Auf einem jüdischen Friedhof  liegt feuchtes Herbstlaub auf einem Grab mit dem Davidstern. © picture alliance / dpa Foto: Martin Schutt

Präventionsprojekt soll Antisemitismus im Fußball eindämmen

Stand: 31.03.2021 18:11 Uhr

Das Land Niedersachsen und die Gedenkstätte Bergen-Belsen gehen gegen judenfeindliche Tendenzen im Fußball vor. Vereine bekommen einen Leitfaden an die Hand, was sie gegen Antisemitismus tun können.

Eingebunden werden sollen Profi-Clubs, Amateurvereine und der Breitensport, kündigte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) am Mittwoch in Hannover an. Die Grundlage dafür ist ein Handlungsleitfaden, den die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der Jüdische Weltkongress erarbeitet hat. "Wer im Sport Judenfeindlichkeit wahrnimmt, der muss dagegen einschreiten", betonte Havliza.

Fankultur und Trainer im Blick

Es gehe darum, Prävention gegen Antisemitismus im Fußball zu einer Daueraufgabe zu machen, ergänzte der Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens, Franz Rainer Enste. Wichtig sei, die Fankultur mit in den Blick zu nehmen, aber auch die vielen Trainer, die im Breitensport mit jungen Menschen zu tun hätten.

Gedenkstätte Bergen-Belsen beteiligt

Zur Vorbereitung des Leitfadens führte Wissenschaftler Raimund Lazar von der Gedenkstätte Bergen-Belsen im vergangenen Jahr rund 30 Interviews mit Beteiligten des Fußballs in Niedersachsen. Wichtig sei, dass die Vereine das Thema auf die Agenda setzten und sich zu ihrem Engagement gegen Antisemitismus bekennen, sagte er. Bislang gebe es zu Antisemitismus im Umfeld von Fußball in Niedersachsen keine Statistiken, so Lazar. Zur Prävention plädierte er auch für Begegnungen mit jüdischen und israelischen Fußballvereinen sowie für eine Beschäftigung mit der lokalen Historie des eigenen Vereins gerade mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus.

Weitere Informationen
Eine israelische Fahne ist an einem Gitter vor der Neuen Synagoge zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Paul Zinken

Neue Definition des Antisemitismus-Begriffs vorgelegt

Zu den Unterzeichnenden der "Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus" gehört auch der Historiker Uffa Jensen. Ein Gespräch. (26.03.2021) mehr

Bernhard Witthaut (links) und Boris Pistorius sitzen bei einer Pressekonferenz im niedersächsischen Landtag nebeneinander. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Antisemitismus: Land will mit Broschüre an Schulen aufklären

Man wolle der Hetze etwas entgegensetzen, sagten Verfassungsschutz-Chef Witthaut und Innenminister Pistorius. (12.03.2021) mehr

Eine junge Frau mit Kippa © picture alliance / dpa Foto: Britta Pedersen

Antisemitismus: 180 Ermittlungsverfahren in Niedersachsen

Im Vergleich zu 2019 haben die judenfeindlichen Verfahren leicht abgenommen. Dennoch warnt Justizministerin Havliza. (03.03.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.03.2021 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

In einer Sporthalle schreiben Schüler Abitur unter Corona-Bedingungen. © picture alliance/dpa/Felix Kästle Foto: Felix Kästle

Abi in Niedersachsen: Testpflicht für Prüflinge aufgehoben

Rund 32.000 Schülerinnen und Schüler beginnen am Montag mit den Abschlussprüfungen. Es ist das zweite Corona-Abitur. mehr