Stand: 07.06.2019 15:38 Uhr

CD der Woche: Ein wohliger Brahms

Johannes Brahms: Violinkonzert op. 77 / Doppelkonzert op. 102
von Tianwa Yang
Vorgestellt von Friederike Westerhaus
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Die chinesische Violonistin Tianwa Yang lebt seit 2013 in Kassel.

Vor virtuosen Herausforderungen scheute sich die chinesische Geigerin Tianwa Yang noch nie. Mit 13 spielte sie schon die Capricen von Paganini. Sämtliche Violinwerke von Sarasate und die Solo-Sonaten von Ysaÿe hat sie auf CD gebannt, außerdem Werke von Lalo und Rihm. Zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Antoni Wit hat die heute 32-Jährige das Violinkonzert von Johannes Brahms aufgenommen, und dazu dessen Doppelkonzert mit dem Cellisten Gabriel Schwabe.

Zupackend, satt und voll - so legt Tianwa Yang den ersten Satz des Violinkonzerts von Johannes Brahms an. Technisch spielt sie dieses berühmte und durchaus knifflige Konzert geradezu makellos. Sie ist extrem sicher und souverän - ein wohliger Brahms. Allerdings fehlt zuweilen etwas der Gestus der Freiheit. Da lässt die Kadenz aufhorchen, die kurz auch mal zerbrechlicher klingt - eine Facette, die die Lebendigkeit der Interpretation noch unterstreicht.

Voll und strahlend ist Yangs Ton auch im zweiten Satz, dem Adagio. Sie wählt keine introspektive Sicht, sondern betont das träumerisch Schwärmende dieses gesanglichen Satzes. Wie ein Sommerspaziergang, auf dem die Luft von schönen Düften durchtränkt ist. Gar nicht so weit hergeholt, denn Brahms komponierte das Stück in den Sommerferien in Pörtschach 1877.

Das lichte, schwungvolle Finale schließt sich gut an. Es ist schier überschäumend in seiner Vitalität - und gerade hier fühlt sich Yang mit ihrer großartigen Virtuosität offenbar sehr zu Hause.

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Tianwa Yang spielt Brahms

NDR Kultur - Neue CDs -

Die chinesische Geigerin Tianwa Yang Brahms' Violinkonzert aufgenommen, dazu dessen Doppelkonzert mit dem Cellisten Gabriel Schwabe.

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Beeindruckende Synchronität

Im Doppelkonzert hat Yang mit dem Cellisten Gabriel Schwabe einen direkten Dialogpartner. Sie reißen sich gegenseitig regelrecht mit und spielen mit beeindruckender Synchronität. Der runde, weiche Klang von Schwabe scheint auch Yang einzuladen, mehr Weichheit in ihren Ton zu bringen. Sie entwickeln eine gemeinsame Ausdrucksidee, die vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Antoni Wit plastisch mitgeformt wird.

So wird man Zeuge einer regen, ausgedehnten Unterhaltung - so, wie sie Brahms vielleicht vorschwebte, als er dieses Werk 1887 für seinen engen Freund Joseph Joachim und dessen Quartett-Cellisten Robert Hausmann schrieb.

Ein Album, das Lust darauf macht, mehr von Tianwa Yang und Gabriel Schwabe zu hören - gerne auch in Kombination.

Johannes Brahms: Violinkonzert op. 77 / Doppelkonzert op. 102

Label:
Naxos

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 10.06.2019 | 15:20 Uhr

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