Das Gebäude der Staatsanwaltschaft in Göttingen. © Picture Alliance Foto: Swen Pförtner

Früherer Ditib-Vorsitzender wegen Volksverhetzung angeklagt

Stand: 30.06.2021 12:24 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat Anklage gegen den früheren Ditib-Vorsitzenden Mustafa Keskin erhoben. Sie wirft dem Ex-Funktionär des Moscheeverbandes Volksverhetzung in vier Fällen vor.

Zudem habe Keskin in einem Fall eine Straftat gebilligt, teilte ein Behördensprecher mit. Er soll im Zeitraum zwischen Mai 2015 und Februar 2021 mindestens vier Nachrichten auf Facebook und WhatsApp verbreitet haben, in denen Juden und Armenier beleidigt und Verschwörungsmythen verbreitet werden. Der sozialistische Jugendverband "Die Falken" hatte die Hass-Nachrichten Anfang des Jahres entdeckt und öffentlich gemacht. Daraufhin trat Keskin am 8. Februar von seinem Amt zurück.

Keskin verteidigt sich: Für interreligiösen Dialog engagiert

Der ehemalige Ditib-Vorsitzende bestreitet, antisemitische Nachrichten verschickt zu haben. In seinem früheren Amt habe er sich für den interreligiösen Dialog eingesetzt. Keskin war unter anderem beim Runden Tisch der Abrahamsreligionen in Göttingen engagiert. Der Ditib-Bundesverband hatte im März angekündigt, die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihn aufarbeiten zu wollen.

Wofür steht DITIB?

DITIB ist eine Abkürzung für "Diyanet İşleri Türk İslam Birliği", auf Deutsch: "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion". Der größte islamische Dachverband bundesweit hat seinen Sitz in Köln und umfasst rund 900 Moscheegemeinden. Das Ziel von DITIB ist es nach eigenen Angaben, Muslimen einen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zu geben und einen Beitrag zur Integration zu leisten. Neben Gemeindezentren organisiert der Verein Bildungs-, Sport- und Kulturangebote. Immer wieder wird allerdings kritisiert, dass die DITIB der türkischen Religionsbehörde unterstehe und eine zu große Nähe zum türkischen Staat und der regierenden AKP von Präsident Erdogan habe.

Fotomontage mit Papst-Attentäter

Konkret soll es unter anderem um einen Beitrag gehen, in dem in einer Montage Papst Franziskus und der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca abgebildet sind. Ali Agca hatte Papst Johannes Paul II. 1981 bei einem Attentat schwer verletzt. Weil Franziskus den Völkermord an den Armeniern als historische Realität anerkenne, müsse sich dieser nicht wundern, wenn man ihm in den Kopf schießt, heißt es in dem Beitrag sinngemäß, den Keskin geteilt haben soll.

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Blick auf die Salimya-Moschee in Göttingen. © picture alliance/imageBROKER Foto: Thomas Robbin

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 30.06.2021 | 13:30 Uhr

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