Stand: 14.01.2018 11:34 Uhr

Zahl der Spätaussiedler nimmt erneut zu

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In Friedland befindet sich das bundesweit einzige Aufnahmelager für Ausssiedler. (Archivbild)

Die Zahl der nach Deutschland eingereisten Spätaussiedler ist im vergangenen Jahr zum fünften Mal in Folge angestiegen. Im bundesweit einzigen Aufnahmelager in Friedland (Landkreis Göttingen) wurden 2017 insgesamt 7.134 Neuankömmlinge aus den früheren Mitgliedsstaaten der Sowjetunion registriert. Dies seien etwa 500 mehr als im Jahr zuvor, sagte der Leiter der Einrichtung, Heinrich Hörnschemeyer. 2012 hatte die Zahl der Aussiedler mit rund 1.800 einen Tiefstand erreicht. Seitdem nahm sie kontinuierlich zu.

Vor allem jüngere Familien kommen nach Deutschland

Bei den meisten Spätaussiedlern im vergangenen Jahr habe es sich um jüngere Familien gehandelt, die hier bereits Verwandte haben, sagte Hörnschemeyer. Viele der Menschen, die vorwiegend aus Kasachstan und Russland gekommen seien, hätten eine Ausbildung. Auf dem dritten Platz der Herkunftsländer stehe mittlerweile die Ukraine. Das Lager im Landkreis Göttingen hat derzeit rund 800 Betten. Etwa ein Drittel davon wird mit Aussiedlern belegt und zwei Drittel mit Flüchtlingen aus unterschiedlichen Staaten.

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Wenig Perspektive in Kasachstan

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg sei der Wegfall der Zuzugssperre für Familienangehörige, sagte der Göttinger Historiker Alfred Eisfeld, der sich auf das Thema Aussiedler spezialisiert hat. Zudem sähen vor allem viele der in Kasachstan lebenden Deutschen für sich dort keine Perspektive mehr. Er rechne deshalb auch weiterhin mit zahlreichen Aussiedlern, sagte Eisfeld. Allein in Kasachstan leben nach Angaben des Wissenschaftlers derzeit noch etwa 160.000 Deutsche. "Die Situation dort ist für sie nicht leichter geworden", so Eisfeld. "Die Umgebung ist in hohem Maß nationalistisch gesinnt. Da kommen sich Nicht-Kasachen oft zurückgesetzt und verloren vor."

Sozialer Abstieg trotz Integration

Die Integration der Spätaussiedler in Deutschland gelingt nach Eisfelds Einschätzung in den meisten Fällen gut, obwohl sie für viele Betroffene mit einem sozialen Abstieg verbunden sei. Dies beträfe vor allem Menschen mit Hochschulausbildung, deren Abschlüsse nicht anerkannt wurden. Aus diesem Grund hätten sie größtenteils Tätigkeiten unter ihren Möglichkeiten aufnehmen müssen, so der Historiker.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2018 | 10:00 Uhr

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