Stand: 23.01.2018 16:00 Uhr

Wann dürfen Cannabis-Patienten Auto fahren?

Bekifft Auto fahren? Das ist verboten, so viel scheint klar. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn etwa 13.000 Patienten in Deutschland bekommen Cannabis ärztlich verordnet. Sie dürfen bislang ans Steuer, nach eigener Einschätzung und wenn sie keine Ausfallerscheinungen haben. Ob das sinnvoll ist, darüber debattieren ab Mittwoch die Experten des Verkehrsgerichtstags (VGT) in Goslar. Denn wer illegal Cannabis konsumiert, muss mit Fahrverbot und Führerscheinentzug rechnen.

Toxikologisch kein Unterschied

Aus toxikologischer Sicht mache es keinen Unterschied, ob sich jemand nach verordnetem oder illegal konsumiertem Cannabis ans Steuer setze, sagt Prof. Thomas Daldrup von der Uniklinik Düsseldorf. Er ist einer der Referenten zum Thema "Cannabiskonsum und Fahreignung" beim Verkehrsgerichtstag.

Caffier: "Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer"

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) warnte unterdessen davor, das Autofahren unter ärztlich verschriebenem Cannabis zu bagatellisieren. Er kündigte an, dass sich an der Kontrollpraxis bei der Landespolizei nichts ändern werde. "Für die Polizei ist es völlig irrelevant, warum jemand Drogen konsumiert hat und glaubt, sich danach hinter das Lenkrad setzen zu können", so Caffier. "Kraftfahrer, die nach dem Cannabiskonsum, unabhängig ob legal oder illegal, nicht aufs Autofahren verzichten, sind nicht nur eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer, sondern auch für sich selbst."

AvD kritisiert Selbsteinschätzung

Kritik kommt auch vom Automobilclub AvD - vor allem, daran dass die Cannabis-Patienten selbst einschätzen dürfen, ob sie fahrtüchtig seien. Autofahrer seien nicht in der Lage, die Wirkung der Drogen verlässlich einzuschätzen, sagte Herbert Engelmohr. "Wer sich hinter das Steuer setzt, muss nüchtern sein." Das müsse auch für Kranke gelten, bei denen Cannabis als Medizin-Wirkstoff eingesetzt wird.

VGT-Präsident sieht Lücken im Gesetz

Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Kay Nehm, sieht Lücken im geltenden Gesetz. Patienten könnten nur bestraft werden, falls sie einen auf Cannabis-Einfluss beruhenden Fahrfehler begehen. "Was der Gesetzgeber da zugelassen hat, berücksichtigt überhaupt nicht die Sicherheit des Straßenverkehrs", sagte er. In Goslar soll es auch darum gehen, ab welchem Wert bei illegalem Cannabis-Konsum von einer fehlenden Eignung zum Fahren auszugehen ist. Verwaltungsgerichte waren sich nicht einig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.01.2018 | 07:00 Uhr

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