Stand: 19.02.2019 11:22 Uhr

Geisterfahrer-Unfälle: Eine Frage des Alters?

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Senioren sind seltener in Unfälle verwickelt als der Durchschnitt der Bevölkerung. Aber sie verursachen überdurchschnittlich viele Unfälle mit Personenschaden.

Stellen ältere Menschen hinterm Steuer ein Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr dar? Laut Fachleuten gibt es zumindest Hinweise darauf. Zwar sind Senioren auf den ersten Blick statistisch gesehen bessere Autofahrer als andere Altersgruppen: Laut ADAC verursachten im Jahr 2017 Autofahrer ab 65 Jahren nur 16 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden, obwohl sie 21 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Allerdings sind Senioren oftmals die Hauptverursacher, wenn sie in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt sind. In der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren sind sie zu 66 Prozent Hauptverursacher. Bei Personen über 75 Jahren liegt der Anteil bei 75 Prozent und ist damit sogar höher als bei Fahranfängern.

Ein Verkehrsschild weis darauf hin, dass die Einfahrt auf eine Autobahn verboten ist.

Gefahr im Verkehr: Was tun gegen Geisterfahrer?

Hallo Niedersachsen -

Immer wieder verursachen Geisterfahrer schlimme Unfälle. Was geht in den Köpfen solcher Autofahrer vor? Und wie könnte man diese Irrfahrten künftig effektiver verhindern?

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81-jähriger Falschfahrer verursacht tödlichen Unfall

Erst am vergangenen Sonntag ist auf der A1 ein 81 Jahre alter Geisterfahrer bei einem von ihm verursachten Unfall tödlich verletzt worden. Drei weitere Menschen wurden lebensgefährlich verletzt, darunter ein Kind. Ebenfalls am vergangenen Sonntag war ein 79-jähriger Fahrer auf der A2 60 Kilometer in die falsche Richtung gefahren, bevor er von der Polizei gestoppt wurde.

Jeder kann zum Geisterfahrer werden

Laut einer Sprecherin des ADAC sind junge und ältere Autofahrer besonders gefährdet zum Geisterfahrer zu werden. Oftmals würden hierbei Alkohol- und Medikamenteneinfluss eine Rolle spielen. Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss hingegen ist der Meinung, dass jeder zum Geisterfahrer werden kann. "Man tut etwas und hinterfragt es nicht. Und dann dauert es recht lange, bis jemand auf die Idee kommt, dass das was er macht grundfalsch ist", sagt Voss. Der Verkehrspsychologe hält es für wichtig, dass Autofahrer nicht aufhören, sich selbst zu hinterfragen.

Ist die Politik gefordert?

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Bisher sieht die Politik von periodischen Fahreignungsüberprüfungen ab, empfiehlt älteren Menschen aber, freiwillig an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen.

Die Experten des Verkehrsgerichtstages in Goslar haben 2017 zwar Hinweise festgestellt, dass ältere Menschen als Kraftfahrer ein zunehmendes Risiko darstellen, von einer periodischen Fahreignungsüberprüfung wird aber dennoch weiterhin abgesehen. Die Politik setzt stattdessen auf die Forschung und wünscht sich technische Instrumente, die Senioren dabei helfen sollen, die eigene Fahrkompetenz besser einzuschätzen. Außerdem wird an ältere Menschen appelliert, freiwillig an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen.

Meldepflichten für Ärzte bei Fahreignungsmängeln?

Zudem empfehlen die Experten des Verkehrsgerichtstages, dass die verkehrsmedizinische Kompetenz der Ärzte verbessert werden soll. Hierbei wird vor allem über eine Meldepflicht der Ärzte nachgedacht. Im Falle, dass ein Arzt einen Patienten für nicht mehr fahrtauglich hält, müsste er dies den Behörden melden. Dies wäre allerdings ein erheblicher Eingriff in die Arzt-Patienten-Beziehung und damit womöglich einer der Gründe, warum der Gesetzgeber bislang auf eine entsprechende Anordnung verzichtet. Somit bleibt es zunächst dabei: Es gilt die Eigenverantwortung der Fahrerinnen und Fahrer.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.02.2019 | 06:00 Uhr

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