Stand: 03.07.2020 15:07 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Kohleausstieg beschlossen: Rostocker Kraftwerk betroffen

Der Bund will bis spätestens 2038 aus der Kohle aussteigen. Davon ist das Steinkohlekraftwerk in Rostock betroffen. (Archivbild)

Bundestag und Bundesrat haben heute auch den Kohleausstieg endgültig beschlossen. Bis spätestens 2038 sollen alle Braun- und Steinkohlekraftwerke vom Netz genommen werden, betroffene Kohle-Regionen sollen Hilfen bekommen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur ein Steinkohlekraftwerk - und zwar im Rostocker Seehafen. Ob der Betreiber oder die Region von den Hilfen profitieren können, ist nicht so leicht zu beantworten.

Rostocker Kraftwerk schon seit 1994 in Betrieb

Das Kohle-Ausstiegs-Gesetz sieht Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe für Kraftwerksbetreiber vor. Diese sind jedoch an Bedingungen geknüpft. Es soll sie zunächst nur für jüngere Kraftwerke geben, die nach 2010 ans Netz gegangen sind. Da wäre das Rostocker Steinkohlekraftwerk außen vor, da es zwar relativ modern, aber schon seit 1994 in Betrieb ist.

Kraftwerk mit Kraft-Wärmekopplung

Aber es gibt auch einen Pluspunkt gegenüber vielen jüngeren Kraftwerken: Das Rostocker Kraftwerk arbeitet in einem Kraft-Wärmekopplungs-Modus, liefert also neben Strom auch Energie für Fernwärmeheizungen in der Stadt. Das könnte dem Betreiber - der Kraftwerks- und Netzgesellschaft (KNG) - doch noch staatliche Zuwendungen einbringen. Diese werden gewährt, wenn an Stelle von Steinkohle auf Biomasse - etwa Holzpellets - umgestellt wird. In diese Richtung plant die KNG laut Geschäftsführer Axel Becker zufolge.

Stadt und Landkreis haben kaum Einfluss auf Stilllegung

Ob die Stadt Rostock und der Landkreis beim Ausstieg aus der Steinkohle mit Strukturmitteln des Bundes von bis zu 52,5 Millionen Euro rechnen können, ist ebenfalls noch nicht klar. Denn das Steinkohlekraftwerk im Seehafen gehört weder der Stadt noch dem Landkreis, sondern dem baden-württembergischen Energiekonzern EnBW, der es von der KNG betreiben lässt. Auf eine Stilllegung dürften Kommune und Landkreis also kaum Einfluss haben. Beide könnten natürlich aus den Verträgen zur Lieferung von Strom und Fernwärme aus dem Kraftwerk im Seehafen aussteigen. Dann würde der KNG ein Zehntel des Umsatzes wegfallen. Dafür müsste dann aber städtischer Ersatz geschaffen werden - und das ist eine Frage des Preises.

Stadt will zunächst Auswirkungen des Gesetzes prüfen

Bisher will sich die Stadt dazu nicht äußern. Auf Anfrage von NDR 1 Radio MV hieß es, nach der Verabschiedung des Gesetzes müssten erst die Auswirkungen auf Rostock geprüft und dann gegebenenfalls ein Meinungsbildungsprozess innerhalb der Stadt gestartet werden. Dort hat sich jüngst die Initiative "Rostock kohlefrei" gegründet und schon einen entsprechenden Bürgerentscheid angekündigt, demzufolge schon 2025 das Steinkohlekraftwerk endgültig vom Netz soll. Das lehnt Betreiber KNG strikt ab und verweist unter anderem auch auf eine mögliche Umstellung auf Biomassse und damit dem Erhalt der aktuell rund 100 Arbeitsplätze im Werk.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.07.2020 | 12:00 Uhr

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