Pistorius will flächendeckend Alarm-Sirenen in Niedersachsen

Stand: 20.07.2021 18:38 Uhr

Nach der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands soll eine Arbeitsgruppe der Ministerien Rückschlüsse für Niedersachsen ziehen. Kurzfristig sollen Alarm-Sirenen wieder eingeführt werden.

Das forderte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag in Hannover. Damit soll die Bevölkerung flächendeckend effektiv gewarnt werden können, sollte es zu ähnlichen Ereignissen kommen wie vergangene Woche in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dort sind infolge extremer Regenfälle und anschließendem Hochwasser mindestens 160 Menschen ums Leben gekommen.

Pistorius: Möglichkeit von Gefahr muss wieder erlernt werden

Bislang werde vor allem über das Internet, über die Medien und über Warn-Apps auf den Handys vor Katastrophen gewarnt, sagte Pistorius. Aber die Lehre aus der aktuellen Katastrophe sei, dass das nicht reicht. Wie Pistorius weiter sagte, sind noch 20 bis 30 Prozent der vor Jahrzehnten installierten Sirenen vorhanden. Die Bevölkerung hierzulande sei "gefahrenentwöhnt". Sie müsse wieder lernen, wie sie sich bei welcher Gefahrenlage und bei welchem Sirenenton zu verhalten habe, so Pistorius. Er nannte als Vorbild Japan, wo das jedem Kind beigebracht werde. Die künftigen Sirenen müssten moderner werden, betonte der Innenminister. Über sie sollen auch Lautsprecherdurchsagen getätigt werden können. Zur Finanzierung hat der Bund 90 Millionen Euro zugesagt. Das reiche aber bei weitem nicht, sagte Pistorius am Dienstag. Er forderte deutlich mehr Geld.

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Pistorius räumt mangelnde Vorsorge in Deutschland ein

Kritik kommt unterdessen vonseiten des Landkreistages. Das Land habe sich in den vergangenen Jahren viel zu wenig um den Katastrophenschutz gekümmert, hieß es. Zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz habe der Landkreistag schon vor drei Jahren deutlich mehr Geld für Einsatzfahrzeuge und ein flächendeckendes Warnsystem gefordert. Innenminister Pistorius räumte auch ein, dass der Katastrophenschutz in den vergangenen Jahren deutschlandweit nicht ausreichend finanziert worden sei. Er sieht aber in erste Linie den Bund in der Pflicht. Das Land selbst habe zum Beispiel ein eigenes Zentrum für Krisenlagen geschaffen. Das habe sich zuerst vor allem um Flüchtlinge gekümmert, zuletzt um die Corona-Krise und ganz aktuell auch um die Hochwasser-Einsätze.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.07.2021 | 17:00 Uhr

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