Stand: 25.08.2019 09:21 Uhr

Rechtsextremisten: Wie groß ist die Gefahr?

von Claudia Gorille
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Die alten Strukturen gibt es nicht mehr - die rechte Szene ändert sich

Wie groß ist die Gefahr, die von gewaltbereiten Rechtsextremisten ausgeht? Diese Frage stellen sich viele seit der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Die Tat Anfang Juni hat mutmaßlich ein Rechtsextremist verübt. Der Verfassungsschutz Niedersachsen registriert, dass in den sozialen Netzwerken immer mehr und ungezügelter Gewalt angedroht wird. Aber was davon ist "Verbal-Radikalismus" und was könnte tatsächlich in Gewalt umschlagen?

Teilnehmer einer rechten Veranstaltung.

Rechtsextremismus: Gewaltbereitschaft steigt

Hallo Niedersachsen -

Andrea Röpke berichtet seit Jahren über die rechtsextreme Szene in Deutschland. Auch in Niedersachsen beobachtet die Journalistin eine höhere Gewaltbereitschaft unter Rechtsextremen.

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Schwierigkeiten für Sicherheitsbehörden

Das einzuschätzen sei nicht einfach, sagt Wolfgang Freter, Referatsleiter Rechtsextremismus und Prävention beim Verfassungsschutz Niedersachsen. "Wir stellen bundesweit verschiedene Gefährdungssachverhalte fest, bei denen Personen beteiligt sind, die keinen Vorlauf in diesen traditionellen rechtsextremistischen Organisationen haben. Das macht es für Sicherheitsbehörden sehr viel schwieriger, eine Lage einzuschätzen als es das in früheren Zeiten war, wo es aus einem organisatorisch abgegrenzten Bereich zu Gewalttaten hätte kommen können."

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Eine Straftat pro Woche

Die rechtsextremen Strukturen hätten sich verändert, so Freter. Es gebe kaum noch sogenannte Kameradschaften. Die NPD, früher Speerspitze des Rechtsextremismus hat in Niedersachsen nur noch 250 Mitglieder - die Partei Die Rechte noch weniger. 54 rechtsmotivierte Gewalttaten bilanzierte das Landeskriminalamt 2018. Im Schnitt ist das eine Gewalttat pro Woche. Insgesamt 1.170 rechtsextreme Personen gibt es laut Verfassungsschutz in Niedersachsen, darunter 880 gewaltbereite. Die freie Journalistin Andrea Röpke recherchiert seit Jahrzehnten zu Alt- und Neonazis. Für ihre Arbeit hat sie bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Sie selbst hat nach eigenen Angaben schon zahlreiche Angriffe auf ihre Person erlebt und warnt seit Jahren vor der Gewaltbereitschaft der Szene.

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Gewalt - einfach legitim?

"Wer dort mitmacht, der ist auch irgendwann bereit, bei Demonstrationen, bei Veranstaltungen tatsächlich Gewalt anzuwenden, weil er das einfach für legitim hält, um die Ziele dieser Szene auch umzusetzen", sagt Röpke. Schon Kindern in rechtsextremen Großfamilien würden von klein auf völkisch-nationale Ideen eingeimpft. Es handele sich dabei um sogenannte völkische Siedler. Einige von ihnen lebten in der Lüneburger Heide. Sie habe unter anderem beobachtet, dass Kinder und Jugendlichen bei sogenannten Sonnwendfeiern auf einem Hof in Eschede (Landkreis Celle) dabei sind. Seit 1992 treffen sich dort - abgelegen im Wald - Rechtsextreme.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.08.2019 | 19:30 Uhr

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