Stand: 12.03.2018 07:27 Uhr

Verdis "Requiem" inszeniert von Calixto Bieito

von Elisabeth Richter

Er gilt als Skandalregisseur und Scharfmacher: der Katalane Calixto Bieito. Mit seinen Arbeiten hat er schon Tumulte beim Publikum ausgelöst. Nach Verdis "Otello" und einer szenischen Umsetzung von Madrigalen des Renaissance-Komponisten Gesualdo, inszenierte Bieito nun an der Hamburgischen Staatsoper Giuseppe Verdis "Messa da Requiem". Sie gilt wegen der dramatischen Abschnitte und opernhaften Melodien als Verdis "schönste Oper".

"Wenn Empörung, Fluch und Rache in heißen Flammen gebüßt werden, dann rufe mich zu Dir!": Drastisch sind die Höllenvisionen in der katholischen Totenmesse, und immer wieder gibt es den Kontrast dazu: das leise Flehen für die Seele des Verstorbenen. Verdi hat in seinem Requiem die inständigen Bitten um Gnade ebenso wie die Schrecken plastisch in Musik gesetzt.

Der Chor als leidende Hauptfigur

"Tag des Zornes, Tag der Klage, der die Welt in Asche wandelt": Im "Dies irae" ließ Calixto Bieito die große Masse Chor sich drohend auf die Solo-Sopranistin stürzen. Bieito machte sie zur leidenden Hauptfigur. Das ist naheliegend, denn sie hat bei Verdi zum Beispiel am Schluss das "Libera me" zu singen, die Bitte um Befreiung vom jüngsten Gericht, oder das flehende "Recordare", wo Jesus angerufen wird.

Keine Höllenszenarien oder packende Bilder

Calixto Bieito wird seit Jahren für seine drastischen Inszenierungen mit Blut, Schweiß, Tränen, Sex, Gewalt und mehr kontrovers aufgenommen. Wer bei Verdis Requiem erwartet hatte, dass Bieito seiner Phantasie bei den Höllenszenarien aus der Totenmesse freien Lauf lassen und packende Bilder erfinden würde, der wurde enttäuscht.

Bewegungsarme Inszenierung

Susanne Gschwenders Bühne hatte als einzige Requisiten mehrere riesige offene Regale mit quadratischen Fächern. Sie formierten abgeteilte oder freie Räume. Chor oder Solisten kletterten hindurch oder hingen daran an Seilen. Es war vorhersehbar, wann der Chor durch die Regal-Kassetten für seine zu singenden Passagen nach vorne kam. Während des Singens wurde meist bewegungsarm herumgestanden. Das war eine Regie ohne szenische Spannung.

Musikalisch hochklassige Solisten

So war diese Inszenierung von Verdis Requiem in erster Linie ein musikalisches Fest, hochklassig das Solistenquartett, voran Maria Bengtsson mit leichter Höhe, aber auch der nötigen Dramatik in der exponierten Sopranpartie, manchmal ein wenig flackernd, aber mit schöner Intensität der Mezzosopran von Nadezhda Karyazina, geschmeidig der Tenor von Dmytro Popov, und kernig-kräftig-markant der Bass von Gábor Bretz.

Szenen aus Verdis "Messa da Requiem"

Kevin John Edusei sorgte für einen durchsichtig und gut balancierten Klang des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, da war jede Linie hörbar, und an musikalischer Spannung fehlte es auch nicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.03.2018 | 07:20 Uhr

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