Menschen bei einer Demonstration gegen ein Atommüll-Zwischenlager nahe der niedersächsischen Grenze. © NDR Foto: Wilhelm Purk

Kritik an geplantem Atomlager im Hochwassergebiet Würgassen

Stand: 06.09.2021 08:11 Uhr

Nach der Flut- und Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern wächst die Kritik am geplanten Atommüll-Zwischenlager Würgassen (Nordrhein-Westfalen) an der Weser.

Christian Meyer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/die Grünen in Niedersachsen, spricht im Plenarsaal des niedersächsischen Landtags. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Grünen-Politiker Christian Meyer hält den Standort für "absurd". (Archivbild)

Die Katastrophe hat auch an der Weser heftige Diskussionen ausgelöst. In der Weserniederung bei Würgassen (Landkreis Höxter) nahe Lauenförde im Landkreis Holzminden plant der Bund ein Zwischenlager für den schwachen und mittelradioaktiven Müll aus deutschen Atomkraftwerken. Spätestens seit den Bildern aus dem Ahrtal ist für viele Bürger vor Ort der Standort Würgassen vollkommen ungeeignet. "Es ist völlig wahnsinnig, in ein offizielles Überschwemmungsgebiet ein solches Atomzentrum zu bauen", sagt Christian Meyer, Landtagsabgeordneter der Grünen. "Man darf da kein Einfamilienhaus bauen und dann will man da ein 360 Meter langes Atommüllzentrum mitten in die Weseraue bauen. Das ist in der heutigen Zeit völlig absurd. Dieser Standort ist einfach ungeeignet."

Bürgerinitiative hält Standort für ungeeignet

Für die örtliche Bürgerinitiative ist der Standort aus vielen Gründen ungeeignet. Es gebe nur ein Bahngleis, der Baugrund sei instabil. Die nächsten Häuser stünden viel zu nah, sagt der BI-Vorsitzende Dirk Wilhelm. Die Hochwasser-Problematik gebe dem Standort jetzt aber definitiv den Rest. "Wir haben eine Versiegelung, eine massive in diesem Bereich. Und das wider-spricht eben so ziemlich allem, was Experten gerade raten, nämlich fern der Gewässer bauen, Flüssen Raum geben und dergleichen", sagte Wilhelm. "Und insofern ist es denkbar schlecht, im Flussbett ein solches Lager errichten zu wollen."

Wasserbauexperte stützt mit Gutachten Pläne des Bundes

Jürgen Jensen vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu). © Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu)
Wasserbau-Professor Jens Jensen sieht keine Gefahr durch Hochwasser.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung zeigt sich von dieser Kritik weitgehend unbeeindruckt. Sprecher Hendrik Kranert-Rydzy sieht kein Problem. Das Baugelände werde entsprechend aufgeschüttet. Für die Versiegelung werde im Wesertal Ersatz-Retentionsraum geschaffen. Fläche dafür gebe es im Umfeld des stillgelegten Atomkraftwerkes Würgassen genug. Zudem stützt sich die Gesellschaft auf das Gutachten eines namhaften Wasserbauexperten. Für Professor Jürgen Jensen von der Universität Siegen stellt auch ein alle 10.000 Jahre vorkommendes extremes Hochwasser keine Gefahr dar. "Für den Standort Würgassen haben wir einen Abfluss ermittelt, der ist so groß, dass das bisher größte Hochwasser in den Bereich von 1946 und ein Hochwasser von 1995 in der Summe nicht so groß ist wie dieser Bemessungsabfluss. Da bleibt dann immer noch eine kleine Reserve", sagt der Experte.

Gegner fordern Transparenz und ein neues Auswahlverfahren

Gegner des Atomzwischenlagers kommen aus fast allen politischen Lagern. Bundes- und Landtagsabgeordnete, Landräte und Bürgermeister haben die Bundesumweltministerin aufgefordert, die Kriterien, die für den Standort Würgassen gesprochen haben, offen zu legen. Viele fordern ein neues Standortauswahlverfahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 02.09.2021 | 08:30 Uhr

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