Die Symphoniker Hamburg stehen auf der Bühne der Laeiszhalle und nehmen den Schlussapplaus des Publikums entgegen. © Symphoniker Hamburg

Spontaner Symphoniker-Abend mit viel Herz in Hamburg

Stand: 25.10.2021 14:10 Uhr

Mit Werken von Tschaikowsky, Saint-Saëns und Strauss haben die Symphoniker Hamburg und der Cellist Mischa Maisky das Publikum in der Hamburger Laeiszhalle begeistert. Die Südkoreanerin Han-Na Chang ist kurzfristig als Dirigentin eingesprungen.

von Daniel Kaiser

Einspringer-Konzerte haben eine ganz besondere Energie. Han-Na Chang ist es gelungen, diese Energie in einen besonderen Klang zu verwandeln. Sie hat das Konzert für den erkrankten Nikolaj Szeps-Znaider übernommen und fast das ganze Programm geändert. Das mitreißende Dirigat der 38-jährigen Leiterin und Chefdirigentin des renommierten Trondheim Symfoniorkester überträgt sich spürbar auf die Musikerinnen und Musiker. Changs Zeigefinger sticht für Knalleffekte präzise in Richtung Percussionisten, ihr ausgestreckter Arm mit geöffneter Hand zittert wie unter schwerem Gewicht, um die ersten Geigen zu mehr Vibrato und Gefühl zu ermutigen. Die Lebendigkeit und Freundlichkeit der stets lächelnden Han-Na Changs aktiviert bei den Symphonikern einen rauschhaften Sound.

Plastischer Orchesterklang

In Tschaikowskys "Romeo und Julia"-Ouvertüre erschafft Chang im Kleinen und im Großen wunderbare, dynamische Bögen. Wie ein DJ mit Dutzenden Reglern formt sie einen plastischen Orchesterklang und lässt vergessen, dass das Stück mit seinem Liebesthema mittlerweile zum eindimensional-klischeehaften Hollywood-Soundtrack wurde. Der bekannte Cellist Mischa Maisky spielt mit weit ausgeschnittenem, blauen Seidenoberteil und grauer Albrecht-Dürer-Mähne das virtuose Cello-Konzert von Camille Saint-Saëns auswendig. Mit geschlossenen Augen lässt er den Orchesterpart durch seinen Körper fließen und zucken und bewegt seine Hände wie ein Zweitdirigent.

Mischa Maisky zupft alle an die Wand

Bei Richards Strauss' sinfonischer Dichtung "Don Quixote" gelingt es Han-Na Chang, die Musik besonders lebendig zu gestalten: Man hört Schafe blöken und ein Pferd durch die Luft schweben. Die drei Solo-Instrumente finden sich in einem sensiblen kammermusikalischen Gespräch zwischen Don Quixote (Adrian Iliescu an der Violine und Mischa Maisky am Cello) und seinem Gefährten Sancho Pansa (Bruno Merse an der Bratsche) wieder, und Mischa Maisky (wie ein Popstar hat er sich in der Pause umgezogen und trägt nun ein graues Oberteil) spielt, wenn er im Forte seine Saiten zupft, eine ganze Streicher-Sektion an die Wand. Und wer seinen letzten Takten bei Don Quixotes Ende nichts im Auge hat, ist vielleicht wirklich nur ein kaltes Stück Fleisch. Den Symphonikern Hamburg hat die Spontaneität und Frische Han-Na Changs gut getan. Das Publikum bedankt sich für diesen gefühlvollen Konzertabend mit langem Applaus und begeistertem Getrampel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 25.10.2021 | 19:00 Uhr

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