Kreuze sowie ein aus Strohballen gebauter ICE stehen als Zeichen des Bürgerwiderstandes gegen Pläne zum Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Hamburg auf einem Feld bei Vinstedt im Kreis Uelzen. © picture alliance/dpa Foto: Philipp Schulze

Neue Bahnstrecke Hannover-Hamburg: Kommunen gegen Pläne

Stand: 27.08.2021 21:28 Uhr

Pläne des Bundes für den Neubau der ICE-Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover erhitzen die Gemüter. Vor allem die mögliche Streckenführung sorgt für Irritationen.

Im Gespräch ist, dass die Neubau-Trasse an der A7 durch die Heide, das Allertal und die Wedemark führen könnte. Diesen Verlauf hat Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) in einem Interview ins Gespräch gebracht. "Das ist eine Strecke, die mit hoher Wahrscheinlichkeit entlang der A7 laufen wird - ab Maschen Richtung Hannover", sagte Tjarks dem Radiosender NDR 90,3. Ein ICE könnte dann in weniger als einer Stunde vom Hamburger Hauptbahnhof nach Hannover fahren - so das Ziel. Bislang brauchen die Züge mindestens eine Stunde und 14 Minuten.

Widerstand gegen Neubau

Mehrere Kommunen an der A 7 zeigten sich angesichts der Pläne irritiert. Der Bürgermeister der Gemeinde Bispingen, Jens Bülthuis (parteilos), sagte dem NDR in Niedersachsen, Bürgerinitiativen und Kommunen seien davon ausgegangen, dass bestehende Bahnstrecken flotter gemacht werden - und dass eben nicht komplett neu gebaut werde. Auch Tostedts Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam (parteilos) fürchtet einen Stillstand beim Bahnausbau. Denn bei einer Neubaustrecke entlang der A 7 müssten sämtliche Diskussionen von vorne geführt werden, so Dörsam.

Niedersachsen: Präferenz für Ausbau der Strecke

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) lehnt den Bau einer Neubaustrecke, "wie es sich Hamburg offenbar wünscht", weiterhin ab. Dies würde nur neue Verunsicherung in der betroffenen Bevölkerung schüren, so Althusmann. "Niedersachsens Vorzugsvariante bleibt daher AlphaE", teilte der Minister am Freitag mit. Die AlphaE-Trasse wäre ein Ausbau der bestehenden Strecke mit möglichen Ortsumfahrungen. Das Wirtschaftsministerium in Hannover geht weiter davon aus, dass der Bund auch den Ausbau der bestehenden Gleise zwischen Hamburg und Hannover weiter intensiv betrachtet. Dass die Verbindung zwischen Hannover und Hamburg besser werden muss, sieht auch Niedersachsen so. Das Wirtschaftsministerium warnt aber - wie auch die Kommunen - davor, wieder komplett bei Null anzufangen.

Bund hat noch keine Entscheidung getroffen

Die Bahn prüft schon länger verschiedene Trassen-Varianten, um die Fahrten zwischen Hannover und Hamburg zu beschleunigen. Wie das erreicht werden soll, sei aber noch nicht entschieden. So heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium und von der Deutschen Bahn auf Anfrage des NDR in Niedersachsen, dass nach wie vor drei Varianten möglich seien: Der Ausbau der bestehenden Strecke - mit und ohne Ortsumgehungen - und auch ein kompletter Neubau der Strecke. Am Ende werde man sich für die wirtschaftlichste und die umweltverträglichste Streckenvariante entscheiden, so eine Bahnsprecherin. Der geplante Aus- oder Neubau ist der Hamburger Verkehrsbehörde zufolge Teil der Infrastrukturliste für den sogenannten Deutschlandtakt des Bundesverkehrsministeriums. Die Pläne sind auf eine Umsetzung bis 2030 ausgerichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.08.2021 | 15:00 Uhr

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