Brigitte Fassbaender bei Proben in der Staatsoper Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig

Staatsoper Hannover: Sänger proben im Lockdown

Stand: 01.02.2021 08:57 Uhr

Damit die künstlerische Qualität an der Staatsoper während des Lockdowns nicht abnimmt, wird derzeit in kleinen Gruppen geprobt.

von Agnes Bührig

Probe in einem geräumigen Saal in der Staatsoper Hannover. Tenor Aljoscha Lennert singt in großem Abstand zu Stimmpädagogin Brigitte Fassbaender eine Arie aus Mozarts Zauberflöte. Die Sängerin verfolgt unterdessen intensiv jede Regung von Ausdruck und Stimmführung, führt die rechte Hand in die Höhe, als schwebte darauf ein empfindsamer Ton.

Doch es geht um mehr als die richtige Tonhöhe. Der Sänger muss seine Gefühle hervorholen, sagt die 81-Jährige: "Wenn es ehrlich und gekonnt ist, dann kommt es an. Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit der Aussage und wirkliche Auseinandersetzung mit der Materie, das möchte ich hören und spüren - und nicht nur ein möglichst perfektioniertes oder möglichst lautes Singen."

Video-Mitschnitt: Vorteil für die Selbstwahrnehmung

Aljoscha Lennert bei Proben in der Staatsoper Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Aljoscha Lennert bei den Proben in der Staatsoper Hannover

Aljoscha Lennert soll an der richtigen Tonlänge arbeiten, um seine Verliebtheit als Tamino auszudrücken. Seit 2019 ist der 31-Jährige festes Ensemble-Mitglied der Staatsoper Hannover. Doch um seine Stimme weiter zu entwickeln, bekommt er Gesangsunterricht derzeit auch digital vermittelt.

Der Meisterkurs mit vier Kolleginnen und Kollegen wird auch am Ende in einem Video-Mitschnitt enden. Das habe auch Vorteile, sagt Aljoscha Lennert: "Wenn man singt, hat man nicht das gleiche Empfinden, wie wenn man quasi neben sich steht und sich selbst zuhört. Das Direkte hat man mit so einer Einspielung natürlich perfekt eingefangen."

Video soll Live-Bedingungen imitieren

Brigitte Fassbaender und Aljoscha Lennert bei Proben in der Staatsoper Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Genaues Hören funktioniert auch mit großem Abstand

Die Einspielung wird ein weiteres Angebot auf der Internetseite der Staatsoper Hannover werden, sagt Laura Berman. Bereits seit Beginn der Pandemie vor fast einem Jahr arbeitet die Intendantin des Opernhauses daran, dass mit beschränktem Kontakt geprobt und gespielt werden kann. Bei "Trionfo. Vier letzte Nächte" wurden die vier Solisten vereinzelt in Quadraten auf der Bühne platziert, die Aufführung später im Internet gestreamt.

Der Abschluss des Meisterkurses im Videoformat soll zumindest Live-Bedingungen imitieren, sagt Laura Berman: "Normalerweise, wenn Publikum da ist, entsteht ein Stress. Und dadurch haben die Sänger das Gefühl, das ist doch schwieriger als privat mit ihr im Zimmer."

Es ist der Versuch, fünf junge Sängerinnen und Sänger weiterzubilden und dem Publikum zugleich ein weiteres Angebot zu machen. Der Video-Mitschnitt des Abschlusskonzertes mit Werken von Mozart, Schubert und Gounod wird auf der Internetseite der Staatsoper Hannover veröffentlicht.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.02.2021 | 07:20 Uhr

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