Mann steht mit dem Rücken zum Betrachter in einem Gerichtssaal.  Foto: Bernd Wüstneck

Neubrandenburg: Prozess um schweren Kindesmissbrauch

Stand: 08.04.2021 14:14 Uhr

Am Landgericht Neubrandenburg hat ein Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines neunjährigen Jungen begonnen, der im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Münster steht. Ein 35-Jähriger aus Ueckermünde ist angeklagt.

Der Missbrauch soll 2019 in Ueckermünde (Kreis Vorpommern-Greifswald) und Umgebung stattgefunden haben und im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Münster stehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, einen neunjährigen Jungen vier Mal auf schwere Art und Weise sexuell misshandelt zu haben. Der Stiefvater des missbrauchten Jungen aus Nordrhein-Westfalen war laut Anklage teilweise an den Taten beteiligt. Die Männer hätten sich im Internet kennengelernt und später auch Fotos und Videos von den Taten ausgetauscht.

Öffentlichkeit von Verfahren ausgeschlossen

Gegen den Stiefvater führt die Staatsanwaltschaft Münster ein gesondertes Verfahren. Ein Urteil im Fall des Mannes aus Ueckermünde wird frühestens Mitte Mai erwartet. Dem 35-Jährigen droht eine lange Freiheitsstrafe. Es gehe auch um eine mögliche Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, so die Richterin. Die Öffentlichkeit wurde bis zur Urteilsverkündung von dem Verfahren ausgeschlossen. Grund dafür sei, dass schutzwürdige Interessen des Angeklagten und des Opfers berührt würden. Ob sich der Ueckermünder zu den Vorwürfen äußert, wollten die Anwälte nicht sagen. Die Ermittler waren im Zuge der Untersuchungen zum Kindesmissbrauch im Tatkomplex Münster auf den Ueckermünder gestoßen. Er sitzt seit Herbst 2020 in Untersuchungshaft.

Tatkomplex Münster: 44 Tatverdächtige, rund 30 missbrauchte Kinder

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Tatkomplexen in Nordrhein-Westfalen, die seit dem Jahr 2019 aufgedeckt wurden. Es geht dabei um sexuelle Gewalt an einer Vielzahl von Kindern und um große Netzwerke mit zahlreichen Beteiligten und Opfern. Laut Polizei gibt es im Komplex Münster 44 Tatverdächtige, von denen 29 in Untersuchungshaft sitzen. Die Ermittler gehen bislang von rund 30 missbrauchten Kindern aus. Zuletzt erhielten zwei mutmaßliche Komplizen des Stiefvaters im Februar in Münster wegen Kindesmissbrauchs Strafen von sieben Jahren und neun Monaten und etwas mehr als vier Jahren Haft.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.04.2021 | 15:00 Uhr

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