr

Zu laut? Waschbär schaltet Kirchenglocken ab

Ein Waschbär sitzt im Kirchturm der Kirche Löwenhagen. © dpa Foto: Swen Pförtner
Im Kirchturm in Löwenhagen hat sich ein Waschbär eingenistet. Er hat mehrfach den Hebel für das Geläut umgelegt - und die Glocken blieben still.

Morgens, mittags und abends läuten die Kirchenglocken in Löwenhagen - normalerweise. Doch in dem Ortsteil der Gemeinde Niemetal (Landkreis Göttingen) herrschte zuletzt mehrfach Stille. Der Grund war zunächst nicht klar: Die Anlage im Turm ist relativ neu und wird regelmäßig gewartet. Allerdings war der Hebel, mit dem der Strom ein- und ausgeschaltet werden kann, umgelegt - obwohl der Turm verschlossen war. "Mittlerweile ist das Rätsel allerdings gelöst", sagt Roswitha Kamm vom Kirchenvortstand. Bissspuren am Hebel, Kot und ein Zufallsfoto identifizieren einen Waschbären als Verursacher.

Wie kommt Waschbär in den Glockenturm?

Außenaufnahme der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm und einem alten Friedhof vor dem Eingang. © dpa Foto: Swen Pförtner
Wie der Waschbär in den Glockenturm gelangt ist bislang sein Geheimnis.

"Wie der Waschbär in den Turm kommt, ist allerdings das große Geheimnis", sagt Ehemann Uwe Kamm, der für die Gemeinde die Lage begutachtet hat. "Wir haben das ganze Dach von innen abgesucht. Es ist uns aber nach wie vor nicht klar, wie das Tier auf den Boden gelangen kann." Statt den Waschbären ein-, beziehungsweise auszusperren, will Kamm einen Käfig für den Hebel bauen. "Ich baue einen Drahtverhau um den Hebel, sodass er nicht mehr dran kommt." Da das Tier keinen nennenswerten Schaden angerichtet habe, dürfe es bleiben.

Tiere breiten sich seit 1930er-Jahren aus

Das Ehepaar Uwe Kamm, stellvertretender Bürgermeister, und Roswitha Kamm, Kirchenvorsteherin, stehen vor der Kirche Löwenhagen mit ihrem kleinen Kirchturm. © dpa Foto: Swen Pförtner
Roswitha Kamm vom Kirchenvorstand Löwenhagen und ihr Mann Uwe Kamm.

So viel Nachsicht wie in Löwenhagen erleben Waschbären nicht überall in Niedersachsen. In den vergangenen Jahren wurden landesweit jeweils mehr als 15.000 Exemplare erlegt. Die aus Nordamerika stammenden Tiere waren im vergangenen Jahrhundert zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 am nordhessischen Edersee ausgewildert worden. Seither verbreitet sich der Waschbär - trotz hoher Abschusszahlen. Die Allesfresser haben nach Ansicht von Experten einen erheblichen Einfluss auf die Bestände gefährdeter Arten wie Moorfrosch, Ringelnatter, Gelbbauchunke oder die Europäische Sumpfschildkröte.

 

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 17.04.2020 | 09:30 Uhr

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