Menschen stehen wartend vor einer Apotheke. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Kein Rezept gegen Apotheken-Sterben in Niedersachsen?

Stand: 22.05.2021 08:35 Uhr

Die Anzahl der öffentlichen Apotheken in Niedersachsen nimmt kontinuierlich ab und hat sich seit dem Jahr 2009 um mehr als dreizehn Prozent verringert.

FFP2-Masken, Desinfektionsmittel und Test-Kits: Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sind Apotheken stark in den Fokus gerückt. Doch ihre Zahl sinkt und das seit Jahren. Zum Stichtag 31. März 2021 gab es nach Angaben der Apothekerkammer in Niedersachsen 1.831 öffentliche Apotheken. Zum Vergleich: Am 1. Januar 2009 existierten im Land noch 2.113 Apotheken. Insgesamt 203 Neueröffnungen stehen in diesem Zeitraum 485 Schließungen gegenüber. Allein in der Region Hannover mussten 46 Geschäfte dichtmachen; in Osnabrück 33.

Nachfolger dringend gesucht

Dazu kommt, dass viele Apotheker, die ihre Geschäfte altersbedingt schließen, keine Nachfolger finden. "Schon jetzt sind in Niedersachsen 163 Apothekenleiter über 65 Jahre alt (Stand: 31. Dezember 2020). Davon sind 83 Leiter bereits 70 Jahre und älter", heißt es von der Apothekerkammer Niedersachsen. Oft seien dafür wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend.

Unwirtschaftliche Apotheken "nahezu unverkäuflich"

Eine typische Apotheke auf dem Land oder am Stadtrand erziele etwa 80 Prozent ihrer Einnahmen mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Deshalb sei neben der Anzahl der Einwohner auch die Anzahl der niedergelassenen Ärzte vor Ort wichtig. Allerdings würden sich immer mehr Fachärzte in Innenstadtlagen ansiedeln. Und wenn Ärzte ihre Praxen in den Randgebieten schließen, trage sich irgendwann auch die Apotheke vor Ort nicht mehr. "Eine Apotheke, die nicht mehr wirtschaftlich geführt werden kann, ist nahezu unverkäuflich", so die Kammer weiter.

Was bringt Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken?

Beim niedersächsischen Ministerium für Gesundheit und Soziales verweist man auf ein neues Bundesgesetz. "Mit der Zustimmung Niedersachsens zum Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken hat das Land einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Apothekenstandorte in Niedersachsen geleistet", heißt es auf eine Anfrage es NDR in Niedersachsen. Doch reicht das aus, um die Entwicklung zu bremsen oder gar zu stoppen?

"Versorgungsdefizite, die adressiert werden müssen"

Die mit dem Gesetz beschlossene Gleichpreisigkeit unterstütze die Vor-Ort-Apotheken und stütze das Gesundheitssystem, so eine Sprecherin der Apothekerkammer. Und weiter: Deutschland verfüge über ein sehr gutes Arzneimittelversorgungssystem. Gleichwohl gebe es erhebliche Versorgungsdefizite, die adressiert werden müssten. "Um den Nutzen der Apotheke für alle Bürgerinnen und Bürger weiter zu erhöhen, muss es übergeordneter politischer Leitgedanke sein, die Apotheke vor Ort als niedrigschwellige und wohnortnahe Versorgungsinstanz in unserem Gesundheitssystem zu stärken und ihre Leistungen auszubauen."

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 12.05.2021 | 08:00 Uhr

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