Stand: 27.07.2020 14:57 Uhr

Corona: Schausteller fürchten um ihre Existenz

Die Sonne scheint durch Wolken hinter einem Riesenrad. © dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Viele Schausteller in Niedersachsen und Bremen sind durch die Corona-Pandemie in Existenznot geraten. (Themenbild)

Den Schaustellern in Niedersachsen und Bremen macht die Corona-Krise immer mehr zu schaffen. Immer mehr geraten in Existenznot. "Die ersten Betriebe haben schon Insolvenz angemeldet", sagte Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbandes des Landes Bremen, der Deutschen Presse-Agentur. "Es wird tagtäglich schwieriger." Die Betreiber von Riesenrädern, Karussells und Losbuden befürchteten, dass auch im Spätsommer und Herbst keine Volksfeste veranstaltet werden können, auf denen Geld zu verdienen ist. Es gebe intensive Gespräche mit dem Bremer Wirtschaftsressort, wie der Freimarkt zu realisieren sei, sagte Robrahn. Der entscheidende Punkt sei die zugelassene Besucherzahl. Wenn zu wenige Gäste zugelassen würden, lohne es sich nicht, die Fahrgeschäfte aufzubauen. Der Freimarkt ist vom 16. Oktober bis zum 1. November geplant.

Oktoberfest: Behörden in Niedersachsen zögerlich

Auch in Niedersachsen blicken die Schausteller bereits auf den Herbst. In Hannover wollen sie an ihrem herkömmlichen Oktoberfest auf dem Schützenplatz festhalten. Starten soll es am 25. September. Wie die Chancen stehen, vermag Klaus Wilhelm, Chef des Schaustellerverbandes Niedersachsen, nicht zu sagen. Die Behörden seien sehr zögerlich. Keine Lösung seien aus seiner Sicht temporäre Freizeitparks oder Kirmes-to-Go-Konzepte. "Da fehlt der Anlass. Bei den Volksfesten dagegen freuen sich die Menschen schon Wochen vorher, die Kinder fangen an zu sparen."

Schaffen temporäre Freizeitparks Linderung?

Um der Branche zu helfen, wurden zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen temporäre Freizeitparks mit Fahrgeschäften eröffnet. Es gibt Besucherbeschränkungen und Hygienekonzepte. In Niedersachsen müssen temporäre Freizeitparks laut Gesundheitsministerium mindestens für vier Wochen öffnen, um einen Besucheransturm zu verhindern.

Kritik an unterschiedlichen Maßstäben

Der Bremer Schausteller Otfried Hanstein hat zu Beginn der Pandemie 9.000 Euro Soforthilfe bekommen. "Das Geld war auf dem Konto und sofort wieder weg", erzählt der Riesenradbetreiber. Die Instandsetzung der Fahrgeschäfte im Winter koste fünfstellige Beträge. Der Deutsche Schaustellerbund fordern deshalb von der Bundesregierung einen auf sie zugeschnittenen Rettungsschirm. Zudem fühlen sich die Betreiber von Karussells & Co. in der Corona-Pandemie ungerecht behandelt. Es gebe unterschiedliche Maßstäbe, kritisiert Hanstein: "Warum dürfen Kinder in der Kita oder auf dem Spielplatz zusammen spielen, aber nicht nebeneinander im Autoscooter sitzen?" Er könne nicht verstehen, dass die Leute überall hinfliegen, aber nicht auf ein Volksfest gehen dürfen, sagt der 68-Jährige.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.07.2020 | 16:00 Uhr

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