In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird ein ökumenischer Gottesdienst für die Verstorbenen der Corona-Pandemie gefeiert.  Foto: Gordon Welters/KNA-POOL/dpa

Gedenkfeiern für die Todesopfer in der Corona-Pandemie

Stand: 18.04.2021 17:08 Uhr

In ganz Deutschland ist am Sonntag der an Covid-19 verstorbenen Menschen gedacht worden. Die zentrale Veranstaltung fand in Berlin statt.

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) von einer "dunklen Zeit". Die Pandemie habe "tiefe Wunden geschlagen und auf schreckliche Weise Lücken gerissen", so Steinmeier in seiner Rede im Konzerthaus Berlin. Dabei ging der Bundespräsident auch auf die nach wie vor stark angespannte Lage ein: "Wir sind ermüdet von der Last der Pandemie, und wundgerieben im Streit um den richtigen Weg." Der Bundespräsident sieht noch nicht die Zeit gekommen, um Versäumnisse der Politik während der Pandemie aufzuarbeiten. "Sprechen wir über Schmerz und Leid und Wut. Aber verlieren wir uns nicht in Schuldzuweisungen, im Blick zurück, sondern sammeln wir noch einmal die Kraft für den Weg nach vorn, den Weg heraus aus der Pandemie, den wir gehen wollen und gehen werden, wenn wir ihn gemeinsam gehen", sagte Steinmeier. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Pandemie, die schon die Menschen zum Abstand zwinge, "uns auch noch als Gesellschaft auseinandertreibt". 

Auch Kanzlerin Merkel bei Gedenkveranstaltung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt zu einem ökumenischen Gottesdienst in Berlin anlässlich des zentralen Gedenkens für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie in Deutschland. © dpa Foto: Christoph Soeder/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem Weg zum ökumenischen Gottesdienst in Berlin.

In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie mehr als 3,1 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt, an oder mit der Krankheit starben bislang rund 80.000 Menschen. Die Zentrale Gedenkveranstaltung für die Verstorbenen ging auf eine Initiative Steinmeiers zurück. Anwesend waren mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff (alle CDU) und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, auch die Spitzen der weiteren deutschen Verfassungsorgane.

Ökumenischer Gottesdienst in Berliner Gedächtniskirche

Am Vormittag hatte es einen zentralen ökumenischen Gottedienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gegeben. Dabei hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohmin seiner Predigt gesagt, in Zeiten der Trauer sei es umso wichtiger, nicht alleine zu sein. Er nannte die Krisenerfahrung der Pandemiezeit ein "Trauma unserer Seele". Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, Tod und Sterben seien in der Pandemie näher gerückt als zuvor. Von jetzt auf gleich müssten Patienten ins Krankenhaus, Abschiede seien holprig und überstürzt. Auch der Vorsitzende des Islamkollegs Deutschland, Esnaf Begic, und die jüdische Kantorin Avital Gerstetter wirkten an dem Gottesdienst mit. In ihm kamen auch von der Pandemie direkt betroffene Menschen zu Wort.

Zahlreiche Aktionen in Nord-Ländern

Gemeinsam mit ihren Amtskollegen gedachten auch die Regierungschefs im Norden der Corona-Toten. "Fast 80.000 Menschen sind seit dem Beginn der Pandemie in Deutschland an oder mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Jeder und jede Einzelne hinterlässt eine Lücke: im Leben der Angehörigen, der Freunde, Kollegen und Nachbarn, in seinem beruflichen und privaten Umfeld", sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). "Die Pandemie macht uns jeden Tag bewusst, wie wichtig die Gesundheit und die menschliche Nähe für unser Leben ist - und dass wir aufeinander achten müssen." Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erinnerte an die im Januar von Bundespräsident Steinmeier ins Leben gerufenen Aktion #lichtfenster, bei der die Menschen am Abend Kerzen ins Fenster stellen sollen. "Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam an die Verstorbenen erinnern und die Angehörigen stärken. Wir können dazu nicht zusammenkommen. Aber wir können gemeinsam mit Kerzen ein starkes Signal senden."

Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther (CDU) warb für mehr Achtsamkeit in der Corona-Pandemie. "Die meiste Zeit drehen sich unser aller Gedanken im Moment darum, Menschen zu schützen, sie vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu bewahren. Die Politik mit dem Blick auf das ganze Land - jede und jeder von uns mit dem Blick für die Mitmenschen, die Familie, Freunde und Verwandte." Gerade in diesen Tagen seien die Kerzen "ein Symbol, besonders achtsam zu sein". Auch in vielen Städten Niedersachsens gab es Aktionen zum Gedenken an Opfer und Hinterbliebene. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beteiligte sich an einer Blumenzeremonie an der Ruine der Nikolaikapelle in Hannover.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 18.04.2021 | 17:00 Uhr

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