Stand: 12.01.2018 15:35 Uhr

Aufklärungskampagne gegen Schweinepest

Es sei nicht die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreicht, sondern wann: Das sagt Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Seit Monaten fürchten Bauern und Jäger, dass die Seuche, die in Osteuropa bereits ausgebrochen ist, auch nach Norddeutschland kommen könnte. Für den Menschen ist die Krankheit zwar ungefährlich, aber bei Schweinen verläuft sie in fast allen Fällen tödlich. Für Schweinehalter und die Fleischindustrie würde das Ausbrechen der Seuche Milliardenschäden bedeuten, befürchtet der Bauernverband. Besonders kleine Betriebe würden das nicht überleben.

Schleswig-Holstein: Aufklärungskampagne gefordert

Daher versuchen die norddeutschen Landesregierungen, Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest zu ergreifen. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lädt am Freitag Vertreter von Bauern-, Jagd- und Tierschutzverbänden zu einem Schweinepest-Gipfel nach Kiel ein. Der Bauernverband erwartet konkrete Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. Dazu gehört das Einzäunen sämtlicher Autobahnraststätten, damit Wildschweine nicht an Essensreste herankommen.

Viele osteuropäische Arbeitskräfte und Touristen brächten Wurst und Fleisch aus ihrer Heimat mit, sagt Werner Schwarz, Vize-Präsident des Bauernverbands. In Schinken oder Salami kann sich der Krankheitserreger bis zu sechs Monate halten. Daher sollte möglichst gar kein Fleisch mitgebracht werden, sagt Schwarz. Etwa durch Informationsschilder sollen Saison- und Pflegekräfte sowie Lkw-Fahrer sensibilisiert werden, dass Essenreste nicht in Mülleimer gehören, sondern wieder mitgenommen werden sollen. Lkw-Fahrer sollen ihre Fahrzeuge desinfizieren und regelmäßig die Kleidung wechseln. Zudem müsse der Schwarzwildbestand um 70 Prozent reduziert werden.

Hamburg: Kopfgeld für Wildschweinkadaver

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in Greifswald hatte dazu geraten, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren, um das Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. In Hamburg sind Wildschweine seit heute zum Abschuss frei gegeben.

Die Wirtschaftsbehörde hatte die Schonzeit aufgehoben. Auch der Einsatz von künstlichen Lichtquellen zur nächtlichen Jagd wurde ausnahmsweise genehmigt. Als eine Art Kopfgeld gibt die Wirtschaftsbehörde 100 Euro pro eingelieferten Kadaver eines erkrankten Tieres aus.

Niedersachsen: Millionen für Wildschweinjagd

Auch in Niedersachsen setzt man auf die Kopfgeldprämie. Jäger, die über ihr bisheriges Kontingent hinaus zusätzlich Schwarzwild schießen, sollen 50 Euro pro Tier erhalten. Für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden soll es pro Hund 25 Euro Zuschuss geben. Landwirtschafsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat eine Summe von 3,5 Millionen Euro im Nachtragshaushalt beantragt. Das Geld soll in erster Linie für die Verringerung von Wildschweinbeständen verwendet werden. Außerdem will das Land für vier Jahre einen Berufsjäger einstellen. Er soll anderen Jägern beibringen, wie Wildschweine in Fallen gefangen werden können.

Die Autobahn A 2 verbindet Niedersachsen mit Osteuropa und damit mit den Seuchengebieten. "Wir stehen vor der Spargelsaison, es gibt viele Mitarbeiter aus östlichen Ländern", sagt Otte-Kinast. Zusammen mit Touristen und Lkw-Fahrer sollen sie über das Risiko aufgeklärt werden. Ähnlich wie in Schleswig-Holstein sollen keine Essensreste an Rastplätzen hinterlassen werden.

Auch in Vechta bereitet man sich schon auf den Ernstfall vor. Die Stadt gilt als Zentrum der Schweinezucht in Deutschland. Die Veterinärbehörden wollen für den Fall eines Ausbruchs der Seuche ein Lagezentrum einrichten und die Region weiträumig absperren. Alle erlegten oder verendeten Wildschweine im Landkreis Vechta werden bereits jetzt auf den Virus untersucht.

Nordosten: 20 Prozent weniger Wildschweine

In Mecklenburg-Vorpommern hatte die Landesregierung bereits im Dezember 2017 zwei Millionen Euro zur Reduzierung der Schwarzwildbestände bereitgestellt. Die Zahl der erlegten Wildschweine soll um 20 Prozent steigen.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Tierkrankheit. Der Erreger befällt nur Haus- und Wildschweine. Für den Menschen ist er ungefährlich. Zurzeit gibt es noch kein Impfmittel gegen die Seuche. Daher müssen bestimmte Vorkehrungen getroffen werden, um das Ausbreiten des Virus zu verhindern.

Weitere Informationen
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CDU will Wildschweinjagd in Schutzgebieten

Die CDU-Agrarexpertin Schlupp will wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest die Jagd auf Wildschweine ausdehnen. Diese sollten auch in Schutzgebieten bejagt werden dürfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 12.01.2018 | 14:00 Uhr

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