VIDEO: Impftermine für Abgeordnete sorgen für Ärger (5 Min)

Erstimpfung: Lange Wartelisten - Land beschwichtigt

Stand: 14.05.2021 15:02 Uhr

Trotz des umstrittenen Stopps für Erstimpfungen geht Niedersachsens Landesregierung davon aus, dass die meisten Termine wie geplant eingehalten werden. Die Kommunen rechnen mit längeren Wartezeiten.

"Wir rechnen nicht damit, dass großflächig Impfungen abgesagt werden müssen, die bereits terminiert und mit Impfstoff hinterlegt waren", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Freitag. Allerdings verschiebe sich der Fokus wie angekündigt stärker auf die Zweitimpfungen. Kommende Woche soll es den Angaben zufolge landesweit nur 57.000 Erstimpfungen in den Impfzentren geben. Auf der Warteliste standen zuletzt jedoch bereits knapp 600.000 Menschen.

Videos
Landrat des Kreises Ammerland, Jörg Bensberg (parteilos), gibt ein Interview.
5 Min

Landräte kritisieren Impfstoffmangel in den Impfzentren

Laut dem Diepholzer Landrat kommen zugesagte Impfstoffe nicht an. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen der Menschen. (12.05.2021) 5 Min

Landkreise befürchten deutliches Anwachsen der Warteliste

In vielen Kommunen sorgt die Priorisierung der Zweitimpfungen für Unverständnis. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) beispielsweise teilte mit, in den nächsten Wochen lediglich 1.200 Dosen AstraZeneca für Erstimpfungen geliefert zu bekommen. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna dagegen dürften nur für Zweitimpfungen eingesetzt werden. Das habe zur Folge, dass die Warteliste mit rund 14.000 Personen nicht weiter abgearbeitet werden könne. Durch die Öffnung für Menschen aus der Gruppe mit der Priorität 3, die bis Ende Mai in drei Wellen erfolgt, werde die Liste sogar noch deutlich anwachsen. Alle Personen auf der Warteliste müssten sich daher auf eine längere Wartezeit einstellen.

Rotenburger Landrat fordert Gleichbehandlung der Impfzentren

"Die Anfragen, die beim Landkreis eintreffen, zeigen, dass viele Menschen ungeduldig werden und geimpft werden wollen", sagte Landrat Hermann Luttmann (CDU). Es sei nicht zu verstehen, dass die gut funktionierenden Impfzentren, die mit voller Grundlast laufen könnten, weniger Impfstoff geliefert bekommen als die Haus- und Betriebsärzte. "Ich erwarte von Bund und Ländern eine gleichberechtigte Behandlung von Impfzentren, niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten, damit wir schnell weiter impfen können", so Luttmann.

Landräte und Oberbürgermeister schreiben an Behrens

Ähnliche Töne kommen auch aus dem Landkreis Oldenburg, wo derzeit rund 9.500 Menschen auf der Warteliste stehen. "Die Situation ist mehr als ärgerlich, denn das Impfzentrum mit den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeitet hoch effizient. Es liegt nur an der Mangelversorgung mit Impfstoff", sagte Landrat Carsten Harings (parteilos). Die Impfkampagne auf viele Fundamente zu stellen, sei zwar definitiv richtig, betonte Harings. Es dürfe aber nicht sein, wegen der Einbeziehung der Hausärzte die Auslastung der Impfzentren herunterzufahren. Gemeinsam mit seinen Amtskollegen will Harings Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) auf die Problematik aufmerksam machen. In einem Brief bitten die Landräte und Oberbürgermeister eindringlich darum, dass das Land auf die Bundesregierung einwirkt und die ausreichende Versorgung mit Impfstoffen einfordert.

Weitere Informationen
Ein Fläschchen mit Corona-Impfstoff. © Colourbox

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Wer? Wann? Wie? Wo? Womit? NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Impfung gegen das Coronavirus. mehr

Vorerst Fokus auf Zweitimpfungen

Die Landesregierung hatte nach dem schleppenden Start der Impfkampagne beschlossen, die Reserven für Zweitimpfungen zu verringern, um mit den Erstimpfungen schneller voranzukommen. Mittlerweile müssen jedoch nun erst viele Menschen ihre zweite Spritze bekommen, bevor wieder genügend Impfstoff für alle neuen Impfberechtigten da ist. Erst ab Anfang Juni sollen wieder verstärkt Erstimpfungen möglich sein, hieß es am Mittwoch. Die Opposition reagierte empört und sprach von einem "Impfdebakel".

Aus für Impfzentren wohl Ende September

Die Impfzentren sollen derweil immer mehr von den Arztpraxen abgelöst werden. "Der Bund hat, als er die Impfzentren im letzten Jahr eingerichtet hat, ganz klar kommuniziert, dass das eine Einrichtung im Rahmen der Krisenbewältigung ist und die Impfzentren befristet tätig sein werden", sagte die Ministeriumssprecherin. "Bis zum 30. September werden die Impfzentren vom Bund finanziert und auch mindestens so lange mit Impfstoff beliefert." Danach seien die Arztpraxen voraussichtlich in der Lage, die Impfkampagne allein zu übernehmen. Angesichts der Impfzahlen aus den Praxen sei nicht zu erwarten, dass die Frist für die Impfzentren noch weiter verlängert werde, so die Sprecherin.

 

 

Weitere Informationen
Eine Hand hält einen Corona-Impfstoff von AstraZeneca. © picture alliance/dpa/MAXPPP

Corona in Niedersachsen: Schulstrategie und mehr Impfstoff

Kultusminister Tonne stellt seine Pläne für die Zeit nach den Ferien vor und AstraZeneca gibt es jetzt auch für Jüngere. mehr

Ein Mann wird auf das Coronavirus getestet. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona in Niedersachsen: Inzidenz sinkt leicht auf 4,1

Das Robert Koch-Institut meldet 73 neue Corona-Infektionen und 7 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. mehr

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz.

Corona-News-Ticker: SH erlaubt größere Events und lockert Testpflicht

Touristen müssen sich nur noch zum Urlaubsbeginn testen lassen. Auch weitere Lockerungen treten Montag in Kraft. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.05.2021 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Regenbogenflagge ist vor dem Osnabrücker Rathaus gehisst. © Stadt Osnabrück Foto: Silke Brickwedde

Niedersachsen hissen Regenbogenfahnen für Diversität

Zum EM-Spiel Deutschland-Ungarn beflaggen Städte und Kommunen die Rathäuser. Auch Fußballstadien sollen bunt erstrahlen. mehr