Stand: 03.12.2019 17:40 Uhr

Mittelmäßiges PISA-Zeugnis für Deutschland

Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben bei der aktuellen PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlechter abgeschnitten als zuletzt. Zwar lagen sie nach den am Dienstag in Berlin vorgestellten Ergebnissen über dem Durchschnitt der 79 verglichenen Länder, büßten aber in den untersuchten Bereichen Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Grundbildung im Vergleich zum PISA-Test vor drei Jahren Punkte ein.

Ministerin Karliczek fordert Konsequenzen

"Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Sie hob hervor, dass Deutschland ein gutes Schulsystem habe und auch in dieser PISA-Studie leicht über dem OECD-Durchschnitt liege. "Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei." Bund und Länder müssten gemeinsam gegensteuern. "Wir wollen in die Spitze der PISA-Studie aufsteigen." Auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht Handlungsbedarf. Die Defizite bei der Lesekompetenz seien alarmierend. Deutschland sei ein Land, das auf Spitzenleistungen in allen Bereichen angewiesen ist.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), der hessische Minister Alexander Lorz (CDU), sagte, das deutsche Bildungssystem sei nicht so schlecht, wie es manchmal geredet werde. "Aber es ist auch nicht so gut, wie wir es gerne hätten." Die FDP-Politikerin Katja Suding aus Hamburg sprach von einer "Pisa-Klatsche" für Deutschland. Der OECD-Vizegeneralsekretär Ludger Schuknecht sagte, die Bundesrepublik müsse ihre Begeisterung für Bildung und Kompetenzen erneuern und ihren Reformgeist wieder auf den Weg bringen.

Buchstabenwürfel © Fotolia.com Foto: Marcel Mooij

PISA: "Nicht vergleichen, was man nicht vergleichen kann"

NDR Info - Wissenschaft und Bildung -

Asiatische Regionen liegen in der PISA-Studie vorne. Doch sie taugen hierzulande nicht als Vorbild. Aber auch die europäischen Top-Nationen im PISA-Ranking überraschen nicht.

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Schwerpunkt Lesekompetenz

Der Schwerpunkt der aktuellen Studie, für die 15-jährige Schülerinnen und Schüler im Jahr 2018 befragt wurden, lag auf dem Bereich Lesekompetenz. Dabei sanken die Leistungen der deutschen Mittelstufenschüler nach Verbesserungen in den vorherigen Überprüfungen wieder auf das Niveau von 2009 ab. "Dass die Ergebnisse schlechter ausfallen würden, war aus meiner Sicht zu erwarten", sagte Bildungsforscher und PISA-Kritiker Rainer Bölling im Interview mit NDR Info. Denn seit 2015 seien etwa 200.000 Kinder und Jugendliche nach Deutschland gekommen, die zuvor kein Deutsch konnten und in deren Familien andere Muttersprachen gesprochen werden. Hierzulande würden quasi keine Schüler aus dem Test ausgeschlossen, wohingegen in anderen Ländern nicht alle Schülergruppen am Test teilnehmen würden.

Mädchen haben in Deutschland den Ergebnissen zufolge noch immer eine deutlich höhere Lesekompetenz als Jungen. Diese wiederum schneiden in Mathe besser ab. In den Naturwissenschaften liegen beide Geschlechter gleichauf, weil sich die Jungen gegenüber der Studie von 2015 hier verschlechtert haben.

Bildungsforscher: Länder nicht vergleichbar

Die im weltweiten Vergleich besten Ergebnisse erzielten Schülerinnen und Schüler aus vier chinesischen Provinzen, gefolgt von denen aus Singapur, Macau und Hongkong. Als bester europäischer Staat steht Estland mit seinen Schülern in Sachen Lesekompetenz auf Platz fünf, Deutschland landete auf Rang 20.

"Kann man überhaupt einen Stadtstaat wie Singapur mit einer hohen Millionärsdichte mit dem Flächenland Deutschland vergleichen?", fragt Böllinger. Auch sei es fragwürdig, was und vor allem wer genau in China getestet werde. Er plädiert dafür, genauer hinzuschauen, wie die PISA-Leistungen ermittelt würden - und welche Nachteile die Lehr- und Lernmethoden der Länder auf den vorderen Plätzen mit sich brächten.

Mutter und Tochter sitzen auf dem Bett und lesen ein Buch

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Soziales Umfeld entscheidend für den Lernerfolg

Anders als in den meisten OECD-Staaten ist in Deutschland laut Studie das soziale Umfeld entscheidend für den schulischen Lernerfolg. Die Unterschiede zwischen denen, die aus einem günstigen sozialen Umfeld kommen und den Benachteiligten aus bildungsfernen Elternhäusern ist seit der letzten PISA-Studie weiter gewachsen.

Die Abkürzung PISA steht für "Programme for International Student Assessment" (Programm zur internationalen Schülerbewertung). Die OECD hat für die Studie, die alle drei Jahre durchgeführt wird, dieses Mal rund 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern getestet. Von den 5.500 Schülerinnen und Schülern aus 220 deutschen Schulen erwies sich etwa jeder Fünfte als leistungsschwach.

Ein Beispiel, dass sich Investitionen in Bildung lohnen können, lieferte in der Vergangenheit Irland: Dort wurde nach dem "PISA-Schock" von 2009 ein großes, landesweites Förderprogramm ins Leben gerufen - und anschließend erzielten die Schülerinnen und Schüler bei den Tests gute Ergebnisse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 03.12.2019 | 09:08 Uhr