Harburg: Mit Stelzenläufern gegen hohe Corona-Zahlen

Stand: 16.04.2021 20:18 Uhr

Wie eine NDR-Recherche zeigt, sind die Corona-Zahlen in einigen ärmeren Hamburger Stadtteilen am höchsten. In Harburg hat der Senat jetzt eine Aufklärungskampagne gestartet.

Auf dem Harburger Rathausplatz und in der Innenstadt waren am Donnerstag Stelzenläuferinnen und -läufer in Kostümen unterwegs und verteilten schwarze Masken und Flyer, um auf die Risiken von Corona aufmerksam zu machen. "Schütze Dein Harburg", lautet das Motto. Neben den wichtigsten Hygieneregeln sind darin die Testzentren aufgelistet, wo man in Harburg einen Schnelltest bekommt. Zunächst waren die Faltblätter auf Deutsch - Versionen in weiteren Sprachen sollen erst später kommen.

Fegebank beim Start dabei

Eine Recherche des Hamburg Journals im NDR Fernsehen hatte ergeben, dass Harburg einer der Stadtteile ist, in denen die Inzidenzen zuletzt besonders hoch lagen. Ziel sei es jetzt, in Stadtteilen mit sozial schwieriger Lage dicht an die Menschen heranzukommen und niedrigschwellig zu informieren, sagte die für die Bezirke zuständige Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) beim Start der Kampagne in Harburg.

"Sehr kinderreiche Stadtteile betroffen"

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin von Hamburg, gibt während eines Pressetermins zu einer neuen Awareness-Kampagne in Harburg ein Interview. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank kann sich vorstellen, dass die Kampagne auch in andere Stadtteile getragen wird.

Zu Anfang der Pandemie hätten viele Skiurlauber das Virus zurück mit nach Altona oder Eimsbüttel gebracht, sagte die Senatorin. "Jetzt stellen wir fest, dass sehr kinderreiche Stadtteile, Stadtteile mit einer schwierigen sozialen Lage betroffen sind." Dabei spielten "beengte Wohnverhältnisse" eine Rolle, "aber sicher auch Familien, wo die Arbeitsverhältnisse nicht homeoffice-fähig sind".

Auch der hohe Anteil migrantischer Bewohner werde berücksichtigt, sagte Harburgs Bezirksamtschefin Sophie Fredenhagen (parteilos). Dabei sei die Sprachbarriere nicht immer der Hauptgrund. "Wir haben ja auch viele Migranten, die über Generationen hier sind, die keine Sprachbarriere haben. Das Verstehen und das Verständnis sind, glaube ich, zwei verschiedene Sachen." Deshalb arbeite man auch mit Initiativen und Vereinen im Stadtteil sowie den Moschee-Gemeinden eng zusammen, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Kampagne bald auch in anderen Stadtteilen?

Künftig sollen auch Initiativen, Vereine, Wohnungsgesellschaften und Institutionen mit ins Boot geholt werden, sagte Fegebank. Die Kampagne in Harburg könne auch Modell für weitere Bezirke oder Stadtteile mit vergleichbarer Struktur sein. "Wir wollen die Elemente auch nach Mitte tragen", sagte sie. Man sei mit anderen Bezirksamtsleitern im Gespräch.


16.04.2021 20:18 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir berichtet, dass die Corona-Informationen in den Faltblättern am Donnerstag in mehreren Fremdsprachen angeboten wurden. Dies soll aber erst später der Fall sein.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.04.2021 | 18:00 Uhr

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