Warum gibt es widersprüchliche Corona-Zahlen?

Stand: 21.10.2020 10:52 Uhr

Die offiziellen Corona-Infektionszahlen, die das Robert Koch-Institut auf seiner Seite veröffentlicht, weichen häufig von denen ab, die in Karten und Diagrammen auf NDR.de zu finden sind. Das liegt am sogenannten Meldeverzug.

Selten haben die Menschen so gebannt auf Zahlen geschaut wie in den vergangenen Monaten. Wie entwickelt sich die Corona-Pandemie in der Region, in der wir leben? Wie am nächsten Urlaubsort? Je dramatischer die Entwicklung, umso banger und häufiger die Blicke auf die sogenannte Landkreiskarte bei NDR.de.

Aber wie präzise sind die Infektionszahlen, die diese Karte zeigt? Warum findet man woanders andere? Das erklärt NDR Data hier. Und wir räumen ein: Die Aufgabe, der wir uns bei der Auswertung der Zahlen stellen, ist alles andere als einfach. Denn die Datenlage ist nicht immer zuverlässig. Aber Sie können trotzdem sicher sein: Wir arbeiten seriös. Und: Wir stehen im Austausch mit vielen anderen Redaktionen, denen es nicht anders geht.

Berichtsdatum versus Meldedatum

Die Basis unserer datenjournalistischen Auswertungen sind immer die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI). Trotzdem stimmen die Werte beispielsweise in der Landkreiskarte des NDR und die in der Übersicht des RKI häufig nicht überein. Dafür gibt es einen Grund: Der NDR verwendet die Zahlen nach Berichtsdatum, also dem Moment, in dem sie dem RKI vorliegen. Vorteil: Diese Zahlen sind vergleichsweise frisch, etwa einen Tag alt, sagen aber nichts darüber aus, wann eine Erkrankung tatsächlich bei einem Gesundheitsamt gemeldet wurde.

Das RKI hingegen verwendet in seinen Darstellungen das Meldedatum, also den Tag, an dem eine Erkrankung in einer Stadt oder einem Landkreis bekannt wurde. Das ist ein bisschen präziser und aussagekräftiger, wenn es um den Verlauf der Pandemie geht. Aber für die letzten drei Tage sind diese Fallzahlen zu niedrig - der Ernst der Lage könnte unterschätzt werden. Der Grund: Es braucht eben Zeit (etwa drei Tage), bis alle Meldedaten von den Ämtern zum RKI gelangen. Will man die Fallzahlen mit RKI-Daten nach dem Meldedatum nicht unterschätzen, muss man die jüngsten drei Tage ausblenden.   

Zahlen auf NDR.de sind aktueller

In der Abwägung haben wir uns für Aktualität entschieden und nehmen eine geringe Ungenauigkeit in Kauf. Auch, um mit unseren Zahlen näher an denen der regionalen Erfassung zu sein, denn sie sind meist die Basis für politische Entscheidungen. Dennoch sind wir nie ganz tagesaktuell, können es nicht sein.

Daten täglich bei 400 Ämtern abzufragen wäre zu aufwendig

Es gibt theoretisch noch eine andere Variante der Datengewinnung: Eine Redaktion könnte täglich alle rund 400 Gesundheitsämter Deutschlands abfragen, um die ganz frischen Werte zu bekommen. Der Aufwand wäre allerdings sehr groß, ebenso die Fehleranfälligkeit. Und: Die Daten sind wegen unterschiedlicher Systematiken untereinander nicht vergleichbar.

Hamburg ein Risikogebiet? Kurzzeitig verwirrende Zahlen

Mit diesem Wissen lässt sich erklären, was uns am 19. Oktober passiert ist. NDR.de meldete: Hamburg ist jetzt Risikogebiet, weil bei der Sieben-Tage-Inzidenz die höchste Warnschwelle überschritten wurde - mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Der Wert kam vom Hamburger Gesundheitsamt, das immer am selben Tag schon Daten veröffentlicht, während sie sich noch auf dem Weg zum RKI befinden. Gleichzeitig zeigte die Landkreis-Karte beim NDR im Widerspruch dazu die Stadt Hamburg weiterhin gelb eingefärbt - bedeutet: 50er-Marke noch nicht erreicht.

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