Hochwasserschutz: Backhaus sieht Kommunen in der Pflicht

Stand: 27.07.2021 17:26 Uhr

Die Kommunen müssen laut Umweltminister Backhaus mehr für den Hochwasserschutz tun. Häufig werde in gefährdeten Gebieten gebaut, kritisierte der Minister.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat die Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern aufgefordert, ihre Hochwasserschutzkonzepte zu verbessern  "Es ist unverantwortlich, Industrieanlagen oder Wohnsiedlungen in Gebieten zu errichten, die nicht sicher vor Hochwassern sind", sagte er am Dienstag. Hier müssten die Kommunen ihre Hausaufgaben machen. Auch in ländlich geprägten Regionen könne Starkregen große Schäden hervorrufen. "Es ist wichtig, dass die Gemeinden dies im Blick haben und entsprechende Konzepte entwickeln."

Backhaus: Bundesmittel reichen nicht

Backhaus kritisierte zudem die seiner Ansicht nach unzureichende Finanzierung durch den Bund. Die Länder erhielten von diesem jährlich nur 100 Millionen Euro. "Das ist zu wenig." Zudem müssten die Informationssysteme verbessert werden - das betreffe sowohl Sirenen wie auch digitale Warnmöglichkeiten. Weiter verlangte Backhaus, dass die Flutkatastrophe in Westdeutschland Thema einer Sondersitzung der Länder-Umweltminister werden. Bei der von ihm für September initiierten Beratung sollten allgemeingültige Rückschlüsse für notwendige Schutzmaßnahmen gegen solche Starkregen-Ereignisse gezogen werden.

Minister will mehr Renaturierung

MV investiere rund 20 Millionen Euro pro Jahr in den Küstenschutz. Dieser Betrag werde angesichts veränderter Bedrohungslagen wahrscheinlich steigen müssen. „Wir haben uns in den Planungen auf die Veränderungen durch den Klimawandel eingestellt. Aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht." Backhaus sprach sich dabei unter anderem für die stärkere Renaturierung von Flussläufen und das gezielte Anlegen von Überflutungsflächen aus.

BUND: Bebauungsgebiete oft in gefährdeten Bereichen

Corinna Cwielag vom BUND Mecklenburg-Vorpommern warf dem Land vor, nicht genug für den Hochwasserschutz zu unternehmen. "Wir erleben immer wieder, dass Bebauungsgebiete ausgewiesen werden, die in hochwassergefährdeten Bereichen liegen", sagte sie in NDR MV Live. Auf das Problem weise der Verband in Planungsverfahren häufig hin. "Aber dann wird die Planung trotzdem genehmigt."

"Prinzip des Schwammes" gefordert

Cwielag plädierte beim Bau für ein "Prinzip des Schwammes", bei dem verteilte Grünflächen und Moore Wasser aufnehmen können. "Es darf keine vollversiegelten Supermarktplätze mehr geben." Insgesamt seien Städte und Kommunen zu wenig vorbereitet.

Starkregen durch Tief "Xero" im Juni

Folgenschwere Sturzfluten wie jüngst in der Eifel sind im norddeutschen Tiefland zwar nicht zu befürchten. Doch hatte in der Vergangenheit Starkregen schon vielfach für erhebliche Schäden gesorgt. So standen im August 2019 die Innenstädte von Rostock und Schwerin unter Wasser. Erst Ende Juni 2021 sorgte Tiefdruckgebiet "Xero" im Nordosten mit Starkregen in wenigen Stunden für Niederschlagsmengen, die normalerweise verteilt über den ganzen Monat fallen. Besonders betroffen waren der Westen und der äußerste Südosten Mecklenburg-Vorpommerns, wo die Feuerwehren mehrfach ausrücken mussten, um Keller leer zu pumpen. In Erinnerung sind auch die schweren Elbe-Hochwasser 2002, 2011 und 2013, sowie die wiederkehrenden Sturmfluten an der Ostseeküste.

Dieses Thema im Programm:

NDR MV Live | 27.07.2021 | 16:00 Uhr

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