Transfergesellschaft der MV-Werften wird verlängert

Stand: 05.10.2022 15:47 Uhr

Die Transfergesellschaft für die insolvente MV-Werften-Gruppe wird um einen Monat verlängert. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt dafür 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Transfergesellschaft bleibt bis Ende November bestehen, wie Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Mittwoch vor rund 100 demonstrierenden Schiffbauern in Schwerin erklärte. In der Transfergesellschaft sind 950 ehemalige Mitarbeiter der MV-Werften beschäftigt. Ursprünglich sollte sie Ende Oktober auslaufen. Dann hätten sich die Werft-Arbeiter an den Standorten Wismar, Warnemünde und Stralsund bereits in knapp vier Wochen arbeitslos melden müssen.

Standort Stralsund bereitet Minister Meyer Sorgen

Die Hoffnung sei, die Beschäftigten zu halten, hieß es. In Wismar wird nach Angaben von Insolvenzverwalter Christoph Morgen möglicherweise doch das große Kreuzfahrtschiff "Global Dream" zu Ende gebaut. Mit der Vollendung des zu 75 Prozent fertiggestellten Schiffes soll eine "Beschäftigungsbrücke" geschaffen werden, mit dem Ziel, dass möglichst viele Mitarbeiter in der Transfergesellschaft durch den neuen Eigner des Werftstandorts, Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), übernommen werden. Dieser will in Wismar im Jahr 2024 mit dem Bau von U-Booten beginnen.

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In Rostock will das belgische Unternehmen Smulders Konverter-Plattformen bauen. "Ich bin letzten Mittwoch zuletzt mit Smulders zusammen gewesen und ich weiß: Die wollen. Die wollen auch nach Rostock", sagte Meyer. Allerdings müsste das Bundesverteidigungsministerium dafür Flächen der ehemaligen MV-Werften zur Verfügung stellen, weil dort ein Marina-Arsenal entstehen soll, so Meyer. Die Marine benötige aber auch nicht das komplette Gelände.

Kritik vom Betriebsrat: Konzeptlos, was die Stadt Stralsund macht

Sorge mache ihm Stralsund, so der Minister weiter. Bisher sei der Plan, dass die Stadt den Standort entwickelt, eher ein Traum geblieben. Eine Zukunft sei nicht erkennbar. Auch der Stralsunder Betriebsratschef Bernd Fischer erhofft sich mehr gute Nachrichten und mehr Job-Zusagen: "Wir sind gar nicht zufrieden mit der Situation in Stralsund. Wir haben den Eindruck, dass es völlig konzeptlos ist, was die Stadt da vorhat und wir auch gar nicht eingebunden werden." Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) teilte auf Anfrage des NDR in MV mit, dass die Stadt erst seit kurzem Eigentümerin der Werftflächen sei. "In dieser knappen Zeit, die zusätzlich von politischer wie wirtschaftlicher Unsicherheit bestimmt war und ist, wurden bereits fünf größere Pachtverträge unter Dach und Fach gebracht." Der Fokus liege dabei auf einer Nutzung für erneuerbare Energie. "Mit Blick auf die Frage, wie Deutschland sich in Zukunft unabhängig mit Energie versorgen kann, scheint mir das die richtige Antwort und ein sinnvoller Weg."

Positives Echo auf Verlängerung der Transfergesellschaft

Stefan Schad von der IG Metall in Rostock zeigte sich erfreut über die schnelle Zusage der Landesregierung zur Verlängerung der Transfergesellschaft. Er wies jedoch darauf hin, dass die Gewerkschaft eine Verlängerung bis Jahresende anstrebe. Der Arbeitnehmervertreter hofft zudem, dass mit dem belgischen Metallbauer Smulders in Rostock auch noch weitere bis zu 1.000 Industriearbeitsplätze entstehen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag von MV, Henning Foerster, begrüßte die Verlängerung der Transfergesellschaft. "Monatelanges Hoffen auf eine Festanstellung bei einem neuen Arbeitgeber einerseits und explodierende Energiekosten andererseits bereiten den Werftarbeitern und ihren Familien große Sorgen", so Foerster. Allerdings gebe es den erhofften Effekt für neue Arbeitsplätze bislang nicht.

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Das Werftgelände der früheren MV-Werften in Rostock-Warnemünde © David Pilgrim Foto: David Pilgrim

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Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) betonte mit Blick auf die "Global Dream", dass die Chance der Fertigstellung genutzt werden müsse. In diesen Krisenzeiten könne man die ehemaligen MV-Werften-Standorte den Investoren nur schmackhaft machen, wenn man guten Gewissens sagen könne: "Das sind gute Standorte, die sind wirtschaftlich gut aufgestellt, die sind infrastrukturell gut aufgestellt, aber da habt ihr vor allem super-gute Fachkräfte, auf die ihr euch verlassen könnt."

Pleite in Folge der Pandemie

Die auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte MV-Werften-Gruppe mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Anfang März wurde das Verfahren formal eröffnet. Auslöser der Pleite war der Corona-bedingte Zusammenbruch des weltweiten Kreuzfahrtgeschäfts. Der asiatische Mutterkonzern Genting Hong Kong war in der Folge zahlungsunfähig geworden und hatte sich mit Landes- und Bundesregierung nicht mehr über weitere Hilfskredite einigen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 05.10.2022 | 12:00 Uhr

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Schifffahrt

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