Eine Luftaufnahme zeigt eine Kläranlage auf dem Gelände einer ehemaligen Sprengstoff-Fabrik. © picture alliance/dpa/Swen Pförtner Foto: Swen Pförtner

Altlasten im "Werk Tanne": Kläranlage übertrifft Erwartungen

Stand: 12.10.2021 10:29 Uhr

Im Zweiten Weltkrieg ließen Nazis in der Munitionsfabrik "Werk Tanne" im Harz Sprengstoff herstellen. Seither ist der Boden verseucht. Eine Pflanzen-Kläranlage filtert Giftstoffe besser als erwartet.

Rund elf Monate nach der Inbetriebnahme auf dem Gelände der früheren Sprengstoff-Fabrik in Clausthal-Zellerfeld erreiche die Anlage bereits ihre Ziele, obwohl sie noch nicht voll funktionsfähig ist. "Die Anlage funktioniert sehr gut", sagte Michael Riesen, Leiter der Unteren Bodenschutzbehörde des Landkreises Goslar. Boden und Sickerwasser würden vor allem mithilfe von Schilf und Sonneneinstrahlung von den Altlasten befreit.

Probebetrieb läuft seit knapp einem Jahr

Die Pflanzen-Kläranlage ist seit Ende November vergangenen Jahres in Betrieb. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei großen Wasserbecken, die 15 beziehungsweise vier Millionen Liter Wasser fassen. Aus der Luft sind die Wasserspeicher gut zu erkennen - anders als die ehemalige Munitionsfabrik, deren Gebäude unter mit Fichten bepflanzten Dächern versteckt waren und teilweise noch sind. Deshalb trug das Werk den Decknamen "Tanne".

Sickerwasser wird durch zwei Becken geleitet

In einem der beiden Becken wird kontaminiertes Sickerwasser gesammelt und anschließend durch Sonneneinstrahlung gereinigt. Durch die abschüssige Lage fließt das Wasser in das zweite Reservoir weiter, wo es mithilfe von Schilfpflanzen aufbereitet wird. Idealerweise muss das Schilf dafür eineinhalb Meter hoch sein. Derzeit messen die 28.000 Pflanzen noch zwischen 60 und 90 Zentimetern. Das neue pflanzliche System sei günstiger und größer als die bisherige Kläranlage, die mit Aktivkohlefiltern betrieben wird. Bei der neuen Anlage musste Behördenleiter Riesen zufolge aber erst erprobt werden, ob sie wirklich funktioniert.

Im Frühjahr wird weitere Kläranlage gebaut

Die pflanzliche Kläranlage steht im südwestlichen Teil des Geländes. In der Nähe standen während des Zweiten Weltkrieges die Produktionsanlagen, in denen oft Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter den Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT) herstellten - insgesamt 100.000 Tonnen bis zur Zerstörung des Werks durch einen Luftangriff. Bei der Produktion gelangte Säure in den Boden. An anderen Stellen auf dem Gelände wurden Bomben und Granaten mit TNT befüllt, außerdem gab es lange Abwasserkanäle. Dadurch sind auch das Umland sowie weitere Teile der ehemaligen Munitionsfabrik kontaminiert. Eine zweite Pflanzen-Kläranlage soll deshalb weiteres Sickerwasser im östlichen Teil des Geländes reinigen. Im Frühjahr soll der Bau der Anlage beginnen. Finanziert wird die Sanierung durch die Eigentümer.

Gelände wird bereits wieder genutzt

Bis sich die Giftstoffe komplett aus dem Boden ausgewaschen haben, werde es wohl noch Jahrzehnte dauern, so der Behördenleiter. Das Gelände wird derzeit jagd- und forstwirtschaftlich genutzt. Im Jahr 2018 hatte es die Halali Verwaltungs GmbH erworben. Außerdem wurde im Nordwesten eine Photovoltaik-Anlage errichtet und es gibt dort einen kleinen Gewerbepark.

Weitere Informationen
Eine Pflanzenkläranlage im Harz. © NDR

Pflanzen-Kläranlage im Einsatz gegen verseuchtes Wasser

28.000 Schilfgewächse sollen auf dem Gelände der ehemaligen Sprengstoff-Fabrik Sickerwasser von Schadstoffen befreien. (11.12.2020) mehr

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Niedersachsen 18.00 | 18.11.2020 | 18:00 Uhr

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