Stand: 27.12.2018 20:01 Uhr

"Moscheesteuer" wird kontrovers diskutiert

Die sogenannte Moscheesteuer für Muslime in Deutschland wird kontrovers diskutiert. Der Vorsitzende des Vereins "Türkische Gemeinde in Niedersachsen", Osman Timur, bekräftigte am Donnerstag im NDR seinen Standpunkt, wonach man Strukturen definieren müsse, in denen sich die Gemeinschaften selbst finanzieren könnten. Timur fordert seit Langem eine von ausländischen Quellen unabhängige, eigenständige Finanzierung der Moscheegemeinden. Der Vorsitzende der Schura-Niedersachsen, Recep Bilgen, bezeichnete die Vorschläge im NDR Fernsehen als "hilfreich". Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Niedersachsen, Sadiqu Al-Mousllie, begrüßte den Vorschlag aus Berlin. Er wies ebenfalls auf die Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen hin.

Experte: Von der Umsetzung "weit entfernt"

Dagegen hat der Osnabrücker Islamexperte Bülent Ucar Bedenken angemeldet. Ucar hält eine derartige Abgabe in Deutschland für unwahrscheinlich. Der Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück sagte der Nachrichtenagentur epd, zunächst müssten die muslimischen Gemeinden und Verbände als Körperschaften öffentlichen Rechts anerkannt werden. Davon sei mal allerdings weit entfernt, so Ucar.

Weitere Informationen

"Türkische Gemeinde" will souveränen Islamverband

Ditib und Schura gelten als von der Türkei beeinflusste Islamverbände. "Warum machen wir uns abhängig von einem fremden Land?", fragt die "Türkische Gemeinde in Niedersachsen". (24.11.2018) mehr

Mehr "Inlandsorientierung" für den Islam?

In den vergangenen Tagen waren Stimmen aus der Großen Koalition in Berlin laut geworden, die die Erhebung einer derartigen Steuer befürworteten. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Thorsten Frei, sagte der Tageszeitung "Die Welt", Ziel müsse sein, "dass sich der Islam in Deutschland von der Einflussnahme ausländischer Staaten emanzipiert und eine stärkere Inlandsorientierung gewinnt". Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka bezeichnete die Idee als "diskussionswürdig". Die Gefahr, dass sich jemand radikalisiere, könne so verringert werden. Moscheen erhalten bisher kein Geld vom deutschen Staat.

Ates kritisiert Einflussnahme aus der Türkei

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich für die Steuer ausgesprochen. Es sei eine Option, die Einflussnahme aus dem Ausland durch politisch gesteuerte Fördergelder zu unterbinden. Die Gründerin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, schlug vor, die zu den fünf Säulen des Islam gehörende soziale Pflichtabgabe "Zakat" als Grundlage für die Steuer zu nehmen. Sie verstehe die Forderung, den Einfluss der aus dem Ausland finanzierten Islamverbände einzudämmen, sagte Ates. Die Auslandsfinanzierung müsse aufhören. Es sei ein "riesengroßes Problem, dass insbesondere über die Türkei und Muslimbrüder ein großer Einfluss auf die Muslime ausgeübt" werde, so Ates am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Weitere Informationen

Von Notz: Grüne offen für "Moschee-Steuer"

Die Grünen finden den Vorschlag gut, eine "Moschee-Steuer" einzuführen. Fraktionsvize von Notz meint, eine größere Unabhängigkeit muslimischer Gemeinden vom Ausland wäre erfreulich. (27.12.2018) mehr

Liberaler Islamverband steht vor Gründung

Ein neuer liberaler und von der Türkei unabhängiger Islamverband steht in Niedersachsen kurz vor der Gründung. Die Vereinigung soll allen Muslimen und Moscheegemeinden offenstehen. (27.11.2018) mehr

Link

Mit Moscheesteuer zu mehr Unabhängigkeit?

Bei tagesschau.de gibt es weitere Hintergründe und Informationen zur Debatte um die sogenannte Moscheesteuer. (26.12.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.12.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:35
Hallo Niedersachsen
02:59
Hallo Niedersachsen
03:32
Hallo Niedersachsen