Stand: 19.03.2018 19:17 Uhr

Forscher-Glück: Dino-Fund in Ägyptens Wüste

Seine Augen funkeln und sein Lächeln ist breit. Der Museumsdirektor des Naturhistorischen Museums Braunschweig, Prof. Ulrich Joger, ist glücklich. Seine Reise in die Wüste hat sich gelohnt. Vor zwei Wochen war der 63-Jährige mit seinem Team, dem Paläontologen Ralf Kosma und dem Kameramann Achim Ritter, nach Ägypten gereist - auf der Suche nach Dinosaurier-Knochen. Und das nicht irgendwo, sondern auf den Spuren der Forscher Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach und Richard Markgraf, die schon vor rund 100 Jahren in der Oase Bahariyya einen bedeutenden Fund gemacht hatten: den Spinosaurier, mit rund 18 Metern Länge der größte Raubsaurier. Um genau den geht es in der neuen Sonderausstellung "Spinosaurus - Der rätselhafte Riese" des Naturhistorischen Museums, die ab 14. April in der Burg Dankwarderode zu sehen ist. Jetzt können Joger und seine Kollegen die Ausstellung bereichern - mit ihren eigenen Erkenntnissen und Exponaten aus der Sahara. Denn sie haben auf ihrer Expedition tatsächlich auch Dinosaurier-Knochen gefunden. Zwar keine eines Spinosaurus, aber von einem seiner Weggefährten.

Prof. Ulrich Joger, Direktor des Naturhist. Museum Braunschweig, hält eine Dinosaurier-Figur in der Hand © NDR Foto: Oliver Schwier

Spinosaurus - Dinosaurier aus der Sahara

Hallo Niedersachsen -

Forscher des Naturhistorischen Museums in Braunschweig haben sich auf eine Expedition zur Oase Bahariyya in der Sahara begeben. Dabei machten sie einen sensationellen Fund.

4,57 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Fragmente eines pflanzenfressenden Langhals-Dinos

Die verschiedenen Beinknochen, einzelne Rippen und Fragmente einer Schulter, die das Team ausgrub, stammen von einem Sauropoden, einem pflanzenfressenden Langhals-Dinosaurier. Welche Art genau, das können die Wissenschaftler jetzt noch nicht sagen, nur dass dieser vor rund 100 Millionen Jahren lebte. Da war die Oase Bahariyya noch ein tropisches Feuchtgebiet. Hier kommt heute die Schicht der Unterkreidezeit an die Oberfläche und macht Knochen somit überhaupt erst zugänglich.

Funde in Ägypten eher selten

Für die Wissenschaftler ein Erfolg. "An solch einem historisch bedeutsamen Fundort selbst Dinosaurier-Knochen zu finden, das hat bisher noch kaum jemand machen können", so der Paläontologe. Schließlich sei Ägypten nicht gerade ein Saurier-Mekka, ganz im Gegenteil. Knochenfunde seien dort eher selten. Genauso selten seien auch komplette Skelette von Dinosauriern. Daher gibt jeder einzelne Knochen, geben versteinerte Hölzer oder Überreste anderer Tiere immer mehr Aufschluss über den Lebensraum des Sauropoden.

Ägyptens Wüste gibt Sauropoden-Knochen preis

Überraschende Expedition

Die Expedition hatte sich spontan ergeben. Im November letzten Jahres kam ein Privatsammler auf Ralf Kosma zu. Er erzählte dem Paläontologen von seinem zufälligen Knochenfund im Jahr 2009 in der Wüste. Hinweise seien keine Seltenheit, aber meistens entpuppten sie sich als Irrtümer. "Dann sind es Kuh- oder Schweineknochen, die jemand im Garten gefunden hat", sagt Kosma.

"Das ist wie bei Indiana Jones"

Wenn Ulrich Joger von der Expedition erzählt, schlägt sein Abenteurerherz höher: "Das ist wie im Fernsehen bei 'Indiana Jones'-Filmen. Man wühlt in einer unbekannten Landschaft herum und plötzlich hat man was. Das fasziniert und man versucht, möglichst viel zu bergen." Unter der Leitung des Naturhistorischen Museums beteiligten sich neben den deutschen Wissenschaftlern auch ägyptische Kollegen an der Grabung.

Expedition unter Polizeischutz

Der Grabungsort liegt eine dreistündige Autofahrt südwestlich von Kairo entfernt. Immer mit dabei waren zwei bewaffnete Polizisten. Lange war gar nicht klar, ob das Team die Expedition zur Oase Bahariyya überhaupt antreten kann. "Das ist Rebellengebiet. Es sind viele Terroristen unterwegs gewesen, in der Vergangenheit ist da eine Menge passiert", so Kosma. Letztlich sei es aber ein guter Reisezeitpunkt gewesen, vor Ort hätten sie keinerlei Problem gehabt. Angst habe er nicht gehabt: "Der Polizeischutz hat irgendwie auch eine Art Sicherheitsgefühl gegeben."

Funde sollen nach Braunschweig kommen

Zur Präparation sollen die neuen Funde am liebsten - auch wenn sie im Besitz der ägyptischen Regierung sind - nach Braunschweig kommen. Und anschließend für ein Jahr ins Museum. Miterleben kann man die Expedition aber schon im April in der neuen Sonderausstellung über den Spinosaurus, einem Weggefährten des Sauropoden. Kleine Grabungsfunde, Fotos und ein Film sollen dann zu sehen sein.

"Wir wollen nicht nur ausleihen, sondern selber Funde beitragen"

Vor rund zehn Jahren gelang Ulrich Joger mit seinem Team bereits ein sensationeller Fund. Ein 170 Millionen Jahre alter Langhals-Dino, der bis dato unbekannte Spinophorosaurus, ist heute der Blickfang im Naturhistorischen Museum Braunschweig. Er könnte der Vorfahre des Sauropoden sein. "Wir hoffen, dass wir einen Saurier dieser Art dort auch noch komplett ausgraben können", sagt Museumsdirektor Joger. Auch wenn die Finanzierung noch nicht steht, für Joger und sein Team ist klar: Sie wollen bald wieder auf die Suche nach Dinosaurier-Knochen gehen.

Weitere Informationen

Niedersachsen: Fundgrube für Saurier-Forscher

Seltene Saurier-Funde gelingen besonders häufig in Niedersachsen. Denn hier war in Urzeiten eine riesige Wasserfläche, die perfekte Bedingungen zur Konservierung von Skeletten bot. (02.02.2017) mehr

Fischsaurier-Fund: Vier Flossen für die Forschung

Aus dem Boden ins Museum: Braunschweiger Forscher haben in Schandelah einen gut erhaltenen Ichthyosaurier gefunden. Das Fischsaurier-Skelett sei einer ihrer bislang schönsten Funde. (03.08.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.03.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:09
Hallo Niedersachsen

Wenn der Partner an Demenz erkrankt

12.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:58
Hallo Niedersachsen

Enthauptungsvideo geteilt: Schüler angezeigt

12.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:31
Hallo Niedersachsen

Feuerwerksverbot: Was spricht dafür, was dagegen?

11.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen