Eine Person wird in den Oberarm geimpft © Colourbox Foto: Antonio Gravante

Impfzentren: Das sind die Pläne in Norddeutschland

Stand: 24.11.2020 15:25 Uhr

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus macht große Fortschritte - so große, dass es bereits konkrete Überlegungen gibt, wie die Bevölkerung in Deutschland im großen Stil geimpft werden kann.

Damit möglichst viele Menschen möglichst effektiv das Mittel bekommen können, ist die Einrichtung von Impfzentren geplant. Denn der Transport des Impfstoffes dürfte aufwendig werden, weil beispielsweise das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech bei Temperaturen von minus 70 Grad gelagert werden muss - entsprechend groß sind die Herausforderungen in Sachen Infrastruktur und Logistik. Kleine Hausarztpraxen wären damit überfordert. Beim Transport und der Lagerung des Impfstoffs soll offenbar auch die Bundeswehr helfen. 

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Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Wann sind die Forscher am Ziel?

Wann steht ein Corona-Impfstoff zur Verfügung? Wer bekommt ihn zuerst? Der NDR berichtet über aktuelle Entwicklungen zur Suche nach einem Impfstoff. mehr

Wann mit den Impfungen begonnen werden kann, ist noch offen. Bund und Länder gehen davon aus, dass in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres ein zugelassener Impfstoff verfügbar sein wird. Klar ist, dass zunächst Menschen aus Risikogruppen und Menschen, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind, gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. Auch die norddeutschen Bundesländer bereiten sich darauf vor - und haben bereits erste Details ihrer Planungen bekanntgegeben.

Niedersachsen: Bis zu 60 Impfzentren geplant

Die niedersächsische Landesregierung plant derzeit die Errichtung von bis zu 60 Zentren im ganzen Land. Pro Landkreis und kreisfreier Stadt sieht das Konzept in der Regel jeweils ein Impfzentrum vor. Je nach Einwohnerzahl können es aber auch zwei sein, wie etwa in den Landkreisen Braunschweig, Osnabrück und Stade oder sogar jeweils vier für Stadt und Region Hannover.

Die Aufgaben sind laut Innenminister Boris Pistorius (SPD) dabei wie folgt verteilt: Das Land kümmert sich um die Logistik rund um den Impfstoff, um die Terminvergabe in den Impfzentren und trägt die gesamten Kosten. Die Kommunen sollen geeignete Räumlichkeiten finden, Personal rekrutieren, die Menschen vor Ort betreuen und den Betrieb der Zentren absichern.

Niedersachsen plant ein einheitliches, zentrales Terminmanagement, das neben Onlinebuchungen auch auf ein Bürgertelefon und einen Bürgerservice setzt.

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Hände in grünen Medizinhandschuhen halten ein Fläschchen mit Corona-Impfstoff und eine Impfspritze. © imago images Foto: Christian Ohde

Niedersachsen: Kommunen bereiten Aufbau von Impfzentren vor

Diese sollen laut Gesundheitsminister Spahn Mitte Dezember startbereit sein - dann steht womöglich ein Impfstoff bereit. mehr

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) und Innenminister Borius Pistorius (SPD) stehen bei der Landespressekonferenz nebeneinander. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona: Niedersachsen plant bis zu 60 Corona-Impfzentren

Das Land übernimmt die Kosten - die Kommunen suchen nach geeigneten Räumen. Eine Impfpflicht wird es nicht geben. mehr

Schleswig-Holstein: Impfzentren in jedem Kreis

Auch das nördlichste Bundesland bereitet derzeit die Einrichtung von Impfzentren vor. Es soll jeweils einen Standort in jedem Kreis und jeder kreisfreie Stadt geben. Insgesamt nannte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) 28 Orte, wo die Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden können - unter anderem in Niebüll, Husum, Flensburg, Büdelsdorf oder Kaltenkirchen.

Garg zufolge hat das Land frühzeitig Spritzen, Kanülen, spezielle Kühlaggregate und weiteres Material bestellt. Die geplanten Impfzentren sollen laut Garg die Impfdosen von einem zentralen Verteilzentrum im Land erhalten. Das genaue Verfahren werde noch abgestimmt.

Des Weiteren prüft das Gesundheitsministerium, ob auch Impfungen durch mobile Teams in bestimmten Einrichtungen wie in Pflegeheimen möglich sind. Zusätzlich zu den Impfzentren sollen sich Menschen auch von ihren Hausärzten gegen das Coronavirus impfen lassen können.

Mecklenburg-Vorpommern: Mindestens sechs Zentren - plus mobile Teams

Mecklenburg-Vorpommern plant mindestens ein Corona-Impfzentrum in jedem der sechs Landkreise sowie in Rostock und Schwerin. Zudem sind auch in MV mobile Teams angedacht, die beispielsweise in Pflegeheimen die Impfungen vornehmen sollen. Auch Spritzen und Kanülen hat das Land schon bestellt - ausreichend für eine halbe Million Impfungen. "Ziel ist es, dass mindestens 5.000 Impfungen pro Impftag verabreicht werden", sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU).

Damit genug Fachpersonal für die Zentren zur Verfügung steht, will das Gesundheitsministerium auch Ärzte aus dem Ruhestand holen. Aber auch aktive Ärzte, Betriebsärzte, Fachkräfte im Rettungsdienst oder Studierende sollen für die Arbeit in den Zentren gewonnen werden. Sie sollen bis zu vier Stunden am Stück arbeiten, so dass die Zentren insgesamt für 16 Stunden täglich arbeiten können.

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Ein Teststäbchen wird gezeigt. © picture alliance Foto: Johan Nilsson TT

Acht Impfzentren in Mecklenburg-Vorpommern geplant

In den Landkreisen und den kreisfreien Städten soll es jeweils ein Impfzentrum geben: für mindestens 5000 Impfungen pro Tag. mehr

Hamburg: Suche nach optimalem Standort läuft

In Hamburg ist noch nicht offiziell bekannt gegeben worden, wo das geplante zentrale Impfzentrum eingerichtet wird. Presseberichten zufolge stehen dabei besonders die Messehallen im Blickpunkt. Der Senat verwies unter anderem auf die erhöhten Anforderungen an einen solchen Standort. So müsste es eine sehr gute Verkehrsanbindung geben, ebenso große Räumlichkeiten für Wartende und zur möglichen Beobachtung nach der Impfung. Die Logistik für das Impfzentrum soll Mitte Dezember einsatzbereit sein, wie NDR 90,3 aus Senatskreisen erfuhr. Außerdem sollen mobile Impf-Teams zum Beispiel in Pflegeheimen eingesetzt werden.

VIDEO: Hamburg will Mitte Dezember mit Corona-Impfungen starten (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.11.2020 | 11:00 Uhr

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