Corona-Regeln: Niedersachsen will zeitnah weiter lockern

Stand: 15.06.2021 20:42 Uhr

Das Land Niedersachsen will die Corona-Beschränkungen weiter lockern - vor allem für private Treffen und Veranstaltungen. Denn die Infektionslage entspannt sich immer mehr.

Entsprechende Änderungen in der Corona-Verordnung - darunter Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen und Erleichterungen im Bereich der Gastronomie - seien in Arbeit, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Dienstag in der wöchentlichen Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs. Sie könne nicht versprechen, dass es vor dem Wochenende klappt. Aber: "Uns ist bewusst, dass es im Bereich privater Kontakte und Feierlichkeiten einen großen Nachholbedarf gibt", sagte Pörksen. Der Entwurf der neuen Verordnung soll am Mittwoch zur Anhörung vorgelegt und anschließend überarbeitet werden. Die aktuelle Verordnung greift eigentlich noch bis zum 24. Juni.

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Hannover: Ein Kellner serviert auf der Außenterrasse eines Cafés an der Lister Meile Kaffee für zwei Gäste. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Private Treffen: Niedersachsen plant weitere Lockerungen

Sie beziehen sich auch auf die Gastronomie und Veranstaltungen. Dies teilte die Staatskanzlei am Montag mit. (15.06.2021) mehr

Härtefallregelung und Erleichterungen

Demnach plant das Land bei einer Inzidenz von unter 10 weiter zu lockern. Im privaten Bereich dürften sich dann drinnen 25 Personen und draußen 50 treffen. Bei Hochzeiten und ähnlichen Feiern soll es keine Grenze der Teilnehmerzahl mehr geben. Auch für Hotelgäste soll sich etwas ändern - sie müssten nur noch bei der Anreise einen negativen Test vorlegen. Zudem ist eine Härtefallregelung vorgesehen: Sie soll für Landkreise gelten, deren Inzidenzen zwar steigen, aber klar abgrenzbar sind und epidemiologisch keinen Sprung in die nächste Stufe rechtfertigen.

Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich gesunken

Hintergrund der angekündigten Erleichterungen sei die positive Entwicklung bezüglich der Corona-Zahlen. Das sagte Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabes. In den vergangenen Wochen sei die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich gesunken. Mit Delmenhorst überschreitet aktuell nur eine Kommune die Inzidenz von 35. Man habe darüber hinaus "klare Anzeichen", dass sich die Tendenz im Infektionsgeschehen "ausgesprochen positiv verfestigt", sagte Schröder.

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"Eine Inzidenz unter 10 ist absolut positiv und erfreulich"

Die Vizechefin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, betrachtet das Impfen als ein sehr wichtiges Instrument. 28 Min

Schröder: Impfen schützt vor schwerem Verlauf

Auch vor dem Hintergrund der ursprünglich in Indien aufgetretenen Delta-Variante des Virus, die bereits in Niedersachsen nachgewiesen wurde, verteidigte Schröder die Pläne. Im Vergleich zu früher habe man mehr Instrumente zur Verfügung. Schröder hob dabei neben Tests insbesondere das Impfen hervor. Dieses würde bei allen bislang bekannten Varianten vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung schützen.

Fast 50 Prozent sind erstgeimpft

Niedersachsen sei auch beim Impfen auf dem richtigen Weg, so Schröder. 49,4 Prozent der Niedersachsen haben inzwischen mindestens eine Impfung erhalten, das Land liege damit über dem bundesweiten Schnitt, sagte Schröder. 25,9 Prozent der Menschen im Land haben zudem bereits einen vollständigen Impfschutz. Ziel sei eine Herdenimmunität. Dafür müssten sich mindestens 75 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, so Schröder.

Priesemann: Impffortschritt bedeutend

Die Göttinger Forscherin Viola Priesemann hatte am Montag im Interview mit den "Tagesthemen" die Bedeutung des Impffortschritts hervorgehoben. Um alle Maßnahmen aufzuheben, brauche es etwa 70 Prozent effektiven Impfschutz im Sommer, sagte die Physikerin, die Modellrechnungen für Verläufe der Corona-Pandemie erstellt. Für den Winter seien eher 80 Prozent oder mehr nötig. Dies sei abhängig von möglichen Varianten des Virus. Man könne aber die Vorsichtsmaßnahmen wie Abstands- und Hygieneregeln, Masketragen, Lüften und Corona-Warn-App nutzen abhängig von der Entwicklung der Impfquote anpassen.

"Frage der Fairness"

Viola Priesemann sitzt vor einem schwarzen Bild und spricht in ein Mikrofon. © NDR
Viola Priesemann arbeitet als Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut in Göttingen und erstellt Modellrechnungen für Verläufe der Corona-Pandemie. (Archivbild)

Mit steigenden Impfzahlen werde es Schritt für Schritt leichter, die Pandemie einzudämmen, sagte Priesemann. Solange aber nicht alle Menschen ein Impfangebot hätten, sei es eine "Frage der Fairness" die Fallzahlen niedrig zu halten. Dies sei wichtig, damit die Menschen, die länger auf eine Impfung warten müssten, nicht dem Risiko einer Corona-Infektion ausgesetzt seien. Wenn irgendwann alle ein Impfangebot haben, müsse man die Situation neu bewerten und überlegen, ob die einschränkenden Maßnahmen komplett aufgehoben werden können, sagte die Physikerin.

Grüne warnen vor vierter Welle

Kritisch zu den am Montagabend bekannt gewordenen Lockerungsplänen von Niedersachsens Landesregierung äußerten sich die Grünen. Das könnte ein hartes Erwachen in der vierten Welle mit sich bringen, sagte Fraktionschefin Julia Willie Hamburg. Die niedrigen Zahlen ermöglichen mehr Freiräume, sagt die Grünen-Abgeordnete. Aber, zu viel und falsch zu lockern könne ein kurzes Vergnügen werden. Abstand, Masken und Testen seien geübte Regeln, die gewonnene Freiräume sicherten.

Zustimmung von FDP und Dehoga

Die FDP im Landtag begrüßt dagegen die Pläne. Es müsse aber sichergestellt sein, dass die neuen Regeln nicht direkt wieder einkassiert würden, so Fraktionschef Stefan Birkner. Es sei mehr als genug Zeit gewesen, die nächsten Schritte ausgiebig zu planen und zu formulieren. Positiv wertet auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Ankündigung. Damit würden einige Schwachstellen der aktuell geltenden Regeln ausgebessert, so Geschäftsführer Rainer Balke.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 15.06.2021 | 19:30 Uhr

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