Stand: 21.10.2019 08:00 Uhr

Don Giovanni: Applaus für Musik, Buhs für Regie

von Elisabeth Richter

Mit Theaterregisseuren, die auch Oper inszenieren, hatte die Hamburgische Staatsoper unter der Intendanz von George Delnon bislang nicht viel Glück. Jette Steckel beispielsweise blieb mit ihrer Regie von Mozarts "Zauberflöte" weit hinter der Jahrzehnte alten Inszenierung von Achim Freyer zurück. Jetzt inszenierte mit Jan Bosse ein weiterer Theaterregisseur Mozarts "Don Giovanni".

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Anne Müller als Amor/Tod, Anna Lucia Richter als Zerlina und Andrè Schuen als Don Giovanni.

Don Giovanni, das ist Erotik und Energie pur. Von ihm geht eine magische Kraft aus. Alle definieren sich irgendwie über ihn. Donna Anna will Rache für den Tod ihres Vaters. Donna Elvira fühlt sich betrogen. Zerlina fürchtet und bewundert ihn. Ihr Gatte Masetto will ihn massakrieren, der Komtur seine Tochter retten. Das bezahlt er mit dem Leben. Leporello schwankt zwischen Verehrung und Abscheu.

Don Giovanni lebt das Leben ohne Rücksicht auf Verluste. So hat ihm Regisseur Jan Bosse den "Tod" als Alter Ego an die Seite gestellt. Eine erfundene, immer anwesende, androgyne, schlanke, weiß gekleidete Frauenfigur, die schon zur Ouvertüre rhythmisch mitwippt, herumkriecht und -turnt oder in Videos Wände hochkrabbeln kann. Am Ende zieht der Tod den reulosen Wüstling Don Giovanni in die Hölle - bei Jan Bosse unter eine große Decke.

Don Giovanni

Jan Bosse inszeniert Mozarts "Don Giovanni"

Hamburg Journal -

An der Hamburgischen Staatsoper wird Mozarts Opernklassiker "Don Giovanni" aufgeführt. Theaterregisseur Jan Bosse bringt den Stoff über den unersättlichen Frauenhelden ins Heute.

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Jan Bosse vertraut nicht Mozarts Musik

Auf Stéphane Laimés Drehbühne stehen mehrere ineinander verschachtelte runde und halbrunde alte Hausfassaden, die davor, dahinter und dazwischen Spielfläche freihalten. Don Giovannis Palast ist ebenfalls eine halbrunde Wand mit Glitzervorhängen. Die Szenen können so schnell aneinander geschnitten werden. Zu fast jeder Arie dreht sich aber die Bühne, und auf die Wände werden noch Live-Videos projiziert. Dennoch bleibt das schauspielerische Agieren viel zu statisch.

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Zerlina und Don Giovanni sind eng verschlungen.

Jan Bosse vertraut nicht der Kraft von Mozarts Musik. Dabei liegen gerade hier die Stärken der Produktion. André Schuen ist ein viriler Don Giovanni mit warmem Timbre. Noch ausdrucksstärker und runder in der Stimme singt der Bassbariton Kyle Ketelsen als Leporello. Anna Lucia Richters heller, runder Sopran passt ideal für Zerlinas vermeintliche Unschuld, während Dovlet Nurgeldiyev die rechte Noblesse für Don Ottavios Edelmut hat. Adam Fischer am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters ist ein wunderbarer Mozart-Dirigent, der die Energie, die Dramatik und die lyrischen Schichten der Musik feinsinnig abstimmte. So gab es viel Applaus für die Musik und deutliche Buhs für das Regie-Team.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.10.2019 | 06:40 Uhr

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