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"Belastete Straßennamen" kommen auf den Prüfstand

Stand: 08.10.2020 20:20 Uhr

In Hamburg gibt es bis heute viele Straßen, deren Namensgeber belastet sind aus der NS-Zeit. Eine Kommission soll diese Straßennamen künftig prüfen.

Carsten Brosda im Gespräch über den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg.
Will Transparenz im Zusammenhang mit Straßennamen herstellen: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Immer wieder gibt es Diskussionen über Straßennamen in Hamburg, weil sie mitunter an Menschen erinnern, die Anhänger des Nazi-Regimes waren oder auch von den Nazis profitierten. Die Kulturbehörde hat eine Kommission mit Historikern einberufen, die Bewertungsgrundlagen für Straßennamen erarbeiten soll. Bisher gebe es ein hartes Kriterium: Wer Mitglied in der NSDAP war, nach dem werde heute keine Straße mehr benannt, erklärt Kultursenator Carsten Brosda (SPD). "Aber wir müssen jetzt gucken, wie gehen wir mit den deutlich komplexeren Lebensläufen um, die uns heute begegnen", so Brosda weiter.

Die 2010 verstorbene Schauspielerin Heidi Kabel etwa überredete ihren Mann Hans Mahler, in die NSDAP einzutreten. Sie selbst wurde Mitglied der NS-Frauenschaft. Beide erhofften sich berufliche Vorteile - ohne Erfolg. Ende der 1930er-Jahre wandten sie sich von der Diktatur ab. Sie engagierten sich nach Kriegsende auch abseits der Bühne sozial. Ein Platz samt Skulptur erinnert heute an die beliebte Volksschauspielerin. Das ist umstritten.

Högerdamm und Bernhard-Nocht-Straße

Das Chilehaus ist der prominenteste Bau von Fritz Höger. Dessen Backstein-Entwürfe prägen bis heute Hamburgs Stadtbild. Doch der Architekt war überzeugter Nationalsozialist, Mitglied im "Kampfbund deutscher Architekten", laut Datenbank der "NS-Dabeigewesenen". Fritz Höger bat demnach Kollegen "dem größten aller Baumeister, Adolf Hitler, treu zur Seite zu stehen und das 'Dritte Reich' mitaufbauen zu helfen". Und trotzdem: Der Högerdamm trägt bis heute seinen Namen. Eine Straße und das ansässige Tropeninstitut würdigen bis heute den Mediziner Bernhard Nocht. Der wurde während der NS-Diktatur Mitglied des Reichskolonialbundes. Eine weitere Biografie, an die neue Kriterien angelegt werden könnten.

Kriterien für vernünftige Entscheidungen erarbeiten

Die neue Kommission soll nun Kriterien erarbeitet, wie bestimmte Personalien zu bewerten seien, so Brosda. Damit könne der Senat dann vernünftige und an Kriterien orientierte Entscheidungen treffen. Es gehe nicht darum, Namen verschwinden zu lassen, man müsse auch die geschichtliche Dimension in der Wahrnehmung der Stadt erhalten. "Aber es geht darum, sichtbar und transparent zu machen, wofür die Namen stehen", sagt der SPD-Politiker.

Über den Umgang mit Haupttätern ist die Gesellschaft sich schon länger einig. Neue Kriterien sollen helfen, auch komplexe Biografien sogenannter "Dabeigewesener" historisch angemessen einzuordnen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 08.10.2020 | 19:30 Uhr

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