Stand: 15.04.2019 05:15 Uhr

Reservistenverband: Vorsitzender zurückgetreten

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Im Verband heißt es, Heckt und seine Kollegen seien mit ihrem Rücktritt nur einer Abberufung durch das Präsidium des Bundesverbandes zuvor gekommen. (Symbolbild)

Der Streit im Reservistenverband Mecklenburg-Vorpommern führt zu überraschenden Konsequenzen: Der Landesvorsitzende Roland Heckt hat am Sonntagabend seinen Rückzug von der Verbandsspitze bekannt gegeben. Heckt erklärte auf der Facebook-Seite der Landesgruppe, er trete "mit sofortiger Wirkung" zurück. Auch seine Vorstandskollegen Andreas Kolm und Jens Wermke legten ihre Ämter nieder. Das Trio reagiert damit auf monatelange verbandsinterne Querelen und Streitigkeiten.

Zuvor öffentliche Kritik am Führungstrio

Dem Vorstand wurde in jüngster Vergangenheit selbstherrliches Verhalten und ein zu zögerlicher Umgang mit rechtsextremen Tendenzen im Reservisten-Verband vorgeworfen. Vor allem die Spitze der Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin kritisierte das Führungstrio auch öffentlich, Kreisgruppe-Chef Peter Schur ließ sich dabei mit kritischen Äußerungen zitierten. Andere bemängelten, dass die Verbandsspitze bei mutmaßlichen rechten Umtrieben in der östlichen Kreisgruppe Vorpommern-Strelitz "wegschaue". Insbesondere die Beschäftigung eines mutmaßlichen ehemals rechtsextremen Hauptamtlichen erhitzte zuletzt hinter den Kulissen die Gemüter.

Vorwürfe gegen Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin

In seiner auf Facebook veröffentlichten Rücktrittserklärung dreht Heckt den Spieß um und wirft wiederum der Kreisgruppe Mecklenburg-Schwerin "unhaltbare Zustände" vor, der Vorsitzende und auch der Landesgeschäftsführer René Niemann hätten die Kontrolle über den Verband verloren. Die Landesgruppe sei tief gespalten, beklagt Heckt, die Gräben zwischen den beiden Kreisgruppen seien "unüberwindbar". Statt Kameradschaft herrschten üble Nachrede und Intrigen. Fakten würden verdreht, heißt es in der Erklärung. So sei bereits seit Jahren klar, dass die Vorwürfe gegen den in Neubrandenburg hauptamtlich Beschäftigten "haltlos" seien. Dennoch würden "gewisse Kreise" das nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Bundesverband droht mit Konsequenzen

Die bisherige Verbandsspitze sieht sich offenbar vollkommen ungerechtfertigt in eine rechte Ecke gerückt. Heckt teilt auch gegen die Bundesspitze des Verbandes und ihren Präsidenten Oswin Veith, Bundestagsabgeordneter der CDU, aus. Die Bemühungen eines Neuanfangs nach den Berichten über rechtsextreme "Prepper" und die Gruppe "Nordkreuz" seien von dort nicht unterstützt worden. Das gelte auch für den Versuch, "sich von Kräften, die im Reservistenverband nichts zu suchen haben, klar abzugrenzen." Das Präsidium in Berlin hatte in der vergangenen Woche mit Blick auf die Lage im Landesverband mit "Konsequenzen" gedroht.

Mit Rücktritt der Abberufung zuvorgekommen

Im Verband heißt es, Heckt und seine Kollegen seien mit ihrem Rücktritt nur einer Abberufung durch das Präsidium des Bundesverbandes zuvor gekommen. Heckt war erst im vergangenen Juni an die Verbandsspitze gewählt worden, sein Vorgänger Helge Stahn hatte öffentlich einen harten Kurs gegen rechtsextreme Tendenzen im Verband angekündigt und nach Meinung etlicher Beobachter auch durchgesetzt. Er machte sich damit nicht nur Freunde. Heckt profitierte bei seiner Wahl offenbar von der Stimmung gegen Stahn. Jetzt muss nach weniger als einem Jahr erneut eine Reservisten-Führung gewählt werden. Der bisherige Vorstand hatte bereits vor Wochen für Mitte Mai zu einer Delegiertenversammlung eingeladen - da jedoch war von Rücktritt noch keine Rede. Der Verband hat in Mecklenburg-Vorpommern nach eigenen Angaben 1.200 Mitglieder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.04.2019 | 05:30 Uhr

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