Stand: 26.07.2019 05:23 Uhr

Schleusen-Sperrung: Entschädigungen gefordert

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Die IHK Potsdam schätzt, dass die gesperrte Schleuse bisher für 2,1 Millionen Euro Verlust bei Häfen und Charterfirmen gesorgt hat.

Munitionsfunde, ein schwieriger Baugrund und ein Blitzeinschlag im Betonwerk verzögerten immer wieder die Arbeiten an der Schleuse Zaaren in Brandenburg. Zum August sollte sie wieder in Betrieb gehen. Doch dann sackte beim Ziehen der Spundwände Anfang Juli ein Teil der Schleuse um zwei Zentimeter ab. Nun steht fest, dass die Schleuse bis zum nächsten Jahr für die Schifffahrt gesperrt bleibt. Für den Wassertourismus in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das, dass Schiffstouren zwischen Berlin und der Mecklenburgischen Seenplatte über die Obere Havel-Wasserstraße nicht möglich sind. Häfen, Charterfirmen und Reedereien im Nordosten müssen daher mit weiteren finanziellen Einbußen rechnen.

Ein Arbeiter bei Schweißarbeiten an einer Schleuse.

Millioneneinbußen durch gesperrte Schleuse Zaaren

Nordmagazin -

Die Schleuse Zaaren bei Templin bleibt bis 2020 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Das ist nicht nur schlecht für Bootsbesitzer, sondern für den ganzen Wassertourismus.

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Millionen-Verluste bei Häfen und Charterfirmen

Im Hafen in Priepert beispielsweise bleiben viele Stammgäste aus. Von insgesamt 50 Liegeplätzen sind derzeit nur rund 25 belegt. Das bedeutet einen Umsatzeinbruch von 33 Prozent. Die IHK Potsdam schätzt, dass die gesperrte Schleuse bisher für 2,1 Millionen Euro Verlust bei Häfen und Charterfirmen gesorgt hat. Bis zum Ende der Saison könnte sich das Defizit sogar verdoppeln. Horst Krogmann, der Betreiber des Hafens in Priepert, sieht sich von Politik und Behörden nicht ernst genommen. Der Wassertourismus stehe ganz hinten an. Es würde sich einfach niemand um die Probleme kümmern. "Das ist immer so, fünftes Rad am Wagen", so Krogmann.

Touristiker fordern Entschädigungen

Dagmar Rockel-Kuhnle teilt den Ärger des Hafenbetreibers. Ihr Unternehmen in Rechlin ist Deutschlands größte Charterfirma für Ferienboote. Rockel-Kuhnle versteht nicht, warum Entschädigungen für Mautbetreiber und Bauern diskutiert werden, ihre Branche aber leer ausgeht: "Ich weiß nicht, ob die Bauer einen Anspruch auf gutes Wetter haben. Wir haben offensichtlich keinen Anspruch auf funktionierende Wasserwege", argumentiert Rockel-Kuhnle.

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Wirtschaftsminister Glawe: "Auf Verschleiß gefahren"

Verantwortlich für Schleusen und Wasserstraßen ist der Bund. Er stuft das Gebiet der Seenplatte als Nebenwasserstraße ein und investiert entsprechend wenig in die Infrastruktur. Es werde auf Verschleiß gefahren, bemängelt auch Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Doch mit 500 Millionen Euro Jahresumsatz und 7.000 Beschäftigten ist der Wassertourismus für Mecklenburg-Vorpommern keine Nischenbranche.

Anhaltender Imageschaden befürchtet

Erfahrungen aus Frankreich haben gezeigt, dass es mehrere Jahre dauern kann, bis die Urlauber nach der Blockade einer Wasserstrecke wiederkehren und alte Buchungszahlen wieder erreicht werden, erklärt Dagmar Rockel-Kuhnle. Der Imageschaden, der entstehe, sei noch viel langwieriger als die eigentliche Sperrung, so die Charterunternehmerin. Martin Scholz vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde ist zuständig für die Schleuse in Zaaren. Er geht davon aus, dass im kommenden Jahr wieder alles glatt läuft und der Weg von und nach Berlin frei ist.

Reaktion aus dem Bundestag

Eckhardt Rehberg (CDU), Mitglied des Haushalts-Ausschusses im Bundestag, sagte im Nordmagazin, es gäbe für Schadenersatz keine rechtliche Grundlage. Ansonsten würde der Bund auch bei den Problemen mit der Brücke bei Tribsees oder bei jeder Straßensperrung, die auf einer Bundesstraße vorgenommen wird, Schadenersatz zahlen müssen. Auch dem Vorwurf von Wirtschaftsminister Harry Glawe, es werde bezüglich der Nebenwasserstraßen auf Verschleiß gefahren, widerspricht Rehberg: An der Schleuse in Zaaren sei es ja auch nicht am Geld gescheitert, sondern an unvorhergesehenen Umständen und auch an Mängeln in der Bauausführung. Zudem unterstrich Rehberg, dass die Nebenwasserstraßen im Zuge der Beratung zum Bundeshaushalt 2020 eine besondere Rolle spielen und der generelle Sanierungsstau abgearbeitet werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.07.2019 | 05:30 Uhr

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