Zu sehen ist eine Statue von Georg Friedrich Händel in Göttingen vor mehreren Kirchtürmen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Hendrik Schmidt

Tobias Wolff zur Verschiebung der Händel-Festspiele

Stand: 08.02.2021 18:06 Uhr

Ausgerechnet das hundertjährige Jubiläum der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen konnte 2020 nicht stattfinden. Und auch in diesem Jahr sieht sich der geschäftsführende Intendant zu einer Verschiebung gezwungen.

Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Festspiele, auf einer Pressekonferenz zu 100 Jahre Internationale Händel-Festspiele Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner/dpa
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Herr Wolff, wie kam es zu der Entscheidung, die Händel-Festspiele 2021 in den September zu verlegen?

Tobias Wolff: Es ist ganz simpel: Wir hatten keine Planungssicherheit. Wir hätten in 50 Tagen mit den Opernproben in Göttingen beginnen müssen. Dazu hätten wir Sängerinnen und Sänger ins Land bringen müssen - aus den Vereinigten Staaten, aus Großbritannien, aus Norditalien, aus Österreich. Wir haben einfach nicht die Chance gesehen, dass das vollständig klappt, dass wir reibungsfrei proben können. Viele unserer Spielstätten haben uns auch noch keine Bestätigung darüber gegeben, dass wir im Mai wirklich dort spielen können, sodass zum jetzigen Zeitpunkt der Spielplan noch nicht fertig war. Eigentlich wollten wir am 5. März damit beginnen, Tickets zu verkaufen. Insofern haben wir uns entschlossen, in den September zu ziehen, auch in der Hoffnung, dass dort die Situation eine sehr viel bessere sein wird und wir hoffentlich viel mehr Gäste willkommen heißen dürfen als im Mai.

Eigentlich sollte ja schon vieles, was 2020 ausfallen musste, in diesem Jahr nachgeholt werden. Wie wird das Programm im September aussehen? Können Sie das jetzt überhaupt schon sagen?

Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Festspiele, auf einer Pressekonferenz zu 100 Jahre Internationale Händel-Festspiele Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner/dpa
Tobias Wolff ist seit 2011 der geschäftsführende Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen.

Wolff: Es wird natürlich unsere Hauptproduktion geben, eine szenische Produktion von "Rodelinda". Das ist das Stück, was 1920 erklungen ist und was wir auch zum nachgeholten hundertjährigen Jubiläum auf die Bühne bringen wollen. Das Bühnenbild ist fertig, die Kostüme sind angelegt. Wir haben dankenswerterweise vom Deutschen Theater einen neuen Termin bekommen und auch die Lokhalle hat uns da viele Termine eingeräumt, sodass wir große Konzerte mit dem Festspielorchester im September machen können. Es wird einige kleinere Formate im Mai geben, weil der Mai einfach unsere Festspielzeit ist und wir unsere Freundinnen und Freunde nicht so lange warten lassen wollen. Insofern gibt es ein etwas geteiltes Programm. Die großen Konzerte, die großen Gastspiele werden allesamt im September stattfinden.

Dann lohnt es sich, auf ihre Homepage zu schauen. Aber können Sie schon für Mai und September feste Termine nennen?

Wolff: Wir werden auf jeden Fall vom 9. bis zum 19. September die großen Festspiele, die großen Live-Veranstaltungenräsentieren. Der alte Festspiel-Zeitraum ist vom 13. bis zum 24. Mai - immer zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Da werden wir noch ein Programm auflegen. Die Details gibt es auf unserer Webseite noch nicht zu sehen, weil wir immer noch ein bisschen daran festgehalten haben, dass wir es vielleicht schaffen, das Programm umzusetzen. Aber jetzt müssen wir uns erst einmal neu sortieren, die digitalen Formate für den Mai zusammenstellen und auch die genauen Termine und Saalpläne für den September festklopfen. Ich gehe davon aus, dass wir im Mai oder Juni mit dem Vorverkauf für die Veranstaltungen im September beginnen werden.

Seit 2011 haben Sie die Geschicke in Göttingen bestimmt - 2021 nehmen Sie Abschied. Was wünschen Sie sich persönlich für die Festspiele in diesem Jahr, sodass sich Ihre Zeit hier doch noch angenehm runden möge?

Wolff: Ich wünsche mir vor allem für die Künstlerinnen und Künstler, dass das Programm durchgeführt werden kann. Wir haben gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern, mit dem künstlerischen Leiter Laurence Cummings, mit meinem Team, mit vielen Menschen in der Stadt und in der Region über vier, fünf Jahre dieses Programm gemeinsam entwickelt. Es ist wirklich ein sehr besonderes Programm. 100 Jahre Händel-Festspiele Göttingen - das ist ein ganz besonderes Jubiläum, und wir möchten bei einem Live-Festival mit unseren Freundinnen und Freunden, mit unserem Publikum, mit den Mitgliedern der Händel-Gesellschaft Abschied feiern. Ich wünsche mir, dass die Situation dann so ist, dass man vielleicht sogar wieder gemeinsam mit einem Gläschen Sekt anstoßen kann.

Das Gespräch führte Raliza Nikolov.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 08.02.2021 | 15:20 Uhr

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