VIDEO: Kirchen suchen neue Formen für Weihnachtsgottesdienste (3 Min)

Viele Weihnachtsgottesdienste wegen Corona auf der Kippe

Stand: 24.12.2020 08:38 Uhr

Aufgrund der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen stellt sich die Frage, ob es verantwortbar ist, Weihnachtsgottesdienste anzubieten. Immer mehr Gemeinden entscheiden sich für eine Absage.

Die evangelisch-lutherischen und katholischen Kirchengemeinden in und um Wolfsburg haben sich entschlossen, einen Großteil der Gottesdienste ins Internet zu verlegen. "Wir passen uns der Lage an, sagen zahlreiche Präsenzgottesdienste ab und bieten dafür Alternativen über YouTube oder offene Kirchen an", teilte der Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, Christian Berndt, mit. "Wir nehmen die steigende Sorge um die Gesundheit und die Überlastung unseres medizinischen Systems sehr ernst." Auch Gottesdienste unter freiem Himmel sollen abgesagt werden.

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Anmeldung bei Präsenzgottesdiensten erforderlich

"Nur weil wir dürfen, werden wir nicht wie geplant überall Gottesdienste feiern", sagte Thomas Hoffmann, Dechant des Katholischen Dekanates Wolfsburg-Helmstedt. Die Kirchentüren würden über Weihnachten aber für jene Menschen offenstehen, die gerne eine Kirche besuchen möchten. Dabei seien die Hygienekonzepte mit Maskenpflicht, Abstand und Händedesinfektion jedoch strikt einzuhalten. Für noch stattfindende Präsenzveranstaltungen ist zudem in der Regel eine vorherige Anmeldung über das Gemeindebüro oder die entsprechende Internetseite erforderlich.

Stadiongottesdienst in Meppen fällt aus

In Meppen hat die St.-Paulus-Gemeinde den für Heiligabend geplanten Gottesdienst im Stadion des SV Meppen abgesagt. Die 400 angemeldeten Besucher würden per E-Mail informiert, sagte Pfarrer Ralf Wellbrock NDR 1 Niedersachsen. Grund seien unter anderem die hohen Infektionszahlen in der Grafschaft Bentheim. Aber auch die langen Wege ins Stadion seien nur schwer zu kontrollieren, so Wellbrock. Als Alternative denken die Gemeindeverantwortlichen über einen kleineren Gottesdienst in der Kirche nach.

Salzgitter: Kirche lädt zu Gottesdienst im Auto ein

In Salzgitter will die katholische Kirche die Weihnachtstage am Sonntag mit einem Autogottesdienst ausklingen lassen. Die Veranstalter erwarten ab 10 Uhr auf dem Schützenplatz in Salzgitter-Bad bis zu 70 Autos. Der Pastor soll auf einem Treckeranhänger predigen. Seine Worte sowie Musik und Gesang werden im Autoradio übertragen. Ordner sollen dafür sorgen, dass Abstände und Hygieneregeln eingehalten werden. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Großteil der Facebook-Nutzer von NDR Niedersachsen bleibt zu Hause

Unter den Nutzern der Facebook-Seite von NDR Niedersachsen ist das Bedürfnis, zu Weihnachten in die Kirche zu gehen, gering. Nicht einmal zehn Prozent der Umfrage-Teilnehmenden plant in diesem Jahr den Besuch eines Gottesdienstes. Viele äußern zudem Unverständnis darüber, dass überhaupt Präsenzveranstaltungen stattfinden sollen. Dietmar Seget beispielsweise fragt sich, warum Gottesdienste möglich sind, während die Gastronomie geschlossen bleibt. "Entweder alle oder keiner. Einfach mal zu Hause bleiben", fordert er. Ganz ähnlich sieht das auch Dirk Spatz. "Ich finde es gegenüber allen anderen, die unter Schließungen und Kontaktbeschränkung leiden, unverantwortlich, dass Gottesdienste stattfinden", so Spatz. Deutliche Worte findet auch Janine Bohlken. "Ich finde es unchristlich, zu diesen Zeiten einen Gottesdienst zu besuchen", sagt sie. "Das widerspricht der Nächstenliebe, man gefährdet andere und sich und genau das soll man im Moment unterlassen."

NRW-Vize-Ministerpräsident für flächendeckende Absage

Auch in der Politik gibt es erste Stimmen, die sich gegen größere Zusammenkünfte bei Gottesdiensten aussprechen. Der nordrhein-westfälische Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) hat die Kirchen in Deutschland zur Absage aller Präsenzgottesdienste zu Weihnachten aufgerufen. "Die völlig unabsehbare Entwicklung der Pandemie und die Nöte auf den Intensivstationen in vielen Teilen Deutschlands machen dies meiner Meinung nach unausweichlich", sagte Stamp der Deutschen Presse-Agentur (dpa). NRW-Ministerpräsident Armin Laschet erteilte dieser Forderung jedoch umgehend eine Absage. Es gebe eine Absprache der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, die Präsenzgottesdienste unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen zuzulassen, sagte der CDU-Politiker.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 22.12.2020 | 13:30 Uhr

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