Die Physikerin Viola Priesemann spricht während eines Zoom-Interviews. © NDR

Priesemann: "Impfen und Boostern - und zwar schleunigst"

Stand: 17.11.2021 14:38 Uhr

Die Göttinger Physikerin Viola Priesemann forscht zur Ausbreitung des Coronavirus. Im Interview mit dem NDR Niedersachsen stellte sie erneut klar: Mit 2G und 3G allein werden die Zahlen nicht sinken.

Das liege daran, dass 2G und 3G lediglich im öffentlichen Raum gelte, erklärte Priesemann. Ein Großteil der Treffen finde aber im privaten Bereich statt. Außerdem komme es zu Übertragungen mit dem Coronavirus in Haushalten, Schulen und am Arbeitsplatz. "Diese ganz klare Trennung von Geimpften und Nichtgeimpften, das gibt es in der Gesellschaft - ja auch zum Glück - nicht", sagte die Wissenschaftlerin, die am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen arbeitet. Sie appelliert: "Was wir brauchen, ist Impfen und Boostern - und zwar schleunigst."

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In zwei von drei Szenarien bleiben Intensivstationen voll

Ihr Forschungsteam habe in einem Positionspapier drei mögliche Szenarien dargelegt, erklärte Priesemann. Bei einem "Weiter so" würden die Fallzahlen weiter in die Höhe schießen, die Intensivstationen langfristig überlastet. Dann gebe es ein Szenario, in dem "ein bisschen geimpft, ein bisschen geboostert, ein bisschen Maßnahmen" gemacht werde. "Dann könnten die Intensivstationen über Wochen, wahrscheinlich sogar über einige Monate voll sein, einfach weil es so extrem viele Menschen gibt, die noch ungeschützt sind", so Priesemann. In dem dritten Szenario, in dem schnell und umfangreich geimpft und geboostert werde, "so mit etwa einem Prozent pro Tag oder sogar mehr, dann würden wir zu Weihnachten schon erste gute Effekte sehen". Dies sei eine "wichtige und nachhaltige Methode, um die entsprechende Welle, die wir jetzt haben, zurückzudrängen", so die Forscherin.

Wenn Lockdown, dann richtig

Einen Lockdown halten Priesemann und ihr Forschungsteam per se für ein sinnvolles Instrument. Es sei die Frage, ob es der Gesellschaft das wert sei. Ein Lockdown light wie im vergangenen Jahr sei allerdings keine Lösung. "Was wir in unserem Positionspapier ganz klar sagen, ist: Wenn Lockdown, dann richtig - und zwar kurz und dann maximal für zwei Wochen", sagt Priesemann. Ein halbherziges Herunterfahren des öffentlichen Lebens führe auf keinen Fall dazu, dass die Fallzahlen gesenkt würden. Das habe man vor einem Jahr gesehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 17.11.2021 | 07:30 Uhr

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