Stand: 15.03.2019 19:38 Uhr

Nachbarn zerstückelt: Okkulte Rituale in Lindau

Wegen Mordes muss sich ein 28-Jähriger seit Februar vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Er soll einen 37 Jahre alten Mann im Landkreis Northeim getötet und die Leiche zerstückelt haben. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Körperverletzung, Mord und Störung der Totenruhe vor. Am Freitag berichtete ein Zeuge im Prozess von einem okkulten Orden, dem der Angeklagte angehört habe. In dem Haus, das der mutmaßliche Täter und das Opfer bewohnten, wurden nach Angaben des 33-jährigen Zeugen okkulte Rituale und Geisterbeschwörungen abgehalten. Es sei ein regelrechtes Geisterhaus gewesen.

Leiche in Feld vergraben

Im Dezember 2017 soll der Angeklagte seinen Wohnungsnachbarn in Katlenburg-Lindau getötet, die Leiche zerteilt und in einem Feld vergraben haben. Die Tat wurde bekannt, nachdem der Mann sie nach einem Suizidversuch im August 2018 im bayerischen Landsberg am Lech gestanden hatte. Er hatte die Polizei danach zu dem Fundort des Leichnams geführt.

Nächtliches Aufnahmeritual im Harz

Der Zeuge, der am Freitag aussagte, war selbst Mitglied der okkulten Vereinigung und lebte eine Zeitlang in dem Haus. Im Internet war er seinen Angaben zufolge auf die dort als "geheimnisvolle Gemeinschaft" bezeichnete Gruppe gestoßen und hatte den "Sprecher" kontaktiert, einen Mann aus dem Raum Hildesheim, der sich als "Hüter von Kronum" bezeichnete. Persönlich traf der Zeuge die Gruppe bei einem Wochenende in Thale im Harz mit Ausflügen zu Ruinen, Kultstätten und dem Hexentanzplatz. Die meisten anderen Interessenten seien wie er selbst gewesen: Menschen, die sich "von der Gesellschaft vernachlässigt" fühlten. Seine Aufnahme erfolgte beim dritten Treffen, als es mit Fackeln durch den dunklen Harzwald ging. An einem aufgebauten Altar habe er einen "Schwur vor der Gottheit" geleistet und sich "gefühlt wie Robin Hood", sagte der Zeuge. Ein ungekanntes Zugehörigkeitsgefühl habe ihn überkommen.

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Geisterbeschwörungen in der Wohnung

So harmonisch blieb die Mitgliedschaft jedoch nicht - der Einzug in das Haus in Lindau erwies sich als Fehler, obwohl der Zeuge ihn zunächst begeistert vollzog. Der "Sprecher" des Ordens hatte das ganze Mehrfamilienhaus angemietet und versuchte, von ihm angeworbene Mitglieder als Mieter zu gewinnen. Früher hatte das Gebäude als Gästehaus des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung gedient. Der 33-Jährige kündigte seine Wohnung in Baden-Württemberg, war eine Zeitlang sogar obdachlos, bis das Haus in Lindau bezugsfertig war, und zog mit dem Angeklagten in eine Drei-Zimmer-Wohnung. In einem der Zimmer wurden dem Zeugen zufolge Rituale und Séancen abgehalten sowie Hymnen eingeübt. Der "Sprecher" habe ihm Angst eingejagt: Immer wieder habe er erzählt, was geschehen würde, wenn die "Gottheit" verärgert werde. Der Mann sei ein "Meister der Manipulation" gewesen und habe wie ein Sektenführer agiert.

Zeuge zog schließlich aus der Wohnung aus

Bei einer der Séancen musste der Zeuge seinen Schilderungen zufolge zwölf Tropfen Blut dazugeben. "Der Geist, den ich damals beschworen habe, verfolgt mich heute noch", sagte er vor Gericht. Er habe schließlich so unter Druck gestanden, dass er versuchte, sich im Keller das Leben zu nehmen. Kurz darauf sei er ausgezogen.

Staatsanwaltschaft wirft Angeklagtem Lust am Töten vor

Der 28-jährige Angeklagte soll in der Nacht auf den 8. oder 9. Dezember 2017 in dem Haus mit seinem 37 Jahre alten Nachbarn in dessen Wohnung ein Trinkgelage veranstaltet haben. Im Streit schlug er dem Nachbarn laut Anklage mit der Faust aufs Auge. Weil er einen Menschen habe sterben sehen wollen, habe er den 37-Jährigen dann mit einer auf dem Boden liegenden Schnur erwürgt. Anschließend habe er die Leiche ins Bad gezerrt, ein Messer aus seiner eigenen Wohnung geholt und den Toten damit zerstückelt. Der 28-Jährige, der sich auch mit dem fachgerechten Zerlegen von Körpern befasst haben soll, habe viel Zeit und Geschick hierauf verwendet. Die Leichenteile habe er in Tüten verpackt und auf einem abgelegenen Feld in der Nähe von Katlenburg-Lindau vergraben. Dort wurde der Tote im Sommer 2018 entdeckt und geborgen.

Der Prozess soll bis Mai dauern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 06.02.2019 | 17:00 Uhr

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