Stand: 31.08.2018 16:30 Uhr

Was Sie über die Elbvertiefung wissen sollten

von Yannik Schüller
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Je mehr Containerschiffe wie die "CSCL Globe" geladen haben, umso schwieriger ist der Hamburger Hafen zu erreichen.

Die Stadt Hamburg sieht sich endlich am Ziel: Das Planungsverfahren für die Elbvertiefung ist abgeschlossen. "Damit haben wir Baurecht und beginnen in Kürze mit der Kampfmittelsondierung und bauvorbereitenden Maßnahmen", kündigte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) Ende August 2018 an. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Frühjahr 2017 hatten die Planer nachbessern müssen - vor allem mit Blick auf den geschützten Schierlings-Wasserfenchel. Die vom Bauprojekt bedrohte Pflanze soll nun an einem alten Wasserwerk auf der Billwerder Insel angesiedelt werden.

Kann das Vorhaben noch gestoppt werden?

Gegnern des Vorhabens bleibt bis etwa Ende September 2018 Zeit, um per Eilverfahren doch noch einen Baustopp zu erwirken. Zwar spricht sich der BUND auch nach der Genehmigung weiterhin klar gegen die Elbvertiefung aus, doch wolle man den Beschluss zunächst "sehr intensiv fachlich und juristisch prüfen lassen" - und erst dann über einen möglichen Eilantrag entscheiden.

Wann beginnen die Bauarbeiten?

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) will das Ablaufen der Klagefrist abwarten, bevor erste Ausschreibungen an Bauunternehmen gehen. Insofern ein Eilverfahren ausbleibt, könnten die Bauarbeiten wohl im März 2019 beginnen. Zuvor wird der Elbgrund auf etwaige, aus dem Zweiten Weltkrieg verbliebene Bomben untersucht und zwei neue Leuchttürme in Blankenese errichtet, da die momentanen Richtfeuer nach der geplanten Verbreiterung der Fahrrinne ausgedient haben.

Ursprünglich waren Kosten in Höhe von 385 Millionen Euro veranschlagt worden, die zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel von der Hansestadt getragen werden. Inzwischen sind die Kosten jedoch enorm gestiegen. Der Hamburger Senat rechnet bereits mit einem Eigenanteil in Höhe von 286 Millionen Euro.

Was wird bei der Elbvertiefung gemacht?

Die Fahrrinne der Elbe soll zwischen Hamburg und Cuxhaven stellenweise vertieft werden. 42 Millionen Kubikmeter Elbgrund sollen ausgebaggert werden. Statt der bisherigen 12,5 Meter Tiefgang sollen Frachtschiffe mit einem Tiefgang von 13,5 Metern tideunabhängig im Hamburger Hafen einlaufen können.

Der abgetragene Sand soll größtenteils zur Aufschüttung eines Wasserhügels in der Medemrinne bei Brunsbüttel verwendet werden, um die Strömungsgeschwindigkeit zu dämpfen und den Tidenhub - den Unterschied zwischen Hoch- und Tiefwasser - zu verringern. In der Hamburger Köhlbrandkurve ist zudem ein zusätzliches Befestigungsbauwerk geplant, um die Uferböschung vor der Absackung zu bewahren. Von Glückstadt bis Hamburg soll die Fahrrinne um 20 Meter verbreitert werden. Kurz vor Hamburg soll die Fahrrinne letztendlich 270 Meter breit sein. Außerdem ist zwischen Wedel und Wittenbergen eine 385 Meter breite, rund acht Kilometer lange "Begegnungsbox" geplant, in der Schiffe problemlos aneinander vorbeifahren können.

Was die Befürworter sagen

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2017 wurden 8,8 Millionen Standardcontainer im Hamburger Hafen umgeschlagen - deutlich weniger als zu Beginn der Elbvertiefungsplanungen gedacht.

Die Elbvertiefung diene dazu die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu sichern, erklärt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Denn Europas drittgrößter Hafen schwächelt: 4,9 Prozent Umsatzrückgang musste der Tidehafen im ersten Halbjahr 2018 verzeichnen. 2017 wurden hier 8,8 Millionen Standardcontainer umgeschlagen. Bundesweit sichert der Hamburger Hafen 260.000 Menschen einen Arbeitsplatz - rund 150.000 davon allein in der Metropolregion. Bislang mussten Schiffe bis zu elf Stunden auf die Flut warten, ehe sie im Hamburger Hafen auslaufen konnte - was vor allem zu Kosten der Reedereien ging. Durch die Vertiefung soll das knappe Zeitfenster zum Abpassen der Tide von 60 Minuten auf 120 Minuten erweitert werden. Nach Angaben der Hamburg Port Authority sind 15 Prozent der Fahrten von Seeschiffen tideabhängig.

Was die Gegner sagen

Dem Vorhaben stellen sich Umweltverbände entgegen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Hamburg (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) klagten mit Unterstützung des WWF gegen die Vertiefungspläne. Statt der Elbvertiefung fordern die Umweltverbände eine engere Kooperation des Hamburger Hafens mit Bremerhaven und dem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven. Nicht nur Umweltverbände sprechen sich gegen das Projekt aus: Die Gemeinden Cuxhaven und Otterndorf sehen sich mit gravierenden Auswirkungen auf den Tourismus und die Deichsicherheit konfrontiert, Fischer sorgen sich um traditionelle Fangplätze. Und Obstbauern befürchten, dass der Salzanteil im Elbwasser steigen wird.

Steckengeblieben vor Grünendeich: Die 400m lange "CSCL Indian Ocean". © NDR/Ulrich Patzwahl

Elbvertiefung ohne Ende

die nordstory -

Seit dem 9. Februar 2017 ist es entschieden: Die Elbvertiefung kommt. Noch wird allerdings um den Schierlings-Wasserfenchel und um weitere Ausgleichsflächen gerungen.

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Dieses Thema im Programm:

die nordstory | 01.08.2018 | 14:15 Uhr

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