Stand: 05.02.2019 21:20 Uhr

Germania-Insolvenz: Laage massiv betroffen

Die Fluggesellschaft Germania ist zahlungsunfähig und hat den Betrieb komplett eingestellt. Der Insolvenzantrag sei am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingereicht worden, teilte das Unternehmen mit. In Norddeutschland sind die Flughäfen Hamburg, Bremen und vor allem Rostock-Laage betroffen.

Germania Mitarbeiter auf Rollfeld

Germania-Insolvenz: Sorge um Rostock-Laage

Nordmagazin -

Der Flughafen Rostock-Laage ist von der Insolvenz der Berliner Fluggesellschaft Germania massiv betroffen. Die Chefin des Flughafens arbeitet seit Wochen an einem Notplan.

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"Immer schwieriger, im Markt zu bestehen"

In Hamburg fallen am Dienstag drei Flüge aus - einer davon nach Madeira. Im Flugplan sind insgesamt 13 Ziele genannt, die Germania von der Hansestadt aus bedient hatte, darunter Destinationen in der Türkei, auf den Kanaren und in Griechenland. Seit 25 Jahren seien Maschinen des Unternehmens von Hamburg aus gestartet, sagte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler. Die vergangenen Monate hätten einmal mehr gezeigt, wie dynamisch sich die Luftfahrtbranche verändere. "So durchleben etablierte Player einen Umbruch und für die kleineren Fluggesellschaften wird es immer schwieriger, im Markt zu bestehen - trotz steigender Passagierzahlen", sagte Eggenschwiler. Auch Flüge vom Airbus-Werk in Finkenwerder zum französischen Standort in Toulouse, die Germania übernommen hatte, werden gestrichen.

Bremen mit vier Flugausfällen betroffen

Die Insolvenz trifft auch den Bremer Airport. Germania sei ein starker Partner gewesen, man habe bis zum Schluss darauf gehofft, Germania erhalten zu können, sagte eine Sprecherin. Am Dienstag fallen vier Flüge wegen der Insolvenz aus. Betroffen seien die Ziele Funchal und Antalya. Für den Sommer habe Germania 23 Ziele von Bremen aus anfliegen wollen. Der Airport Hannover ist eigenen Angaben zufolge nicht von der Insolvenz betroffen.

Massive Auswirkungen für Rostock-Laage befürchtet

Am deutlichsten dürften die Auswirkungen der Insolvenz in Rostock-Laage zu spüren sein. Dort seien zuletzt 14 Ziele von Germania angeflogen worden, sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann. Im aktuellen Flugplan werden zwölf Ziele genannt. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", so Hausmann. Betroffen sind Flüge, die bis Ende März nach Kreta, Palma de Mallorca, Rhodos, Teneriffa, Hurghada und Warna starten sollten. Heute sollte um 11 Uhr ein Germania-Flug nach Antalya in der Türkei abheben, kurz vor 19 Uhr sollte die Maschine mit Rückreisenden wieder landen.

"Herber Schlag für die gesamte Branche"

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) sprach von einem herben Schlag für die gesamte Branche. Mit Blick auf den Airport Laage sagte er, es sei zu befürchten, "dass Außenstände für die Starts und Landungen teilweise nicht mehr beglichen werden könnten. Die genaue Höhe bleibt aber abzuwarten." Auch Landestourismusverbands-Vize Thomas Woitendorf zeigte sich besorgt. "Der Flughafen spielt in der touristischen Ausrichtung eine wichtige Rolle", so Woitendorf.

Rostocks OB: Land in der Verantwortung

Gesellschafter des Flughafens sind die Stadt Rostock, der Landkreis Rostock und die Stadt Laage. Insgesamt erhielt der Airport rund 2,8 Millionen Euro Zuschüsse vom Land und den drei Gesellschaftern. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) warnte im Namen der Mitgesellschafter: "Das ist ein bitterer Schlag für den Flughafen. Es bringt das Land in eine noch größere Verantwortung für den Landesflughafen." Denn bislang trügen im Wesentlichen die Gesellschafter die Kosten des Flughafens. "Jetzt ist ein Hilferuf aus Rostock erforderlich."

Zuletzt hatte außerdem die Airline BMI Regional die Linien nach Köln und Stuttgart eingestellt, gleichzeitig ist mit einem Rückgang der Passagierzahlen beim Kreuzfahrttourismus zu rechnen. Die Reederei Pullmantur Cruises hatte sich entschieden, in diesem Jahr die Anreise der Touristen statt über Laage über Malmö laufen zu lassen. 2018 wurden über Pullmantur etwa 23.300 Passagiere in Laage abgefertigt.

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Kein Ersatz für direkt gebuchte Tickets

Für Reisende, die ihren Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, besteht Anspruch auf eine Ersatzbeförderung. Sie sollten sich deshalb an ihren Reiseveranstalter wenden, wie Germania mitteilte. Schlechter sieht es für Kunden mit direkt gebuchten Tickets aus. "Für Passagiere, die ihr Flugticket direkt bei Germania gekauft haben, besteht aufgrund der gültigen Gesetzeslage bedauerlicherweise kein Anspruch auf Ersatzbeförderung", heißt es auf der Homepage von Germania.

Verbraucherschützer fordern Insolvenzschutz für Fluggäste

Verbraucherschützer fordern deshalb eine bessere Absicherung der Kunden. Eine Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften, die bei einer Pleite Kunden helfe, sei noch immer nicht beschlossen, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Er appellierte an die Politik, endlich zu handeln. "Trotz der Erfahrungen mit der Insolvenz von Air Berlin haben Bundesregierung und EU nichts unternommen. Das rächt sich nun." Den Germania-Kunden drohe "immenser Schaden". Auch der ADAC forderte eine Festschreibung des Insolvenzschutzes für Fluggäste, wie sie für Pauschalreisen bereits existiere.

Lufthansa, Tuifly und Condor springen ein

Doch es gibt ein wenig Hoffnung für gestrandete Germania-Kunden: Verschiedene andere Fluggesellschaften bieten den betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Konzerntochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar ab sofort auf der Eurowings-Webseite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet. Das gleiche Verfahren bietet TUIfly an. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind.

Insolvenz kam nicht überraschend

Wie eine Sprecherin des Rostocker Flughafens mitteilte, sei die Nachricht von der Pleite nicht ganz überraschend gekommen. Seit Bekanntwerden der finanziellen Schwierigkeiten der Airline Anfang Januar habe sich die Geschäftsleitung bereits auf einen möglichen Ausfall vorbereitet und sich um Ersatz bemüht. Ergebnisse veröffentlichte das Unternehmen jedoch bislang nicht. "Wir werden aber sicherlich keine Gesellschaft finden, die alle Strecken übernehmen kann", so Hausmann. Für dieses Jahr seien auf dem deutschen Markt alle Kapazitäten verplant.

Als Grund für die Insolvenz gibt die Airline technische Probleme an den Flugzeugen, Preissteigerungen für Treibstoff und die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar an. Germania war seit 2012 in Mecklenburg-Vorpommern aktiv.

Mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

tageschau.de

Germania-Insolvenz: Auch Hamburg betroffen

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Airlines bieten Passagieren ermäßigte Tickets an

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Germania beantragt Insolvenz

Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt. Das teilte das Unternehmen mit. Der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die Mitarbeiter der Airline stehen vor einer ungewissen Zukunft. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.02.2019 | 12:00 Uhr

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