Stand: 25.01.2019 15:58 Uhr

"Fridays for Future"-Demo: Schüler für das Klima

"Fridays for Future" - "Freitage für die Zukunft": Unter diesem Motto protestieren seit Dezember Schülerinnen und Schüler für wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel - auch in norddeutschen Städten wie Hamburg und Göttingen. Inspiriert hat sie dazu die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Sie spricht vor internationalen Experten wie etwa auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. In Berlin haben am Freitag Tausende Jugendliche demonstriert. Anlass war die Tagung der Kohlekommission. Auch aus Norddeutschland sind Schüler nach Berlin gefahren - alles selbst organisiert.

von Charlotte Horn, NDR Info

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Julia Oepen organisiert die Demonstrationen der "Fridays for Future"-Aktivisten in Hamburg.

Julia Oepen sitzt mit vier Mitstreitern im Jugendhaus des BUND in Hamburg. Sie besprechen die nächste Protest-Aktion. "Ich kann einen Pavillon ausleihen. Da muss mir irgendwer vorher schleppen helfen. Wenn dann jemand noch einen Klapptisch hat, könnte man da drin eine Plakat-Mal-Station aufbauen", sagt ein Teilnehmer.

Vor einer Woche hatten die jugendlichen Aktivisten 150 Teilnehmer zu einer Demo vor dem Hamburger Rathaus angemeldet. Es kamen fast 2.000. Die 17-jährige Julia zeigt ein Video: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut", skandieren die Teilnehmer darin.

"Letzte Generation, die Klimawandel aufhalten kann"

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"Das Klima ändert sich - warum wir uns nicht auch" - so haben die Aktivisten in Hamburg demonstriert.

Die Schülerin geht in die 11. Klasse, nächstes Jahr macht sie ihr Abitur. "Wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel aufhalten kann und deswegen liegt es in unserer Verantwortung, das zu tun", sagt sie.

Julia Oepen meint es ernst, das merkt man ihr an. "Dadurch, dass wir streiken, bekommen wir eine Menge Aufmerksamkeit", freut sie sich. Es sei das erste Mal, dass sie das Gefühl habe, dass die Stimme ihrer Generation in der Klimafrage ernst genommen wird. "Da ist eine Menge Potenzial und die Bewegung wird immer größer."

Lehrer und Direktor unterstützen das Engagement

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Wie eine 16-Jährige für das Klima kämpft

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Die Protestaktion "Schulstreik fürs Klima" der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg hat Nachahmer in aller Welt gefunden. tagesschau.de berichtet. extern

An ihrem ersten Streik-Tag informierte ihre Mutter die Schule per Email, dass ihre Tochter nicht zum Unterricht kommen würde. Lehrer und auch der Direktor unterstützen ihr Engagement - trotz der Fehlstunden. Julia und die anderen sehen sich als Jugendbewegung, organisieren sich basisdemokratisch über WhatsApp-Gruppen in ganz Deutschland. "Noch können wir die Situation in den Griff bekommen", sagt Julia.

Sie sei sauer, dass die Weltklimakonferenz keine wirklichen Ergebnisse gebracht habe. "Da entscheiden teilweise auch Leute über eine Zukunft, von der sie gar kein Teil mehr sein werden", sagt sie. Zu oft würde nach persönlichem Profit geschaut, anstatt auf eine gemeinsame Zukunft.

Auch Tim Linsel aus der Hamburger Gruppe hat sich schon intensiv mit dem Klimawandel und den Folgen weltweit auseinandergesetzt: "Wenn man sich das vorstellt, wenn man mit 70 oder so zurückblickt und dann ist alles Chaos, aber man hätte was tun können, doch man hat es nicht - davor habe ich richtig Angst."

Zwei Reisebusse gemietet

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Die Forderung der Schüler an die Politik ist klar: ein sofortiger Ausstieg aus der Kohle.

So sieht es auch Jan Ole Lindner. Der 16-jährige Schüler aus Elmshorn in Schleswig-Holstein war im Dezember bei einem Schulstreik in Kiel dabei, gründete eine Gruppe im Kreis Pinneberg. Jetzt in Berlin mitzudemonstrieren ist dem Schüler wichtiger als der Zeugnis-Vermerk über den unentschuldigten Fehltag. "Wir wollten unbedingt nach Berlin, weil das das entscheidende Datum für uns als Klima-Aktion ist, weil da die Kohlekommission ihr Ergebnis vorstellen möchte", sagt Lindner. Zusammen mit den Hamburger Aktivisten seien zwei Reisebusse gemietet wurden.

Mehr als 100 Schüler allein aus Elmshorn und Hamburg haben sich angemeldet. Sie zahlen 10 Euro pro Ticket und decken die übrigen Kosten mit Spenden. Ihre Forderung an die Kohlekommission und an Politiker generell fasst die Hamburger Schülerin Julia Oepen so zusammen: "Den Kohleausstieg, eine andere Agrarpolitik und eine neue Verkehrspolitik einleiten. Das heißt zum Beispiel hier in Hamburg den Flughafen nicht weiter ausbauen." Es seien eigentlich einfache Dinge, meint Oepen. "Man muss es nur tun."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mittagsecho | 25.01.2019 | 13:00 Uhr

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