Stand: 28.11.2019 17:10 Uhr

Journalisten ausgespäht? NDR stellt Strafanzeige

Das spanische Unternehmen UC Global soll sowohl den bekannten Wikileaks-Gründer Julian Assange als auch Journalisten ausgespäht haben. Diese hatten sich für Interviews mit Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London getroffen. UC Global weist die Anschuldigungen zurück.

von Elena Kuch, Reiko Pinkert, Antonius Kempmann, Martin Kaul, Isabel Lerch

Bild vergrößern
"Angriff auf meine Privatsphäre": NDR Journalist John Goetz.

John Goetz kann sich noch gut an seine Gespräche mit Julian Assange erinnern. Der NDR Journalist traf den Wikileaks-Gründer mehrfach in der Botschaft von Ecuador in London. Dort lebte Assange seit 2012. Goetz führte Interviews und traf mit Assange vertrauliche redaktionelle Absprachen. Dokumente, die NDR und WDR vorliegen, legen den Verdacht nahe, dass diese Gespräche auch überwacht worden sein könnten. "Das ist ein Angriff auf meine Privatsphäre", sagt der NDR Journalist. Unter anderem sollen Passdaten von ihm gespeichert worden sein.

NDR erstattet Strafanzeige

Bild vergrößern
NDR Justiziar Klaus Siekmann: "Persönlichkeitsrechte und auch das Redaktionsgeheimnis wurden verletzt."

Systematische Videoüberwachung, Mitschnitte von Gesprächen, Vermerke über Gäste und abgehörte Telefone - die Unterlagen zeigen das Ausmaß der Überwachung. Neben Goetz könnten mit Reiko Pinkert und Antonius Kempmann noch zwei weitere Journalisten des Norddeutschen Rundfunks von Überwachungsmaßnahmen betroffen gewesen sein. "Wir gehen davon aus, dass unsere Mitarbeiter ausgespäht wurden und so ihre Persönlichkeitsrechte und auch das Redaktionsgeheimnis verletzt wurden", sagt NDR Justiziar Klaus Siekmann. Der NDR erstattet deshalb nun Strafanzeige.

Sicherheitsunternehmen weist Vorwürfe zurück

Das Sicherheitsunternehmen Undercover Global (UC Global) war bis zum Jahr 2018 für die Sicherheit innerhalb des ecuadorianischen Botschaftsgebäudes verantwortlich - unter anderem, um Filmaufnahmen anzufertigen und Gäste zu überprüfen. Frühere Mitarbeiter werfen dem Unternehmen allerdings vor, die innerhalb der Botschaft gewonnenen Erkenntnisse später auch an die USA verkauft zu haben. UC Global und dessen Anwälte weisen die Anschuldigungen auf Anfrage zurück. Zwar bestätigte ein Anwalt im Gespräch mit NDR und WDR, dass UC Global mit US-amerikanischen Nachrichtendiensten zusammenarbeite. Allerdings beziehe sich dies nur auf andere Aufträge. Auch seien von UC Global keine Audioaufnahmen innerhalb der Botschaft angefertigt worden.

Eingriff in Redaktionsgeheimnis

NDR Mitarbeiter Goetz sieht seine Arbeit als Journalist beeinträchtigt: "Wenn mein Material, also auch Notizen mit anderen Gesprächspartnern, weitergeleitet worden sein könnte, auch an US-Behörden - dann ist das natürlich ein schwerer Eingriff in das Redaktionsgeheimnis", sagt er. Gemeint ist in diesem Fall das geschützte Verhältnis zwischen Journalisten und ihren Informanten.

Weitere Informationen
Das Erste: Panorama

Wikileaks: Rachefeldzug der US-Regierung?

Das Erste: Panorama

Die USA treiben die Auslieferung von Julian Assange voran. Doch nicht nur ihn haben die US-Ermittler im Visier: Weltweit geraten Wikileaks-Unterstützer in Bedrängnis. mehr

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 28.11.2019 | 21:45 Uhr

Mehr Nachrichten

04:04
Hallo Niedersachsen
02:38
Hamburg Journal
02:48
Nordmagazin