Stand: 08.06.2017 15:41 Uhr

"Wünschewagen": Letzter Ausflug für Sterbende

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In Warnemünde ist der bundesweit zehnte "Wünschewagen" übergeben worden.

Noch einmal das Meer sehen, ins Stadion oder an den Ort der Kindheit zurück: In Warnemünde hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) seinen bundesweit zehnten "Wünschewagen" im Beisein des früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen ASB-Präsidenten Franz Müntefering eingeweiht. Mit dem Fahrzeug soll es Todkranken und Sterbenden ermöglicht werden, gemeinsam mit Angehörigen einen letzten Ausflug zu machen.

"Für Herzenswunsch kein Aufwand zu hoch"

Die umgebauten Krankentransportwagen mit spezieller Ausrüstung wie etwa verdunkelten Panoramafenstern fahren die Sterbenden auf Wunsch zum Ort ihrer Sehnsucht. "Um einen Herzenswunsch eines Sterbenden zu erfüllen, ist kein Aufwand zu hoch", sagte ASB-Landesgeschäftsführer Mathias Wähner.

Es begann mit einem verzweifelten Anruf

Der bundesweit erste "Wünschewagen" wurde 2014 im Ruhrgebiet in Betrieb genommen. Die ASB-Mitarbeiterin Nazam Aynur aus Essen erinnert sich noch genau, wie ihr Engagement für den "Wünschewagen“ mit dem verzweifelten Anruf einer jungen Frau aus dem Ruhrgebiet begann: "Sie sagte, mein Vater liegt auf einer Palliativstation im tiefsten Baden-Württemberg. Aber ich möchte, dass mein Vater bei mir verstirbt." Das Problem der jungen Frau: Die Krankenkassen sagten ihr, sie würden den Transport nicht bezahlen. "Also haben wir den Transport übernommen", sagt Nazam Aynur. "Der Mann ist um elf Uhr abends bei seiner Tochter angekommen und am nächsten Vormittag in ihren Armen gestorben."

Schon 460 Fahrten durchs Bundesgebiet

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Die "Wünschewagen" sind speziell auf die Bedürfnisse der Fahrgäste zugeschnitten.

Seit der Premiere 2014 hätten die Fahrzeuge deutschlandweit rund 460 Fahrten absolviert, hieß es. Geplant sei, dass zum Ende des Jahres eine flächendeckende Versorgung mit insgesamt 18 Transportern gewährleistet wird. Die jeweils rund 100.000 Euro teuren Fahrzeuge werden vom ASB-Bundesverband durch Spenden finanziert, sagte ASB-Sprecherin Hilke Vollmer.

Ehrenamtliche für Projekt gesucht

Ohne die Arbeit von gut 550 Ehrenamtlern in ganz Deutschland würden trotz der "Wünschemobile" nicht wenige Sehnsüchte zum Abschied unerfüllt bleiben. Ein solches Team nun auch in Mecklenburg-Vorpommern auf die Beine zu stellen, ist das nächste Ziel der Wünsche-Erfüller vom ASB.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.06.2017 | 16:15 Uhr

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