Stand: 04.01.2018 08:21 Uhr

Museum erhält Nachlass von Lilienthals Monteur

Bild vergrößern
Ein Foto aus dem Nachlass Beylichs zeigt den abgestürzten Gleiter Lilienthals.

Der Schlosser und Fluggerätemechaniker Paul Beylich (1874-1965) war engster Mitarbeiter des in Anklam geborenen Flugpioniers Otto Lilienthal (1848-1896) - und wohl auch einziger Augenzeuge dessen tödlichen Absturzes in den Stöllner Bergen am 9. August 1896. Nun ist Beylichs mehr als 100 historische Fotos, Briefe, Bücher und Zeitschriftenartikel umfassender Nachlass von dessen Urenkelin Andrea Frey an das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam übergeben worden.

Ein Nachlass von unschätzbarem Wert

Ein historisches Foto aus dem Jahr 1896, das Lilienthals abgestürzten Flugapparat zeigt, gehört neben drei weiteren Flugbildern von 1894 und 1895 zu den wertvollsten Stücken der Sammlung. "Es ist toll, dass wir den Nachlass erhalten haben", sagte Museumsdirektor Bernd Lukasch der Deutschen Presse-Agentur. Das Konvolut ist für das Museum von unschätzbarem Wert, denn Beylich war in die Pionierarbeit Lilienthals auf besondere Weise eingebunden.

Erster Fluggerätemechaniker der Welt

"Er war unmittelbar am Bau der Fluggeräte und den Flugversuchen von Lilienthal beteiligt", so Lukasch. Damit könne er als erster Fluggerätemechaniker der Welt gelten. Der aus Finsterwalde stammende Beylich habe als Schlosser in Lilienthals Dampfkessel- und Maschinenfabrik gearbeitet, sei vom Chef aber ausschließlich damit beauftragt worden, Modelle und Flugapparate zu bauen, die Lilienthal selbst entworfen hatte, so der Forscher.

Fliegen wie Otto Lilienthal

"Und der Apparat neigte sich nach vorn"

In der Folgezeit wohnte Beylich laut Lukasch auch sämtlichen Flugversuchen Lilienthals bei - auch an jenem 9. August 1896, als der Flugpionier abstürzte und einen Tag später in Berlin starb. Lukasch vermutet, dass Beylich der einzige Zeuge des Unfalls war. "Wie er 'nen Stück weggeflogen war, blieb er mit einem mal oben still und in einem Moment neigte sich der Apparat nach vorn und kopfüber runter", schilderte der 85-jährige Beylich dem WDR 1960 in einem Interview den tragischen Moment, dessen Dramatik das Foto mit dem abgestürzten Gleiter erahnen lässt.

Viele Fotos und Zeitungsausschnitte

Schwerpunkt des Nachlasses sind Fotos, Zeitungsausschnitte und Schriftstücke Beylichs aus den 1930er-Jahren und der Zeit danach. Originale von Lilienthal befinden sich laut Lukasch nicht in dem nun übereigneten Konvolut. Die Modellzeichnungen Lilienthals, die früher im Besitz von Beylich waren, hatte das Lilienthal-Museum in Anklam bereits 1981 von der Mechaniker-Enkelin Dorothea Frey erworben. Der Nachlass Beylichs soll nun gesichtet und in das Archiv eingearbeitet werden, wie Lukasch sagte. Neben dem Deutschen Museum in München zählt das Anklamer Museum zu den weltweit größten Einrichtungen mit Lilienthal-Beständen.

Weitere Informationen

Lilienthal-Nachbau besteht Windkanal-Test

Forscher haben erstmals die Eigenschaften des Gleiters des Anklamer Flugpioniers Otto Lilienthal getestet. Sie erhoffen sich davon auch Hinweise auf die Ursache des tödlichen Absturzes im Jahr 1896. (17.05.2016) mehr

Der tödliche Fehler des Flugpioniers Lilienthal

Vor knapp 120 Jahren stürzte der Anklamer Otto Lilienthal mit seinem Gleiter ab und starb kurz darauf. Nun haben Experten des DLR bei Tests mit einem Nachbau die Ursache gefunden. (02.06.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.01.2018 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

06:27
Nordmagazin

1979 auf Rügen: Notfall-Geburt im Schneesturm

30.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:30
Nordmagazin
00:45
Nordmagazin

Funklöcher per App melden

17.12.2018 20:25 Uhr
Nordmagazin