Stand: 13.08.2020 09:35 Uhr

"Grusel-Goofy": Polizei und Experten warnen vor Kettenbrief

von Katharina Tamme, NDR.de

Das Logo der Messenger-App WhatsApp ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen. © picture alliance/Martin Gerten Foto: Martin Gerten
WhatsApp, Instagram, TikTok: Vor allem Plattformen, die von Kindern und Jugendlichen benutzt werden, seien betroffen.

Durch die sozialen Netzwerke soll ein neuer Kettenbrief gehen, der gezielt Kinder und Jugendliche anspricht und sie dazu verleitet, gefährliche Dinge zu tun. Solche Kettenbriefe sind nichts Neues - bereits vor knapp zwei Jahren verbreitete die sogenannte "Momo-Challenge" Angst im Netz.

Grusel-Goofy namens "Jonathan Galindo"

Der als "Grusel-Goofy" bekannt gewordene aktuelle Fall geht auf Profile bei WhatsApp, Instagram und TikTok zurück, also den Plattformen, die besonders Kinder und Jugendliche nutzen, der sich "Jonathan Galindo" nennt. Auf dem Profilbild sieht man eine gruselig geschminkte Mischung aus dem Disney-Klassiker Goofy und einem Gruselclown, mit falscher Nase und einem breiten Grinsen.

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Screenshot eines Prolfs der den Namen Jonathan Galindo als Profilnamen verwendet. Dieser Kettenbreif schürt in den Sozialen Netzwerken WhatsApp, TikTok und Instagram Ängste. © Screenshot Instagram

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Cyberkriminologe: Liste mit lebensgefährlichen Aufgaben?

Gewarnt hatte der deutsche Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger in einem Statement bei LinkedIn, der berichtete, der Grusel-Account schreibe gezielt Kinder und junge Jugendliche an. Nehmen Kinder diese Anfrage an, bekommen sie einen Link, der auf eine Website mit einer Liste gefährlicher Aufgaben mündet, hieß es dort. Innerhalb von 50 Tagen sollen Kinder täglich eine Aufgabe erledigen. die zu selbstverletzendem Verhalten auffordert. Woher der Profilname "Jonathan Galindo" verbirgt, ist mittlerweile bekannt. Recherchen des Medienmagazins Zapp zufolge fehlen bislang jedoch Hinweise darauf, ob tatsächlich solcherart Listen verschickt wurden. Bestätigte Fälle von Verletzungen aufgrund der Challenge seien bislang nicht bekannt.

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Screenshot des "Grusel-Goofys", der die Grundlage der "Jonathan Galindo Challenge" bildet. © Screenshot Instagram

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Mimikama: Kindern die Angst nehmen

In ähnlichen Challenges der vergangenen Jahre sollen Kinder beispielsweise dazu aufgefordert worden sein, sich Symbole in den Arm zu ritzen. Bei der so genannten Momo-Challenge vor etwa zwei Jahren wurden Kinder ebenfalls zum Selbstmord aufgefordert.

Solche Kettenbriefe sind eine Form der Machtdemonstration, wie der Verein zur Aufklärung von Internetkriminalität Mimikama schreibt. Ziel dieser Grusel-Kettenbriefe sei es, Kindern Angst einzuflößen. Mimikama rät Eltern, mit Ihrem Kindern über solche Grusel-Kettenbriefe zu reden, ihnen möglichst die Angst zu nehmen, aufzuklären. Auch die Polizei Mecklenburg-Vorpommern warnt vor den Kettenbriefen mit Postings in den sozialen Netzwerken und fordert Kinder und Eltern darin auf, diese Kettenbriefe auf gar keinen Fall zu beantworten, zu teilen oder weiterzuverbreiten.

TikTok löscht gemeldete Nutzerprofile

Das Logo der Videoplattform TikTok ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen. © xOmarxMarquesx/ imago images Foto: xOmarxMarquesx/ imago images
TikTok gab an, die Suchfunktion für Jonathan Galindo deaktiviert zu haben.

Die Netzwerke selbst reagieren ebenfalls: Accounts mit dem Namen "Jonathan Galindo" werden derzeit bei TikTok gelöscht, wenn sie von Nutzern gemeldet werden. Bei WhatsApp ist diese Art der Kontrolle jedoch nicht möglich. Ein Unternehmenssprecher von TikTok gab am Donnerstag an, außerdem "als vorsorgliche Maßnahme den Suchbegriff deaktiviert" zu haben. "Darüber hinaus beobachtet unser Moderatorenteam proaktiv Inhalte rund um "Jonathan Galindo" und nimmt notwendige Aktionen vor, damit TikTok eine sichere Umgebung bleibt," hieß es.

Tipps für Eltern: Inhalte melden, nicht weiterverbreiten

Betroffene Eltern sollten deshalb solche Accounts unbedingt dem Netzwerk melden. Eltern können die Kontaktaufnahme außerdem der Polizei melden, denn das Versenden solcher Kettenbriefe kann strafbar sein. "Derjenige, der einen Horrorkettenbrief verfasst oder einen solchen weiterleitet, macht sich dann strafbar, wenn der Inhalt z. B. eine Gewaltandrohung gemäß §241 StGB oder eine Anleitung zu Gewalt gemäß § 111 Absatz 1 StGB enthält", informiert die Polizei bei Facebook.


13.08.2020 09:36 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, nach Angaben des Cybercriminologen Rüdiger seien Listen mit gefährlichen Challenges verschickt worden. Nach Recherchen des Medienmagazines Zapp konnte bislang kein Fall betroffener Kinder nachgewiesen werden. Der Artikel wurde dahingehend aktualisiert.

 

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Das WhatsApp-Logo auf schwarzem Hintergrund. © picture alliance / NurPhoto Foto: Nasir Kachroo

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.07.2020 | 14:40 Uhr

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